Lenny Kravitz: Raise Vibration (Warner)

Irgendwo zwischendrin, wenn Lenny Kravitz’ Gitarre mal kurz verstummt ist und der funky Bass sich eine Pause gönnt, fragt man sich, ob wir wirklich das Jahr 2018 schreiben. So klassisch sind die Arrangements und Sounds, mit denen der Musiker sein neues Album „Raise Vibration“ bestückt. Kravitz setzt auf das, was er am besten kann: Rock alter Schule gemischt mit Glam, Soul und gutem Rundum-Feeling. Saftige Titel für den Spätsommer sind dabei, etwa der Einsteiger „We Can Get It All Together“ oder das stetig kletternde „Raise Vibration“. Mit der Single „It’s Enough“ gibt Kravitz das wohl stärkste politische Statement seiner Karriere ab. Im achtminütigen Video dazu zeigt er u. a. Giftgasangriffe in Syrien und Polizeigewalt gegen Schwarze. Eher unbedarft kommt die Klavierballade „Here To Love“, wenn gegen Ende der Chor einsetzt und es wirkt, als wolle Kravitz die Völker der Erde versöhnen wie seinerzeit Michael Jackson mit „We Are the World“. Ähnlich der dunkle, treibende Groove „Who Really Are The Monsters“, auf dem Kravitz beklagt, dass es immer nur um Geld, Ruhm, Macht und das „Game“ gehe. „Raise Vibration“ ist in den Passagen am stärksten, in denen Kravitz sich ganz seinen Instrumenten hingibt und einige der zwölf Titel fast in Jam-Sessions auslaufen lässt, die gefühlt nie enden sollen. In diesen Momenten erstrahlt er vor Energie.

J. Schmitt-Tegge