Leichter Rückgang bei Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit

Kocher verweist auf gute Qualifikation der ukrainischen Flüchtlinge © APA/GEORG HOCHMUTH

Aktuell sind 297.386 Personen auf Jobsuche, davon sind 227.743 arbeitslos gemeldet, 69.643 befinden sich in Schulungen. „Somit ist die Arbeitslosigkeit im Vergleich zur Vorwoche um 1.097 Personen gesunken“, teilte Arbeitsminister Martin Kocher am Dienstag mit. Gesunken sind auch die Voranmeldungen zur Kurzarbeit, 28.038 Personen befinden sich derzeit in dieser Arbeitsmarktmaßnahme. Der BIP-Indikator der OECD zeigt für die vorletzte Woche ein Wachstum von 4,4 Prozent.

Der Minister nannte auch Zahlen zur Arbeitsintegration von Ukrainerinnen und Ukrainern: Ende Mai waren 6.850 beim AMS vorgemerkt und somit auf Jobsuche in Österreich. Auffällig dabei: Der hohe Anteil an Personen mit akademischer Ausbildung, der bei knapp einem Drittel (31 Prozent) liegt. 34 Prozent haben einen Pflichtschulabschluss, 12 Prozent eine höhere Ausbildung, 6 Prozent können einen Lehrabschluss vorweisen und 3 Prozent haben mittlere Ausbildung. Die restlichen 15 Prozent konnten mangels ausreichender Informationen keinem Bildungsniveau abschließend zugeordnet werden.

Fehlende Sprachkenntnisse, die Anerkennung von Vorkenntnissen sowie mangelnde Kinderbetreuung seien derzeit die größten Hindernisse, Ukrainerinnen bzw. Ukrainer in den Arbeitsmarkt zu integrieren, so Kocher und AMS-Chef Johannes Kopf bei einem Pressegespräch. „Kinderbetreuung ist ein wesentlicher Schlüssel, auch in der Frage beim aktuellen Fachkräftemangel“, sagte Kopf. Weiter offen sei auch das Thema Familienbeihilfe. Arbeitende Ukrainerinnen und Ukrainer können derzeit keine Familienbeihilfe beziehen.

Kopf kritisierte erneut die geplante Erhöhung der Zuverdienstgrenze. Arbeit über der Geringfügigkeitsgrenze lohne sich für Flüchtlinge aus der Ukraine erst ab einem Nettoeinkommen von 1.201 Euro. Viele der Frauen, die kommen, würden aber wegen der Kinderbetreuung nur Teilzeit arbeiten können.

Die Regierung und acht Bundesländer wollen die Zuverdienst-Möglichkeit für Vertriebene aus der Ukraine von 110 Euro plus maximal 80 Euro pro Familienmitglied auf die Geringfügigkeitsgrenze von 485 Euro anheben. Kärnten lehnt dies u.a. aus rechtlichen Gründen ab, weil das von der SPÖ geführte Bundesland meint, dass die Anhebung dann auch für alle anderen Asylwerber in der Grundversorgung gelten müsste.

Derzeit haben rund 7.600 Ukrainer und Ukrainerinnen eine Beschäftigungsbewilligung in Österreich. Allein aufgrund des Sprachdefizits würde ein großer Teil davon Hilfsarbeiten machen und unter dem eigentlichen Ausbildungsniveau arbeiten, sagte der AMS-Chef. Neben dem Integrationsfonds biete deshalb auch das AMS zusätzliche Deutschkurse an. Ein Teil der Geflüchteten arbeite in Bereichen, in denen derzeit Dolmetschtätigkeiten gefragt seien – etwa in Kindergärten. Einige machten Teleworking für ukrainische Firmen, andere seien in österreichischen Firmen mit Ukraine-Bezug untergekommen.

Das Arbeitsmarktservice hat unter ams.at ein neues Tool eingerichtet, das auf Deutsch, Ukrainisch, Russisch und Englisch abrufbar ist. Es stellt grafisch dar, wo in Österreich welche Berufe am gefragtesten sind. Dafür sind zwei Eingaben nötig: der Berufswunsch sowie die höchste absolvierte Ausbildung. Das Tool soll Geflüchteten einen besseren Überblick über ihre Arbeitsmarktchancen in ganz Österreich geben.

Für den scheidenden Flüchtlingskoordinator Michael Takacs funktioniert die Integration in den Arbeitsmarkt schon gut, ein weiterer Schritt sei aber, noch schneller und effizienter zu werden. Takacs wurde kürzlich zum Bundespolizeidirektor ernannt. Wer bzw. ob ihm jemand als Flüchtlingskoordinator nachfolgt, ist indes noch nicht klar.

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