Lehrer zufrieden mit Schulkonzept, Eltern teils skeptisch

Eltern und Lehrer haben auf den Plan, Schüler nach den Semesterferien wieder in die Klassen zurückzuholen, erfreut reagiert. Weniger Einigkeit gibt es bei der konkreten Ausgestaltung: Nur Kinder und Jugendliche, die in der Schule einen Antigen-Selbsttest durchführen, dürfen am Präsenzunterricht teilnehmen, die anderen müssen sich den Stoff daheim erarbeiten. Für die Lehrer ein stimmiges Konzept, die Pflichtschul-Elternvertretung fordert Fernunterricht statt Selbststudium.

„Wir plädieren immer für Freiwilligkeit“, betont Sprecherin Evelyn Kometter, Sprecherin des Dachverbands der Elternvereine an öffentlichen Pflichtschulen, im APA-Gespräch. Es sei legitim, dass Präsenzunterricht nur für getestete Schüler angeboten wird. Allerdings müsse es für jene, die den Test verweigern, mehr geben als Arbeitsaufträge und die Möglichkeit, sich von vom Unterricht freigestellten Pädagogen unterstützen zu lassen. Kometter fordert für diese weiterhin Distance-Learning-Angebote durch die Lehrer der jeweiligen Klasse. Immerhin sei jedes Yogastudio dazu in der Lage, Livestreams anzubieten.

Sie pocht außerdem auf Betreuung für die Zehn- bis 14-Jährigen an jenen Tagen, an denen sie keinen Präsenzunterricht haben. Gerade Familien mit mehreren Kindern, die vielleicht an unterschiedlichen Tagen in der Schule seien, stünden sonst vor Betreuungsproblemen. Skeptisch zeigt sie sich auch bezüglich des Freitags als Distance-Learning-Tag für alle, hier werde stellenweise die Internetverbindung zusammenbrechen, wenn das Netz nicht ausreichend ausgebaut sei. Zumindest jene Schüler, die Probleme mit dem Lernstoff haben, müssten an diesem Tag für Förderunterricht an die Schule kommen dürfen, fordert sie. Wenn die Gesundheit der Schüler nicht gefährdet werden solle, brauche es außerdem neben Test- und Sicherheitskonzepten an den Schulen endlich ausreichende Kapazitäten in den öffentlichen Verkehrsmitteln wie z.B. Schulbussen.

Einen „brauchbaren Kompromiss“ sieht Marcus Dekan, Vorsitzender des Verbands der Elternvereine an den höheren und mittleren Schulen Wiens. Durch zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen wie präventive Tests scheine eine Rückkehr in die Klassen durchaus vertretbar, sagt er gegenüber der APA. Allerdings gebe es auch verunsicherte Eltern, die ihre Kinder nicht in die Schule schicken wollen. Während es für Dekan angesichts der leicht anwendbaren Selbsttests durchaus vertretbar ist, dass nur getestete Schüler am Präsenzunterricht teilnehmen dürfen, findet er die FFP2-Maskenpflicht für Oberstufenschüler auch nach einer Testung nicht schlüssig. Hier hoffe er noch auf ein Umdenken. Außerdem plädiert er generell für ganz klare Regeln für Maskenpausen, etwa während des Lüftens oder in stillen Arbeitsphasen.

„Wenn die Testpflicht die Lösung ist, um in einen Präsenzunterricht zu kommen, befürworten wir das natürlich“, betont unterdessen Bundesschulsprecherin Alexandra Bosek im APA-Gespräch und hofft auf eine möglichst breite Teilnahme. Für Schüler der Risikogruppe, die nicht in die Klasse kommen können, wünscht sie sich hybride Unterrichtsformen mit Livestream aus dem Klassenzimmer. Auch Schüler, die sich nicht testen lassen wollen, könnten dieses Angebot nutzen – „wobei wir keinen Grund sehen, sich nicht testen zu lassen“.

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Den Schichtbetrieb findet Bosek zwar nicht ideal, weil dieser in der Praxis mitunter dazu führe, dass man beim Stoff nicht gut vorankomme. Gerade für Schüler der Oberstufen, die schon seit den Herbstferien im Distance Learning sind, sei allerdings jeder Tag im Präsenzunterricht für die emotionale Gesundheit enorm wichtig. Sie plädiert dafür, dass in den ersten beiden Wochen nach den Semesterferien kein Druck durch Leistungsfeststellungen gemacht wird. Stattdessen solle geschaut werden, ob es allen Schülern psychisch gut geht und wie sie beim Stoff mitgekommen sind.

Für den obersten Lehrervertreter Paul Kimberger (FCG) birgt die Rückkehr in den Präsenzunterricht zwar u.a. wegen der schwer einschätzbaren Auswirkungen der Virusmutationen ein gewisses Risiko, angesichts der neuen Teststrategie könne man dieses aber eingehen. Auch die Testverpflichtung sei in diesem Zusammenhang nachvollziehbar. Probleme erwartet er in der Praxis keine, selbst Volksschüler könnten die Nasenvorraumtests leicht bei sich anwenden. Er glaubt auch, dass viele Lehrer diese selbst für eine zweite Testung pro Woche nutzen werden, hier habe es bereits in der Vergangenheit viele Anfragen gegeben. Kimberger rechnet außerdem damit, dass auch viele Pädagogen trotz Berufsgruppentestung freiwillig FFP2-Maske tragen werden, vielfach sei das schon jetzt der Fall.

Wichtig sei für einen sicheren Schulbetrieb, dass die Testlogistik auch wirklich funktioniert. Probleme wie bei der ersten Tranche, als teilweise keine, zu wenige oder fehlerhafte Testkits in den Schulen angekommen sind, dürften nicht mehr vorkommen. Außerdem fordert der Gewerkschafter, dass Lehrern so schnell wie möglich ein Impfangebot gemacht werden soll. „Die Impfung ist das Mittel, um im Bildungsbereich den Weg aus der Krise herauszufinden.“

Auch an den AHS und BHS werden Rückkehr in die Schulen, Teststrategie und FFP2-Maskenpflicht an den Oberstufen begrüßt, wie AHS-Direktorensprecherin Isabella Zins betont. Sie geht im Gespräch mit der APA davon aus, dass auch mit der Neuregelung die flexiblen Möglichkeiten des Schichtbetriebs für die Oberstufen erhalten bleiben werden. Die dortigen Schüler sind bereits seit den Herbstferien grundsätzlich im Schichtbetrieb, sollten allerdings nach den bisherigen Plänen nach den Ferien klassen-, gruppen- oder jahrgangsweise in die Klassen geholt werden können.

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