Lichtblicke auf dem Holzmarkt

Die Forstwirtschaft ist in der Coronakrise nach wie vor Marktverwerfungen ausgesetzt. Grund dafür ist die Klimaerwärmung, die für riesige Mengen Schadholz in ganz Mitteleuropa sorgt und so den österreichischen Markt beeinflusst. Heuer wird so viel Holz nach Österreich importiert werden, wie noch nie zuvor. Die Rekordmenge des Jahres 2019 wird deutlich getoppt werden, so die Bundesforste-Vorstände Rudolf Freidhager und Georg Schöppl. Es gibt aber Lichtblicke, betonen sie.

Voriges Jahr war der mitteleuropäische Holzmarkt praktisch zum Erliegen gekommen. Vor allem aus Deutschland und Tschechien wurde Schadholz zu absoluten Schleuderpreisen auch nach Österreich verkauft. Hierzulande waren 80 Prozent der Bundesforste-Holzernte Schadholz. Dann kam heuer zum Jahresanfang noch die Coronakrise dazu, was eine Alarmstimmung aufkommen ließ.

Aber: „Verblüffenderweise war die Sägeindustrie aber das ganze Jahr über relativ stabil unterwegs“, so der Forstwirtschaftsvorstand der Österreichischen Bundesforste (ÖBf), Rudolf Freidhager. Nur am Beginn des ersten Lockdowns habe es einen kleinen Knick gegeben. Die Holzpreise blieben zwar extrem niedrig, die Nachfrage ist aber enorm. „Der Sägeholzmarkt hat sich gewaltig gut entwickelt, der brummt wirklich.“ Die ÖBf haben in den vergangenen rund acht Wochen die tägliche Liefermengen von zuvor 5.000 bis 6.000 Festmeter Holz auf 10.000 bis 11.000 gesteigert. Im Mai lieferte man am Tag nur rund 4.000 Festmeter.

Bei der Papierindustrie habe es auch „nur bei manchen Sorten ein bisschen einen Einbruch“ gegeben. Der Industrieholzmarkt läuft aber „schlecht“, so Freidhager. „Es ist schlicht und einfach zu viel am Markt.“ Weiter kämen enorme Holzmengen schlechter Qualität aus Tschechien und Deutschland. Das Holz reiche eben noch für die chemische Aufschließung, wenn auch nicht mehr für die Säge.

„Heuer wird soviel Holz nach Österreich importiert werden, wie noch nie“, so der Manager. „Es wird ein Plus von bis zu 18 Prozent gegenüber dem vorigen Jahr erwartet.“ 2019 wurden 7,1 Mio. Festmeter Nadel-Rundholz importiert, 2018 waren es 7,2 Mio. Festmeter.

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Im November erzielten die ÖBf mit 180.000 Festmeter die stärksten Auslieferungen heuer. „Es wurde weniger importiert und die Kunden brauchten das Holz“, sagte Finanzvorstand Schöppl. Zuletzt wurden im Jahr insgesamt 1,54 Mio. Festmeter ausgeliefert. Es sei sehr wichtig gewesen, die Liefermenge so rasch steigern zu können.

Für den Staatsbetrieb ÖBf lief das Geschäftsjahr jedenfalls deutlich besser, als befürchtet. Geholfen hat dabei auch ein relativ feuchtes Jahr ohne Hitzewellen, was den Schadholzanteil in Mitteleuropa gesenkt hat, erläuterten die Vorstände im Gespräch mit der APA.

„Im Mai haben wir in einer Aufsichtsratssitzung verkündet, dass es heuer wahrscheinlich erstmals einen Verlust geben wird“, sagte Finanzvorstand Schöppl. „Gott sei Dank war diese Einschätzung zu pessimistisch. Wir werden heuer voraussichtlich das EBT (Vorsteuerergebnis, Anm.) aus 2019, das 13,4 Mio. Euro betrug, übertreffen – obwohl der Holzpreis im Vorjahresvergleich um etwa 3 Euro auf 56,50 Euro je Festmeter gesunken ist.“ Der weitere Holzpreisverfall kostet demnach rund 20 Prozent des Vorsteuerergebnisses. Das wird unter anderem mit einem Urlaubsabbauprogramm mit einem Ergebniseffekt von gut 2 Mio. Euro abgefedert.

Im Ausblick 2021 rechnen Schöppl und Freidhager damit, dass die „Doppelmühle“ aus Klimawandel mit einhergehend hohen Schadholzmengen sowie hohem Preisdruck genau so erhalten bleiben werden, wie die Auswirkungen der Coronakrise.

(Das Gespräch führte Philip Stotter/APA)

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