Liebe, Kruste und harter Edelstahl

Harald Friedls Dokumentation „Brot“ ist ein Film für alle Sinne

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Eine kleine Lebensweisheit: Den einen freut just das, was den anderen erschaudern lässt. Gilt für die einfachsten Dinge im Leben, aber auch für sehr komplizierte. Und Brot ist beides davon.

Karl de Smedt vom belgischen Backmittelhersteller Puratos ist sichtlich stolz darauf, dass der Konzern, für den er arbeitet, es schafft, dass Ciabatta auf der ganzen Welt exakt gleich schmeckt. Garant dafür sind die ausgetüftelten Rezepturen der Mischungen, die allerlei enthalten, Enzyme inklusive. Viele der Inhaltsstoffe müssen dabei nicht einmal deklariert werden, ein Vorteil für den Kunden, meint de Smedt, der habe dann kein völlig unübersichtliches Etikett auf dem Brot …

Liebevoll und mit sehr viel Aufwand „kümmern“sich Bäcker wie Christophe Vasseur in Paris oder Georg Öfferl aus dem niederösterreichischen Gaubitsch um die Zutaten, um den Teig, das fertige Produkt, die perfekte Kruste. Wie schön wäre es, die Ruhe und Aufmerksamkeit in den verschiedenen Broten, Weckerln und Semmerln zu schmecken. Ich glaube, man kann es.

So einfach kann es sein: Mehl, Wasser und Salz

Harald Friedl hat sich in seiner neuesten Doku „Brot“ einem Grundnahrungsmittel zugewandt, das einfacher nicht sein kann: Mehl, Wasser, Salz. Und damit macht er eine ganze Welt auf. Einmal lässt sich die Kamera (Helmut Wimmer) genussvoll auf das Handwerk der Bäcker ein, im nächsten Moment fallen tausende Stück Gebäck in Schluchten aus Edelstahl.

Friedl bleibt fair mit seinen Protagonisten, egal ob in der urigen Backstube oder der kühlen Industriehalle. Er lässt aber auch eine Umwelttoxikologin und Biobauern zu Wort kommen. Alles scheint für das „einfache“ Handwerk zu sprechen, in den Mägen der meisten landet aber Industriebrot. Hier handelt „Brot“dann nicht mehr „nur“ von einem Lebensmittel, sondern von riesigen sozialen Rissen, die sich in unserer Gesellschaft auftun.

„Brot“ ist ein Film für die Sinne, möchte man das Handwerksbrot doch am liebsten riechen, berühren, schmecken. Und die Augen? Die werden einem weit geöffnet für den nächsten Einkauf.

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