Leopold Museum: Schiele-Entdeckung in neuer NFT-Kollektion

Ein wieder entdecktes Frühwerk von Egon Schiele ist eine der Attraktionen der ersten NFT-Kollektion des Wiener Leopold Museums, die insgesamt 24 Werke Schieles umfassen wird. „Das 1907 entstandene und bislang als verschollen geltende Schiele-Gemälde ‚Leopold Czihaczek am Klavier‘ hat sich in Privatbesitz in äußerst gutem Zustand erhalten“, freute sich Hans-Peter Wipplinger, Direktor des Leopold Museums, am Donnerstag in einer Aussendung.

Leopold Czihaczek, Ministerialrat und Oberinspektor der Kaiser Ferdinands-Nordbahn der k.k. österreichischen Staatsbahnen, war Onkel und nach dem frühen Tod von Egons Vater Adolf Schiele der Vormund des jungen Künstlers. Egon Schiele malte das Gemälde kurz vor seinem 17. Geburtstag. Fachleute kannten das Bild, das eine lückenlose Provenienz aufweist und dessen Besitzer auch um die Urheberschaft von Schiele wusste, bisher nur aus Vorstudien und von einer Schwarz-Weiß-Fotografie eines Zimmers. „Man musste annehmen, das Bild sei während der Weltkriege verschollen oder verbrannt“, erzählte Wipplinger im Gespräch mit der APA von der Begeisterung im Museum als klar war, um welches Gemälde es sich handeln müsse, als man vor rund zehn Monaten kontaktiert worden sei.

„Die Besitzer*innen erklärten sich bereit, das Gemälde dem Leopold Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung zu stellen. Nach der Reinigung und Restaurierung wollen wir das Gemälde in der Wien 1900-Dauerpräsentation der Öffentlichkeit zugänglich machen. Das Werk wird auch als NFT geminted und ein Bonus-Highlight zu jenen Werken sein, die wir für den bevorstehenden NFT Launch von Schiele-Werken der Sammlung Leopold ausgewählt haben. Der Erlös soll nicht nur die Restaurierung finanzieren, sondern im Idealfall auch den Ankauf des Czihaczek-Bildnisses ermöglichen“, so Wipplinger. Das Bild befindet sich im Originalrahmen.

Wie 23 weitere Werke von Egon Schiele wird das wiederentdeckte Bild zwischen 16. und 26. Mai als NFT angeboten. Dafür ist das Leopold Museum eine Kooperation mit der NFT-Plattform LaCollection und der Österreichischen Post AG eingegangen. „Die Pandemie hat in der Kunstwelt zu einer rasanten Beschleunigung der Digitalisierungsprozesse geführt und NFTs zu einem festen Bestandteil vieler etablierter, traditioneller Kunstsammlungen gemacht“, erklärt Wipplinger. „NFTs von Schieles Kunstwerken ermöglichen es uns nicht nur, die Schätze des Museums dauerhaft in der digitalen Welt zu bewahren, sondern auch mit Menschen in Kontakt zu treten, die wir mit unserem Museum in Wien bisher nicht erreichen konnten.“

Ein NFT, also Non-Fungible Token (auf Deutsch etwa „nicht-austauschbare Wertmarke“), ist eine auf Blockchain-Technologie basierende, geschützte Datei. Der einzigartige Token ist mit dem Werk verknüpft und durch die Blockchain abgesichert. Als Käufer dieser Kunst besitzt man das Echtheitszertifikat einer Datei und damit deren Original. Von den österreichischen Museen ist etwa das Belvedere auf den Zug aufgesprungen und hat Klimts Gemälde „Der Kuss“ in insgesamt 10.000 NFT-Einzelteile aufgesplittert. Umstritten sind Blockchain-Technologien u.a. wegen ihres hohen Energieverbrauchs. Im Leopold Museum versichert man, es würden „bei jedem NFT-Kauf mit Hilfe des Green-Tech-Unternehmens EcoTree Bäume gepflanzt, die das durch die NFT-Generierung produzierte CO2 ausgleichen“.

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Die limitierten, einzigartigen digitalen Zwillinge der vom Leopold Museum ausgewählten Schiele-Werke sind nach der Auflagenhöhe in drei Kategorien unterteilt: Von „Ultra Rare“ („Tote Mutter I“, 1910, „Selbstporträt mit Lampionfrüchten“, 1912, und „Bildnis Wally Neuzil“, 1912) werden nur je zwei NFT-Originale aufgelegt und mit einem Ausrufpreis von 100.000 Euro versteigert. Die je zehn „Super Rares“ von insgesamt neun Werken werden um 15.000 Euro ausgerufen und versteigert. Die „Rares“ können in einer zeitlich limitierten offenen Edition von bis zu 100 Stück pro Werk um je 499 Euro erworben werden. Von jedem Kunstwerk bleibt ein NFT im Besitz des Leopold Museum. Die erwarteten Einnahmen in der Höhe von rund 1 Million Euro sollen zur Gänze in die Restaurierung, Erhaltung und den Ankauf von Kunstwerken gehen.

Das wiederentdeckte Gemälde wird als „Special Rare“ um 999 Euro zu erwerben sein – noch ehe es (gereinigt und restauriert) im Original in rund zwei Monaten dauerhaft im Museum gezeigt wird. Vorerst durften nur Journalistinnen und Journalisten einen Blick auf das Gemälde werfen. Sofort danach wanderte es für sechs Wochen zum Restaurator.

(S E R V I C E – , , )

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