Leinwanderlebnis mit Störfaktoren

Am Wochenende startete das Hollywood Megaplex Autokino in Urfahr

Am Samstagnachmittag sahen die ersten Autokino-Besucher die „Minions“. © Hammer

„Na ja, hören tut man ja eh nix, und gesehen wollt ich so ein Kino schon einmal haben, ein zweites Mal brauch ich’s eh ned“, meint eine Besucherin. Sie hat immerhin € 24,90 für „Jumjanji 2“ bezahlt, einen Film über einen virtuellen Traum von unberührter Natur und außergewöhnlichen Tieren in überirdisch schönen Landschaften.

Hinter regennassen Scheiben schmachteten am Wochenende fast weitere 500 Menschen nach Sonnenuntergang über türkisgrünen Wasserfällen mit Menschen, die ihre Identität wechseln können.

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Kennzeichen belegen überregionales Interesse

ME, AM, SE, GR – die Kennzeichen dokumentieren überregionales Interesse. Tickets gibt es nur online. Händisch tippt die Dame bei der Einfahrt den komplizierten Code ab, der Scanner funktioniert bei Regen nicht. Eingewiesen und angewiesen wird ausreichend, wenn nicht von den Gelbjacken am Platz, dann großbuchstabig von der Leinwand, die aus den letzten Reihen nicht viel größer wirkt wie der heimische Bildschirm.

Ab 18 bis etwa 20 Uhr laufen Filme für Familien. Mehr als eine Stunde vor Beginn der Abendvorstellung um 21 Uhr stellen sich bereits neue Kolonnen vor den Einfahrten an. Wer zuerst kommt, parkt vorne. Zwanzig Minuten vor dem Start gibt es gerade noch Platz am Rand der vorletzten Reihe. Der Beifahrer hat die Dachkante des Vorderautos im Blickwinkel.

„Das Fahrzeug darf ausschließlich für den Toilettenbesuch sowie für den Kauf von Snacks und Getränken verlassen werden. Es darf stets nur eine Person das Auto verlassen“. Innerhalb dessen richtet sich jeder sein kleines Wohnzimmer ein, Rauchwolken aller Art entsteigen den trotz oder wegen Regenwetter herunter gedrehten Fenstern, berauscht von mitgebrachten Substanzen verlässt so manche Autocrew nach der Vorstellung das Fahrzeug.

Hält die Batterie bis zum Schluss?

Autokino. Ein Genre für Nostalgiker? Film wurscht, Hauptsache Auto, „Getting into Heavy Petting“ hieß es dazu 1975 in der „Rocky Horror Show“. Mein Begleiter denkt laut drüber nach: „Mit Mundschutz?“ „Sind wir dafür nicht zu alt?“ Es regnet. Auf den Film konzentrieren gelingt aus diesem Grund nicht. „Als hätt’ ich endlich rausgefunden, wer ich wirklich bin — na ja, Fernbeziehungen sind eben schwierig“ sagt das Autoradio dazu, eine Fernbeziehung besteht anfangs auch zwischen Ton und Film. Die Sinne stellen sich bald um, müssen aber immer wieder ins Wageninnere zurück. Feinste Megaplex-Technik liefert zwar die Bildfläche, Zündung, Scheibenwischer, Lüftung einschalten, Wischfetzen suchen lenken aber ab, dazu Bedenken, ob die Batterie hält. Noch ist nicht bekannt, dass der Veranstalter vorgesorgt hat. Leistungsstarke Powerbanks stehen zum Neustart eingegangener Batterien bereit.

Gegen Mitternacht haben sich die Computerfreaks aus „Jumanji“ durch ihre Identitäten und Welten gewurstelt. Echtes Happyend fünf Minuten vor Schluss — es hört auf zu regnen. Endlich in den Film fallen lassen, wenigstens im Abspann. Jedoch harter Interruptus, kein Ausklang, kein sanftes Fade out. Einfach ein „Heilige Scheiße, alles überstanden“ wie es kurz zuvor im Film hieß. Ausfahrt und Starthilfen funktionieren prächtig.

Retro mag gut, schön, angesagt und witzig sein, Autokino gehört nicht dazu.

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