Lehrervertreter Kimberger sieht bei Behörden „Luft nach oben“

Lehrergewerkschafter Paul Kimberger
Lehrergewerkschafter Paul Kimberger © APA/Pfarrhofer

Derzeit ist unklar, ob die Schulen wirklich schon am 18. Jänner aufsperren können oder zumindest bis 25. Jänner im Distance Learning bleiben.

Bildungsminister Heinz Faßmann erklärte, dass man die aktuellen Zahlen abwarten müsse und dann mit den Ländern eine Entscheidung treffen werde.

Geklärt dürfte die Einstufung der Pädagogen bei der Reihenfolge der Impfungen sein: Sie fallen in die Phase zwei und sollen die Vakzine Ende Februar bzw. Anfang März erhalten. Impfpflicht für die Pädagogen werde es keine geben, so der Minister.

Beim Öffnen wäre neben einem österreichweiten Vorgehen auch eine regionale Lösung, also eine Öffnung nur in jenen Regionen mit niedriger Infektionszahl möglich — beide Modelle hätten aber Vor- und Nachteile. Auch der oberste Lehrervertreter Paul Kimberger ist bezüglich der Schulöffnung noch skeptisch.

VOLKSBLATT: Was wären für Sie die Kriterien?

KIMBERGER: Für mich gibt es einige entscheidende Fragen: Erstens befinden sich die Infektionszahlen bzw. die Inzidenz nach wie vor so hoch wie momentan. Zweitens stehen ausreichend Testkapazitäten für Lehrer und Schüler zur Verfügung — der Herr Bundesminister hat ja am Wochenende die neue Generation des Schnelltests vorgestellt und jetzt geht es auch darum, ob für alle Schulen und Schulstufen genug vorhanden ist, um dadurch für mehr Sicherheit in unseren Schulen zu sorgen. Die dritte Frage, die sich für mich stellt, ist, wie kann man das Ansteckungsrisiko durch Maßnahmen vor Ort minimieren — etwa durch Schichtbetrieb. Und ebenfalls wichtig, aber vermutlich noch nicht beantwortbar ist die Frage, wie ansteckend ist die neue Virusmutation. In England hat sie sich dem Anschein nach überproportional stark bei Kindern und Jugendlichen verbreitet. Das wären die Kriterien. Und klar ist, dass wir besser heute als morgen eine Impfmöglichkeit für Lehrer anbieten müssen.

Und können Sie sich ein teilweises Aufsperren vorstellen, etwa dort, wo die Infektionszahlen niedrig sind?

Ich habe von solchen Überlegungen gehört und hoffe, dass wir, sollte das ins Auge gefasst werden, nicht dasselbe erleben wie bei der Corona-Ampel. Ich bin zwar für Differenzierung, aber es muss transparent und nachvollziehbar sein. Es muss auch administrativ und bürokratisch machbar sein und darf kein Bürokratiemonster sein, wo sich keiner mehr auskennt und die Planbarkeit verloren geht.

Der Bildungsminister propagiert Gratistests für alle Schüler, ist das eine Lösung und wird das nicht auch an den Lehrern hängen bleiben?

Wir haben noch nicht Details und es gibt mehrere Varianten. Uns ist erklärt worden, dass die Sekundarstufe 2 — die Oberstufenschüler — es selbst machen können. In der Sekundarstufe 1 wird noch überlegt, passiert das Testen in der Schule oder Zuhause und im Bereich der Volksschule soll das Testen in die Verantwortung der Eltern gelegt werden. Aber es laufen noch Gespräche, wie das organisatorisch über die Bühne gehen kann.

Nach dem letzten Lockdown gingen rund zwei Drittel der Pädagogen zu den freiwilligen Tests — kann man das steigern? Und wie stehen Sie zur geplanten Testpflicht?

Ich bin Pädagoge und aus diesem Grund setze ich auf Überzeugung und nicht auf Zwang — das gilt sowohl für das Testen als auch für das Impfen. Und die Lehrerinnen und Lehrer haben bewiesen, dass sie solche Werkzeuge gerne in Anspruch nehmen.

Egal wann der Lockdown endet, in wenigen Wochen ist Semesterschluss. Wie werden die Lehrer die Benotung abgeben und wie kann man im Sommersemester den verpassten Stoff wieder aufholen?

Grundsätzlich ist ja in den letzten Monaten — egal ob im Distance Learning, Schichtbetrieb oder Präsenzunterricht — viel geleistet worden. Den Eindruck entstehen zu lassen, als wäre pädagogisch nichts passiert, weise ich kategorisch zurück. Dass wir aber die Notwendigkeit haben, da und dort mehr Unterstützung zu geben, mehr Förderungen auf die Schiene zu bringen, bezweifelt niemand. Aber auch in diesem Semester haben unsere Schüler Leistungen vollbracht, die man auch benoten kann.

Welche Noten würden Sie den Bildungsbehörden für das Corona-Management geben?

Wir machen das alles zum ersten Mal und ich gestehe jedem zu, dass er nach bestem Wissen und Gewissen handelte. Das Ganze hat aber nur deswegen so gut funktioniert, weil die Schulleiter so großartiges geleistet haben. Bei den Corona-Maßnahmen der Bildungsbehörden gibt es hingegen noch viel Luft nach oben. Und durchgefallen sind alle, die glauben, an den Schulen gebe es kein Infektionsgeschehen und die Schulen sind ein sicherer Ort.

Mit Lehrergewerkschafter PAUL KIMBERGER sprach Herbert Schicho

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