Lehár Festival in Bad Ischl erzielt mit wenig Geld Riesenerfolge

Intendant Thomas Enzinger führte Mitglieder durch das Theater

Durchs Kongress & TheaterHaus Bad Ischl führte Thomas Enzinger (r.)

Von Ingo Rickl

Wie alle bedeutenden Kultur-Institutionen unseres Landes versucht auch das seit 1961 die Zusehermassen in die Kaiserstadt lockende Lehár Festival Bad Ischl einen Anhängerstab von Mitgliedern aufzubauen, die als Fanatiker Jahresbeiträge in der Höhe von 50, 150 oder 500 Euro spenden – und dafür auch gewisse Vorteile genießen dürfen. Dazu zählt etwa die Führung durch den Intendanten Thomas Enzinger, der freilich auch seine (vor allem finanziellen) Sorgen preisgibt. Die Führung am vergangenen Mittwoch führte uns zunächst zur Technik im Saal, der rund 750 Sitzplätze aufweist. Da zeigen Christian und Matthias Binder gemeinsam mit Bernhard Schmalnauer, was sie auf Knopfdruck auf der Bühne an zauberhaften Effekten herausholen können. „Hier konnten wir investieren“, meint Enzinger, „ansonsten fehlt uns leider das Geld, Investitionen vorzunehmen.“

Auf der Bühne selbst herrscht – neben der gleichsam zum Inventar gehörenden Inspizientin Susanne Marik – als Ruhepol Bühnentechnik-Chef Manuel Grübler über ein Winzig-Heer von fünf Kollegen, welche die technische Arbeit großteils ohne Mithilfe des Computers bewältigen. Weiter geht es mit Enzinger in die Maske, wo Sylke Schmidt und weitere vier Damen aus Menschen Komödianten zaubern.

Susanna Hirschler sagt auf der Bühne „Grüß Gott“

Vor dem „Weißen Rössl“ sah man neben der Türe den männlichen Star des Abends, Roman Martin als Leopold, während seine Rössl-Wirtin alias Susanna Hirschler bei einem Kurzausflug auf die Bühne „Grüß Gott“ sagte.

Unheimliches leisten die sechs für das Kostümwesen und die Garderobe zuständigen Damen. Gewandmeisterin Petra Sacher: „Ja, da werden gleich 35 Hemden von einer Kollegin hintereinander gebügelt. Bei Hitze neigen die Künstler, vor allem die Choristen, zu Schweißausbrüchen. Alle Kostüme werden von uns gewaschen und persönlich zurückgestellt.“ Irgendwo auf dem Weg gibt es einen Automaten mit billigen Getränken. Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass es finanziell schlecht steht: Zum einen ist der technische Betrieb veraltet. Hier hilft vor allem die Ausstatter-Firma Toto, verantwortlich für Bühnenbilder und Kostüme, die einzelne Bühnenteile aufhebt und für andere Theater neu bemalt und adjustiert. „Wir könnten uns jedes Jahr neue Gesamtbühnenbilder nicht leisten“, seufzt Enzinger. Der Intendant benötigt, obwohl er das Verständnis der Politik für seine Sorgen anerkennt, für verschiedene Vorhaben mehr Geld. Das Franz Lehár Orchester und der Chor, gesamt also rund 65 Personen, arbeiten sich um schmale Gehälter bei höchstmöglicher künstlerischer Leistung an den Rand des Ruins. Viele Künstler zahlen drauf, zumal die Spesen für Übernachtung und Leben im teuren Ischl mit den Honoraren nicht abgedeckt werden. „Ich weiß das, ich kämpfe seit Jahren um Mittel und werte daher auch den Verein der Freunde des Lehár Festivals auf, um ein wenig Geld für meine zahlreichen Vorhaben zu lukrieren“, so Enzinger. Ein Kompliment geht an den Intendanten und seine 120 Mitarbeiter aus 17 Nationen, die hier in OÖ ein wahres Wunder an künstlerischer Effizienz erreichen. Wer jetzt als Mitglied beitritt, kann nächstes Jahr bei der Führung neue Eindrücke sammeln.

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