Leclerc-Pole bei Red-Bull-Schlappe in Baku

Ferrari-Pilot Charles Leclerc hat im Crash-Qualifying von Baku seine zweite Pole Position in Folge eingefahren. Der Monegasse geht wie vor zwei Wochen in Monaco vom ersten Startplatz weg in den Formel-1-Grand-Prix von Aserbaidschan am Sonntag (14.00 Uhr/ORF 1, Sky). Zweiter und heimlicher Sieger des Tages wurde Mercedes-Star Lewis Hamilton mit 0,232 Sekunden Rückstand. Der favorisierte Red-Bull-Rennstall musste nach einem pechbehafteten Ende eine Schlappe verdauen.

WM-Leader Max Verstappen startet als Dritter (+0,345) aus der zweiten Reihe, für seinen Stallrivalen Sergio Perez (+0,699) reichte es nur zu Platz sechs. Der Mexikaner profitierte später von der Strafversetzung von Lando Norris (9./ursprünglich 6.), der bei Roter Flagge ein Fehlverhalten begangen hatte. Zwischen den beiden Red Bull klassierten sich AlphaTauri-Mann Pierre Gasly (4./+0,347) und Carlos Sainz (Ferrari). Yuki Tsunoda im zweiten Alpha holte als Siebenter sein bestes Karriere-Resultat, beendete die Zeitenjagd aber mit einem Crash für alle vorzeitig.

Diese vierte und letzte Rote Flagge spielte Leclerc in die Karten, der sich früh im letzten Qualifying-Abschnitt perfekt hinter Hamiltons Auto positionierte und sich mithilfe des Windschattens letztlich die neunte Pole Position seiner Karriere holte. Vor zwei Wochen hatte Leclerc in seiner Heimat Monaco ebenfalls die schnellste Runde gedreht, war danach aber in die Mauer gekracht und konnte letztlich nicht im Rennen starten.

Diesmal ist für den 23-Jährigen in den Häuserschluchten von Baku alles drin. Zuvor aber musste der Polesetter „eine ziemliche Scheiß-Runde“ zugeben. „Ich habe in zwei oder drei Kurven Fehler gemacht, dann hat mir Lewis im letzten Sektor einen Windschatten gegeben, der hat mir geholfen.“ Leclerc hatte nicht erwartet, dass Ferrari am Kaspischen Meer „so konkurrenzfähig sein“ würde. „Es fühlt sich besser an als Monaco.“

Verstappen, der erstmals in seiner Karriere als WM-Spitzenreiter in das sechste Saisonrennen gehen wird, war frustriert. „Ich hatte eigentlich das Gefühl, dass alles gut gehen würde, doch dann passierte dieser Mist. Es kann natürlich passieren, es ist einfach nur Pech“, bekundete der Niederländer, der vier Punkte vor Hamilton liegt. Perez sprach wegen der hervorragenden Voraussetzungen von einer „großen Schande“. „Wir haben keine Runde zusammenbekommen, als es wirklich darauf ankam.“

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Hamilton hatte wieder einmal Grund zur Freude. „Das ist ein monumentales Ergebnis für uns, weil wir so viele Schwierigkeiten hatten, dass wir das gar nicht glauben konnten“, sagte der Titelverteidiger. Nach schwachen Trainings hatte wenig darauf hingedeutet, dass die Silberpfeile insbesondere Red Bull am Samstag wirklich Paroli würden bieten können.

Teamchef Toto Wolff erzählte von einem „Heureka-Moment“ im dritten Training und meinte angesichts der guten Ausgangsposition seines Stars für das Rennen: „Wir haben alle Chancen, wenn das Auto hält.“ Restlos zufrieden konnte der Wiener nach Rang zehn für Valtteri Bottas freilich nicht sein.

Für den Red-Bull-Rennstall endete der Tag ein wenig so, wie er angefangen hatte. Verstappen hatte schon im Abschlusstraining einen Dämpfer hinnehmen müssen, als er nach einem Fahrfehler in Kurve 15 in die Begrenzung rauschte. Gut zwei Stunden später war der Wagen wieder rennbereit, doch Kurve 15 sollte auch anderen Fahrern Probleme bereiten.

Schon in Q1 demolierten Lance Stroll (Aston Martin) und Antonio Giovinazzi (Alfa Romeo) an selber Stelle ihre Boliden und sorgten damit für minutenlange Unterbrechungen. Q2 beendete Daniel Ricciardo (McLaren) mit seinem Einschlag in Kurve 3 frühzeitig, durch die dritte Rote Flagge blieb etwa Sebastian Vettel (Aston Martin) um 29 Tausendstelsekunden als 11. auf der Strecke.

In Q3 dann der Unfall Tsunodas, der RB-Motorsportberater Helmut Marko im ORF eine „Quintessenz“ finden ließ: „Taktik kann man in Baku vergessen, man muss vorne raus und schauen, dass man so schnell wie möglich eine schnelle Runde hinkriegt“. Denn Platz eins wäre für Verstappen möglich gewesen, meinte Marko. „Wir hatten ziemlich als einziges Team noch zwei Satz neue Reifen. Den ersten Satz vorsichtiger und im zweiten attackieren.“ Zu der geplanten Attacke kam es aber nicht mehr.

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