Leopold Museum präsentierte Jahresprogramm 2018

32

Mit Jubiläumsschauen zum Hausgott Schiele, zur Jugendstilikone Klimt, einem Rundblick durch die Sammlung Horten und einem Schließmonat begeht man im Wiener Leopold Museum das Jahr 2018. Von 5. November bis 5. Dezember bleibt das Haus zu – wegen der beginnenden Bauarbeiten für die sogenannte Libelle, den geplanten Dachaufbau, der nach den bisherigen Planungen 2019 eröffnet werden soll.

Einer der Höhepunkte des Jahres soll ab 3. März die Ausstellung zum 100. Todestag von Egon Schiele werden, für die Co-Kurator und Leopold-Direktor Hans-Peter Wipplinger auch auf Bestände aus der Leopold Privatsammlung zurückgreifen kann. „Diese Ausstellung wird nicht wie jetzt chronologisch, sondern thematisch orientiert sein“, so Wipplinger. Man habe etwa eigene Räume für die Themen Selbstporträts, Mutter-Kind oder Spiritualität vorgesehen, wobei Sammler-Sohn Diethard Leopold als Kurator mit an Bord ist.

„Dieser Diethard Leopold ist mit den Werken aufgewachsen – deshalb erwarte ich mir etwas ganz Fantastisches“, zeigte sich Mama Elisabeth Leopold zuversichtlich. Ebenso mit der gleichzeitig startenden Schau „Schiele – Brus – Palme“ kommt der Maler, von dem das Leopold Museum den weltgrößten Bestand besitzt, zu Ehren, wenn sein Oeuvre mit Günter Brus und Thomas Palme in Dialog gesetzt wird.

Auch der zweite Jahresjubilar Gustav Klimt, dessen Todestag sich 2018 ebenfalls zum 100. Mal jährt, wird gefeiert. Ab 22. Juni wird man in Zusammenarbeit mit der Klimt-Foundation unter anderem ein Skizzenbuch zur „Braut“ präsentieren, wobei man den Wandel vom Späthistoristen zum Secessionsproponenten deutlich machen will. Neben Beständen aus dem Museum, der Klimt-Foundation und der Leopold Privatstiftung hat auch ein Klimt-Nachfahre dem Haus 120 Werke als Dauerleihgabe für die kommenden Jahre überlassen.

Zuvor, bereits ab 16. Februar, heißt es „Wow!“, wenn Agnes Husslein als Kuratorin eine Rundschau durch die Collection von Heidi Horten präsentiert, die insgesamt 500 Werke von 75 Künstlern umfasst. „Die Sammlung ist eine der bedeutendsten europäischen Sammlungen“, unterstrich Husslein. In Wien zu sehen sind über 150 Arbeiten von Schiele, Kubin, des deutschen Expressionismus, der Arte Povera oder der Pop Art, umriss die frühere Belvedere-Chefin das Schauprogramm. „Der Titel ‚Wow!‘ beinhaltet schon den Aspekt des Staunens – und Sie werden staunen“, versprach Wipplinger.

Am Beginn des Jahres steht zunächst eine Best-of-Ausstellung aus den Beständen der Sammlung, wenn unter dem Titel „Wien um 1900“ Werke von Gustav Klimt, Koloman Moser, Richard Gerstl und Oskar Kokoschka versammelt werden. Von 18. Jänner bis 10. Juni werden ausgewählte Arbeiten vereint und um Designobjekte von Moser ergänzt. Anton Romako wird unter dem Titel „Beginn der Moderne“ mit rund 70 Bildern ab 6. April gewürdigt, während der 2005 verstorbene Slowene Zoran Music ab 13. April mit „Poesie der Stille“ zu seinem Recht kommt. „Wir begreifen das auch als Erinnerungsprojekt“, unterstrich Wipplinger. So werden etwa Zeichnungen zu sehen sein, die der Künstler im KZ Dachau erstellte.

Die frühe Kunst- und Modefotografin Dora Kallmus, unter dem Pseudonym Madame d’Ora tätig, wird von 13. Juli bis 29. Oktober mit Werken geehrt – mit der bis dato größten Ausstellung ihrer Bilder, wobei Monika Faber vom Fotoinstitut Bonartes die Kuratierung übernimmt. Und schließlich wird auch der Fotograf Moriz Nähr als einer der großen Künstlerporträtisten des Wien um 1900 mit der Kamera gewürdigt (ab 24. August).

In der Rückschau zeigte man sich im Leopold Museum mit dem Jahr 2017 samt seiner zehn Ausstellungen zufrieden. Man geht vom Rekordwert von 380.000 Besuchern aus – nach 370.000 im Vorjahr. Dabei stammten 79 Prozent der Gäste aus dem Ausland. „Wir werden heuer erstmals die 5-Millionen-Marke an eigenerwirtschafteten Umsätzen erreichen“, freute sich die kaufmännische Direktorin Gabriele Langer. Der Eigendeckungsgrad betrug damit 56 Prozent.