Liberale Moschee: Imamin lässt sich nicht bremsen

Sollte sich Glaubensgemeinschaft querlegen, will Seyran Ates klagen Berliner Imamin diskutiert heute in Linz mit LH Stelzer über Leitkultur

GERMANY-RELIGION-ISLAM-MOSQUE

Von Manfred Maurer

„Nachdem Sie den Artikel veröffentlicht haben, haben sich gleich liberale Muslime aus Österreich gemeldet“, freut sich die Berliner Anwältin und Imamin Seyran Ates über viel Zuspruch für ihr Projekt einer ersten liberalen Moschee in Österreich, über welches das VOLKSBLATT kürzlich berichtet hatte. Nach dem Vorbild der von Ates vor einem Jahr in Berlin gegründeten Moschee sollen dort Frauen und Männer aller islamischen Glaubensrichtungen gemeinsam beten. Kopftuchpflicht gibt es auch keine.

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IGGÖ-Sanktus für liberale Moschee unwahrscheinlich

Ates erntete jedoch auch Skepsis – selbst von ihr eigentlich wohlgesonnenen liberalen Muslimen. Diese erinnern etwa daran, dass die Gründung einer Moschee in Österreich nicht ohne Zustimmung der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) möglich wäre. Die IGGÖ will zwar, wie sie auf Anfrage mitteilte, eine Stellungnahme erst nach Vorliegen eines entsprechenden Antrages abgeben, die türkisch dominierte Institution dürfte aber kaum begeistert sein. Schon das Berliner Moscheeprojekt war der türkischen Religionsbehörde Diyanet ein Dorn im Auge. Und diese Behörde hat über die Türkisch-islamische Union (Atib) auch beträchtlichen Einfluss in der IGGÖ. Deren Vorsitzender Ibrahim Olgun kommt von dort.

Doch die Imamin brennt für ihr Projekt. Nomen ist eben omen: „Ates“ bedeutet zu deutsch Feuer. Widerstände schrecken sie daher nicht ab. „Ich will das durchziehen“, sagt Ates zum VOLKSBLATT, „die Absichten sind sehr konkret, ich arbeite seit mehr als einem Jahr daran“. Wenn die Errichtung einer Moschee tatsächlich ohne Zustimmung der IGGÖ nicht möglich sei, dann, so Ates, „ist das ein Skandal, und den forcierere ich sehr gerne“. Notfalls werde man die Moschee über den Klagsweg durchsetzen. Auch ein begrifflicher Kompromiss komme nicht infrage: Die Moschee werde Moschee heißen und nicht – wie ihr das die Fundis auch in Berlin angeboten hatten — Islam-Zentrum oder Verein.

Polizeischutz für Gegnerin des „Kopftuch-Islam“

Ihr Kampf gegen den „Kopftuch-Islam“, wie Ates die fundamentalistischen Strömungen nennt, hat ihr unzählige Mordrohungen eingetragen, weshalb sie sich nur noch mit Polizeischutz in die Öffentlichkeit wagen kann. Wer die streitbare Imamin life erleben will, hat dazu heute in Linz Gelegenheit. Ates wird im Heinrich-Gleißner-Haus (Ober Donaulände 7 – 9) ab 10 Uhr mit Landeshauptmann Thomas Stelzer, ÖVP-Landesgeschäftsführer Wolfgang Hattmannsdorfer und Generalvikar Severin Lederhilger beim PoliTalk zum Thema „Leitkultur. Was hält Oberösterreich zusammen?“ diskutierten.