Truppen Libyens Einheitsregierung erobern Flughafen Tripolis

Regierungstreue Truppen haben in Libyen nach eigenen Angaben den internationalen Flughafen von Tripolis erobert. Nach schweren Kämpfen habe man die Einheiten des libyschen Generals Khalifa Haftar vertrieben, teilte ein Sprecher der Regierungstruppen am Mittwoch mit. Der Flughafen ist seit 2014 außer Betrieb und war seit vergangenem Jahr unter der Kontrolle Haftars.

Die Kämpfe fanden vor dem Hintergrund von Verhandlungen über einen Waffenstillstand in Libyen statt, die nach UN-Angaben am Mittwoch nach einer dreimonatigen Pause wieder aufgenommen wurden. Die UNO-Gesandte Stephanie Williams hatte sich in einer Videokonferenz mit fünf Mitgliedern von Haftars Libyscher Nationalarmee getroffen, wie ein UN-Sprecher mitteilte. In den nächsten Tagen soll demnach ein Treffen mit Vertretern der Einheitsregierung stattfinden.

Grundlage für die Verhandlungen über ein Waffenstillstandsabkommen sei ein Vorschlag, den die Vereinten Nationen den Konfliktparteien am 23. Februar vorgelegt hätten, sagte der UNO-Sprecher.

In Libyen herrscht seit dem gewaltsamen Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 Chaos. Die Einheitsregierung von Ministerpräsident Fayez al-Sarraj ist schwach. Ein Großteil des Ostens und Südens des Landes wird von Haftars Truppen kontrolliert.

Seit Beginn von Haftars Offensive auf Tripolis vor mehr als einem Jahr wurden Hunderte Menschen getötet und rund 200.000 Menschen in die Flucht getrieben.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow forderte bei einem Treffen mit Regierungsvertretern aus Libyen ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen in dem Bürgerkriegsland. Außerdem müsse ein innerlibyscher Dialog mit allen führenden politischen Kräften beginnen, sagte Lawrow am Mittwoch einer Mitteilung des Außenministeriums zufolge.

Er traf sich demnach in Moskau mit dem aus Tripolis zu einem Arbeitsbesuch angereisten Vize-Ministerpräsidenten Ahmed Maitik und Außenminister Mohammed al-Siala. Russland unterstütze die Initiative der international anerkannten Regierung von Fayez al-Sarraj, auf Kompromisse orientierte Verhandlungen zu beginnen – mit dem Ziel, einheitliche Staatsorgane zu schaffen, hieß es.

Russland gilt vor allem als Unterstützer des aufständischen Generals Khalifa Haftar, betont allerdings immer wieder, sich auf keine Seite in dem Konflikt festzulegen. Mit dem Besuch der Vertreter aus Tripolis wollte Lawrow auch zeigen, dass Moskau Kontakte zur Regierung pflegt.

In Libyen hatten sich die Konfliktparteien auf neue Gespräche über eine Waffenruhe verständigt. Russlands Chefdiplomat erklärte zudem die Bereitschaft zur Wiederaufnahme von Wirtschaftsbeziehungen, sobald sich die Lage in dem Land militärisch beruhigt habe. Zugleich forderte Lawrow die Freilassung von zwei russischen Staatsbürgern, die seit Mai 2019 in Tripolis in Haft seien. Das Vorgehen gegen die beiden Männer sei derzeit das Haupthindernis für eine Entwicklung der Zusammenarbeit mit Tripolis, sagte Lawrow.

Nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 versank Libyen im Chaos. Unzählige Milizen kämpfen um Macht und Einfluss in dem nordafrikanischen Land. Seit mehr als einem Jahr kommt es zu teils heftigen Kämpfen rund um die Hauptstadt Tripolis.

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