Lena Johanna Hödl: Emotionaler Leerstand im privaten Eigentum

21 Menschen. So viele braucht es, um das bisherige Leben der 24-jährigen Autorin Lena Johanna Hödl nachzuerzählen. 20 davon sind Männer, einer davon ist ihr Papa. Der Rest: Protagonisten aus toxischen Beziehungen, die die gebürtige Steirerin offenherzig in ihrem von ihr selbst als autobiografisch bezeichneten Romandebüt „Emotionaler Leerstand im privaten Eigentum“ vorstellt.

Hier trifft Sprachgewalt auf sexuelle Gewalt, Depression auf Drogen und Nervenklinik auf Schauspielschule. Sie habe sich schon gefragt, ob man das überhaupt dürfe: Mit 24 eine Autobiografie vorzulegen, ohne alt oder berühmt zu sein, erläuterte Hödl kürzlich im Interview im Podcast „Kaffee oder Tschik“.

Hödl thematisiert auf 250 Seiten ihren persönlichen Todeskampf als Sprössling aus der oberen Mittelschicht, dem die überbehütete Kindheit nicht gut getan hat. Mit den meisten der Männer hat die Ich-Erzählerin geschlafen, von einigen wurde sie auch geschlagen, alle haben sie am Ende mehr oder weniger kalt abserviert.

Es ist ein Coming-of-Age-Roman, der die Männer am Wegesrand aufsammelt und so Abstiege und vermeintliche Aufstiege dokumentiert. So wird aus dem kleinen Mädchen, dem der Vater eine ganz eigene Form des Feminismus eingebläut hat, eine junge Frau, die sich Mal für Mal unterwirft.

Lena J. Hödl: Emotionaler Leerstand im privaten Eigentum. Achse Verlag, 250 S., 20 €

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