Lebensreise in Europas Klavierwelt

Bechstein-Konzertreihe: Fulminanter Start mit Star-Pianist Saleem Ashkar

Weltklasse-Pianist Saleem Ashkar gab sich im Brucknerhaus ganz dem Klang hin.
Weltklasse-Pianist Saleem Ashkar gab sich im Brucknerhaus ganz dem Klang hin. © R. Winkler

Man müsste ihn auch in Linz schon längst gehört haben, den israelisch-palästinensischen weltbekannten Pianisten Saleem Ashkar (42), der am Donnerstag im verkleinerten Mittleren Saal des Brucknerhauses ein unbeschreibliches Entrée hinlegte.

In Nazareth aufgewachsen, zog er bald in die Welt hinaus, um die europäische Klavierkultur lieben zu lernen. Zubin Mehta hat ihn entdeckt. Der Start einer internationalen Karriere.

Atemberaubendes Spiel

Dass die Bekanntschaft mit ihm in Linz möglich wurde, ist der Kooperation des vom Klaviersalon Merta geschaffenen Bechstein Centrums mit dem Brucknerhaus zu danken, womit der traditionsreiche Bechstein-Flügel aus 1853 in einer eigenen Konzertreihe bespielt wird. Saleem Ashkar „bediente“ das Instrument mit entsprechender Würde und nützte seine Klangqualitäten zu einem technisch atemberaubenden Spiel. Er tritt mit dem Komponisten in ein Gespräch, so dass eine völlige Identifikation die Oberhand gewinnt und eine andere Interpretation gar nicht mehr vorstellbar ist.

Das Programm begann der Künstler mit dem Brahms-Opus 79, nur scheinbar zwei harmlosen Rhapsodien aus 1879, die in ihrer romantischen Freiheit, gar nicht typisch für ihre Form, sondern in einem gehobenen Charakter das sinfonische Aufbrausen des Sinfonikers zeigten. Aber für Ashkar beinhaltet die Romantik noch mehr, was dann Schumanns berühmter Zyklus „Kreisleriana“ op.16 in den acht Teilen offeriert. Rhythmische Pointierungen und Rubati bei variierter Pedaltechnik sorgten zudem für faszinierende Überraschungen.

Darauf der Farbkomplex in Debussys „Images“ Nr.1-3, ein Tastenstreicheln im Stimmungswechsel eines ganz dem Klang hingegebenen Interpreten. Dass es auch noch die Gedächtnisleistung des Pianisten in zwei Chopin-Balladen op. 47 und 52 mit allen technisch geforderten Finessen zu bewundern gilt, hätte man fast vergessen, nicht aber einen der beeindruckendsten, unvergleichlichen Klaviervirtuosen, der noch mit einer Schubert-Zugabe beschenkte. Wer das Ereignis versäumt hat, freue sich auf seinen hier vorenthaltenen Beethoven, dessen Sonatenzyklus Ashkar derzeit bei Decca aufnimmt.

Wie ist Ihre Meinung?