„Leuchtturm in finsterer Stunde“

Telefonseelsorge: „Es gibt Hilfe für Menschen mit Suizidgedanken“

V. l.: Kapitany, Lanzerstorfer-Holzner, Gerstorfer und BreitwieserMeist kumulieren sich mehrere Gründe, wenn es zu einer schweren Krise kommt. Die Telefonseelsorge kann helfen.
V. l.: Kapitany, Lanzerstorfer-Holzner, Gerstorfer und BreitwieserMeist kumulieren sich mehrere Gründe, wenn es zu einer schweren Krise kommt. Die Telefonseelsorge kann helfen. © Land OÖ/Stinglmayr Alliance - stock.adobe.com

Anlässlich des heutigen Weltsuizidpräventionstages machen viele Einrichtungen, die darauf spezialisiert sind, Menschen in psychischen Krisen zu helfen, darauf aufmerksam, dass man sich Hilfe holen kann. „Das aktive Ansprechen von Suizidgedanken ist hilfreich und nicht schädlich“, betonen sowohl Vertreter der Telefonseelsorge als auch der Krisenhilfe OÖ. „Wir verstehen uns als Leuchtturm in der finsteren Stunde“, betont Psychotherapeutin Barbara Lanzerstorfer-Holzner von der Telefonseelsorge. Corona-bedingt waren sie und ihre Kollegen nach einer kurzen Schockstarre im März von April bis Juni besonders gefordert. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr unter Tel. 142 anonym und kostenlos erreichbar. „Zu Spitzenzeiten waren zwei bis drei Leitungen offen“, sagt Leiterin Silvia Breitwieser. Das Chat-Angebot hat sich dem Bedarf entsprechend sogar vervierfacht, dort melden sich in erster Linie junge Menschen. Man dürfe nicht außer Acht lassen, dass die Corona-Krise vor allem junge Menschen erstmals so richtig aus den gewohnten Bahnen geworfen hat, Ältere haben durch ihre Lebenserfahrung schon mehr erlebt.

Die Gründe, warum Menschen in eine schwere Krise fallen, sind meist vielfältig – von Existenzängsten über Isolation und Einsamkeit bis hin zu Beziehungsproblemen reicht die Palette. Depressionen aber auch schwere Lebenskrisen können dann zu einem Suizid führen, weiß Thomas Kapitany, Leiter des Kriseninterventionsteams Wien. Die Corona-Krise tritt dabei als Verstärker von vorhandenen Problemen auf, wie sie sich genau auswirken wird, wagt der Experte derzeit noch nicht zu sagen.

Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass es Experten gibt, die in einer derartigen Krise ein offenes Ohr haben und man sich nicht scheuen sollte, das Angebot anzunehmen. „Lasst uns reden“ – lautet das Motto des heurigen Suizidpräventionstages.em

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