Lebensverdienst neu verteilen

Ältere Arbeitnehmer sollen für die Unternehmen attraktiver werden

ÖVP-Seniorenbundes, Ingrid Korosec
ÖVP-Seniorenbundes, Ingrid Korosec © Seniorenbund

Die Präsidentin des ÖVP-Seniorenbundes, Ingrid Korosec, will die Gehaltskurven abflachen.

Im APA-Interview drängte sie die Sozialpartner, bei gleichbleibender Lebensverdienstsumme höhere Anfangsgehälter und dann dafür geringere Steigerungen zu vereinbaren. Damit würden ältere Arbeitnehmer für die Dienstgeber attraktiver und könnten auch länger in Beschäftigung gehalten werden.

Öffentlicher Dienst soll Vorreiter sein

Grundsätzlich strebt die Seniorenbund- und Seniorenratspräsidentin eine Abschwächung des Senioritätsprinzips auch für die Privatwirtschaft an, Vorreiter sollte aber der Öffentliche Dienst sein. Die Länder Oberösterreich, Tirol und Vorarlberg haben bereits auf ein neues Besoldungssystem umgestellt, weitere sollen folgen.

Ein konkretes Modell sei Angelegenheit der Sozialpartner. Klar ist für Korosec aber, dass bei den jährlichen Gehaltserhöhungen eine Abstufung nach dem Alter nicht möglich sei. Ansetzen könnte man ihrer Ansicht nach jedoch bei den sogenannten Biennalsprüngen, die alle zwei Jahre außertourliche Erhöhungen vorsehen. Hier könnte sich Korosec vorstellen, diese nur alle vier Jahre zu machen. Aber auch andere Varianten wären denkbar. Dafür müssten die Anfangsgehälter steigen, damit die Lebensverdienstsumme gleich bleibt. Klar ist für Korosec jedenfalls, dass das Problem in der Privatwirtschaft noch gravierender als im öffentlichen Bereich ist.

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Um ältere Arbeitnehmer für Unternehmer attraktiver zu machen, plädiert Korosec auch für eine spürbare Senkung der Arbeitskosten. Dafür kann sie sich eine Senkung von Abgaben vorstellen. Personen, die eine Alterspension beziehen und weiterhin in Beschäftigung sind, sollen künftig keine Beiträge mehr ins Pensionssystem entrichten müssen. Und als Anreiz zum Verbleib im Erwerbsleben schlägt die Präsidentin vor, den Zuschlag zur Korridorpension über 60 bzw. 65 von 4,2 auf 6 Prozent zu erhöhen.

Korosec verweist auch darauf, dass das Senioritätsprinzip in Österreich besonders stark ausgeprägt sei. Personen im Alter zwischen 55 und 59 Jahren verdienen im EU-Durchschnitt brutto um 35 Prozent mehr als im Alter von 25 bis 29. In Österreich beträgt der Mehrverdienst hingegen 58 Prozent.

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