„Leid der einen, Glück der anderen“

Die aus Eferdingstammende SchriftstellerinKarin Peschka
Die aus Eferding stammende Schriftstellerin Karin Peschka © Markus Ecker

1 Jahr Corona, das VOLKSBLATT schickte einen Fragenkatalog an namhafte Kunst- und Kulturmenschen.

Karin Peschka, in Wien lebende Schriftstellerin aus Eferding, war 2020 mit „Putzt euch, tanzt, lacht“ für den Österreichischen Buchpreis nominiert. Ein beseelter, wunderbarer Roman, der mit dem Aussteigerthema auch so etwas wie (unabsichtlicher) Corona-Vorbote war.

VOLKSBLATT: Junge Menschen, die älteren Nachbarn das Essen bringen: Was ist geblieben von anfänglichen Hoffnungen, die Pandemie könnte auch etwas verändern? Dass sich alte Gewohnheiten wie Dauerstress, Gehässigkeit oder der schlechte Umgang mit der Umwelt in Richtung freundlichere Gesellschaft bewegen?

KARIN PESCHKA: Im kleinen, individuellen Bereich? Durchaus möglich. Im großen Ganzen? Meine Skepsis sagt: Das wird sich erst beweisen müssen. Aber es heißt nicht umsonst, dass am Anfang jeder Entwicklung eine Krise steht. Wenn es so ist, sollten wir aufmerksam beobachten, welchen Weg diese Entwicklung einschlägt.

Hat Corona Sie verändert? Wenn ja, zum Besseren?

Ich neige zum Fatalismus und habe versucht zu verhindern, ins Pessimistische abzudriften. Das ist mir nicht immer gelungen, aber es war hilfreich, den Blick für das Gute, Hoffnungsvolle zu schärfen. Das gelingt mir mittlerweile besser, ist aber nach wie vor mit einiger Anstrengung verbunden.

Womöglich war die „Normalität“ vor Corona ein gewichtiger Auslöser FÜR Corona. Was wäre zu ändern an der Normalität?

Das ist eine große Frage, auf die ich keine Antwort geben kann. Spontan fällt mir ein, dass schon allein die Erkenntnis der Verwobenheit der Welt ein großer Gewinn wäre. Die Einsicht, dass alles, alles zusammenhängt und ineinandergreift. Dass das Leid der einen das Glück der anderen beeinflusst. Solange diese Formel umgekehrt nicht gilt, läuft etwas grundlegend verkehrt.

Hat Corona den Begriff Kunst für Sie verändert? Heißt Kunst nach Corona etwas anderes als vorher?

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Nein. Der Begriff bleibt gleich, nur die Medien, die Ausdrucksformen und die Inhalte ändern sich, weil Kunst auf die Welt reagiert. Sie bildet im besten Fall die Zeit ab, ob durch einen deutlichen Ausdruck oder in feinen Nuancen. Am Samstag bin ich auf einem Spaziergang bei der Albertina vorbeigekommen und freute mich über die lange Reihe geduldig wartender BesucherInnen. Die Lust auf Kunst und Kultur ist ungebrochen, ihre gesellschaftliche Bedeutung bleibt groß.

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