„Leute sind nicht unzufrieden oder unglücklich!“

Maria Hetzer aus Krems (NÖ) gilt als gute Kennerin Weißrusslands — Auch Caritas dort tätig

Seit 25 Jahren organisiert die Niederösterreicherin Maria Hetzer (4.v.l) die Aktion „Erholung für Kinder aus Belarus“. Ein Mal pro Jahr macht sie auch einen Gegenbesuch bei den Familien und Kindern in Weißrussland.
Seit 25 Jahren organisiert die Niederösterreicherin Maria Hetzer (4.v.l) die Aktion „Erholung für Kinder aus Belarus“. Ein Mal pro Jahr macht sie auch einen Gegenbesuch bei den Familien und Kindern in Weißrussland. © Privat

„Ich wünsche mir einen Dialog und dass das für alle friedlich ausgeht“, sagt Maria Hetzer (61) aus Krems (NÖ), die seit 25 Jahren Erholungsurlaube für bedürftige weißrussische Kinder aus radioaktiv verseuchten Gebieten in Österreich organisiert — und das Partnerland bislang zumindest ein Mal im Jahr auch bereist hat.

Zwei markante Eindrücke nimmt Hetzer dabei regelmäßig aus Weißrussland mit nach Hause: Die krassen Unterschiede im Lebensstandard zwischen Stadt und Land sowie „eine nahezu umwerfende Dankbarkeit und Gastfreundschaft“.

„Rein humanitäre Aktion“

Näher kommentieren möchte die Niederösterreicherin im VOLKSBLATT-Gespräch die derzeitigen Vorgänge im 9,5-Millionen-Land nicht: „Mein Engagement ist humanitär und ich achte darauf, nichts mit der Politik zu tun zu haben.“ Eine ihrer Erfahrungen unterstreicht Hetzer dann aber schon: „Man muss immer sehen, wie eng Weißrussland mit Russland historisch, gesellschaftlich und ökonomisch verbunden ist. Damit ist klar, dass in Weißrussland nicht alles Westliche als erstrebenswert gilt. Die Leute sind nicht unzufrieden oder unglücklich!“ Selbst unter kärglichen Bedingungen des Landlebens laufe der Alltag in Weißrussland „sehr menschlich“ ab, zudem sei garantiert, „dass niemand verhungern oder erfrieren muss.“

Kluft zwischen Alt und Jung

Der in Salzburg lebende angehende Wirtschaftsstudent David Feitzinger (20) ist aufgrund der Corona-Beschränkungen im März von einem freiwilligen Caritas-Einsatz in Weißrussland nach Österreich zurückgekehrt. Er bestätigt den Eindruck, dass dort gerade in ländlichen Regionen viele Menschen unter schwierigen finanziellen Bedingungen leiden, wobei es zwar staatliche Unterstützungen gebe, aber eben nur in geringem Ausmaß. Feitzinger sieht einen entscheidenden Faktor für den Ausgang der derzeitige politischen Turbulenzen letztlich im Kräftemessen zwischen Jung und Alt: „Die ältere Generation in Weißrussland ist eher sowjetisch geprägt, die jüngere Generation identifiziert sich dagegen sehr wohl mit anderen Weltbildern.“ Eine endgültige Prognose über den Ausgang der derzeitigen Lage wagt aber auch der 20-Jährige nicht: „Es ist definitiv eine brisante Situation in einem Land an der Nahtstelle zwischen Ost und West. Wohin das führen wird, ist derzeit kaum einschätzbar.“

Caritas hilft seit 30 Jahren

„Auftrag der Caritas in Weißrussland ist es, Benachteiligten und Bedürftigen zu helfen, sowie Ausgeschlossenen ein Leben in Würde zu ermöglichen“, schildert Koordinatorin Sigried Spindlbeck vom Caritas-Büro in Linz. Das Engagement für Weißrussland habe Anfang der 1990er Jahre mit Kindererholungsaktionen eingesetzt und sei dann ins Land ausgeweitet worden. Die aufgrund der Corona-Pandemie ausgesetzten Freiwilligeneinsätze sollen im Herbst 2021 wieder beginnen. Anmeldungen sind bis Ende Februar 2021 möglich.

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