Liebgewonnene Traditionen an Ostern

Ostern wäre nicht Ostern ohne bunte Eier. Und auch den Osterhasen, Godnstriezel und süßes Biskuitlamperl möchten wir nicht missen, haben sie doch bereits seit vielen Jahren Tradition. So ist die Zeit rund um die Auferstehung Jesu Christi die Zeit der Bräuche und Rituale. Und auch der flauschige Gabenbringer namens Osterhase kommt nicht von ungefähr.

Auch mit Naturfarben (Sud aus Rotkraut, Zwiebelschalen, Vogelmiere oder Kurkuma) gefärbte Eier entfalten im Nestchen ihren Charme. Durch verschiedene Färbetechniken wie der Ausspartechnik — hierbei werden Kräuter mit einer Strumpfhose am Ei befestigt und anschließend gefärbt — entstehen kunstvolle Einzelstücke. © Gillhofer

An Ostern sind Hase und Ei kein Wiederspruch in sich — im Gegenteil, bringt doch der Osterhase schon seit vielen Jahren den Kindern Körbchen mit bunten Eiern und süßen Kleinigkeiten, sowie das ein oder andere Geschenk.

Natürlich steht zu Ostern die Auferstehung Jesu Christi im Mittelpunkt, dennoch hat es einen Grund, warum der Hase am Ostersonntag Eier bringt.

Auch Hahn und Fuchs brachten bunte Eier

Sei es weil ihn die Kinder so lieben, weil auch er Fruchtbarkeit verkörpert oder weil er, mangels Augenlider, mit offenen Augen schläft und so mit dem auferstandenen Jesu, der nicht dem Tod entschlafen war, verglichen wird: Der Osterhase hat sich als Gabenbringer und Meister des Versteckens am Ostersonntag durchgesetzt.

Die Vorstellung vom Hasen als österlicher „Eierbringer“ ist in Deutschland zum ersten Mal im 17. Jahrhundert belegt. Im 19. Jhdt. war aber beispielsweise in der Schweiz noch der Kuckuck Eierlieferant, anderswo brachten auch Fuchs, Storch und Hahn die bunten Eier.

Alles dreht sich rund ums Ei

Das Ei steht zu Ostern im Mittelpunkt der Bräuche. Es ist in nahezu allen Kulturen ein Symbol für Leben und Fruchtbarkeit und darum auch ein Zeichen der Auferstehung. Da früher in der Fastenzeit auf tiereische Speisen verzichtet wurde und Eier als „flüssiges Fleisch“ galten, wurden die Eier gesammelt und zum ersehnten Ostergeschenk. Zudem war das Ei Pacht und Zins der kleinen Leute, die zu Ostern an Grundbesitzer oder Kirche abgeliefert wurde.

Diese Eier seien dann weiterverschenkt worden, was schon damals eine Art Geschenkmechanismus in Gang setzte und heute die Kinderaugen strahlen lässt, wenn es ans bunte Eiersuchen geht. Besonders beliebt bei Jung und Alt ist das „Eierpecken“, wobei Spitze an Spitze und Boden an Boden der Eier gegeneinander geklopft werden — heiß begehrt ist das Ei mit der stärksten Schale, denn laut altem Brauch bekommt der Gewinner alle kaputten Eier.

Rot, gelb, blau: Farben mit Bedeutung

Rot symbolisiert den Opfertod Christi, Gelb steht für den Wunsch nach Erleuchtung, Blau steht für die Jungfrau Maria: In der christlichen Liturgie spielen auch Farben eine bedeutende Rolle, was sich im traditionellen Eierfärben wiederspiegeln kann.

Früher wurde hauptsächlich mit Naturmaterialen wie Zwiebelschalen oder Kräutern gefärbt, heute lässt der Handel mit einer breiten Farbpalette an Eierfarben — von grellem pink über gold gesprenkelt bis bunt marmoriert — keine Wünsche mehr offen. Das Ergebnis ist damals wie heute das selbe: Farbenfrohe Eier, die nur allzu gern verschenkt und zur Osterjause verspeist werden.

Die vorangehende Speisenweihe ist in der katholischen Kirche am Karsamstag Brauch, was heuer Corona-bedingt wohl vielerorts ausfallen oder Zuhause geschehen wird. In den Weihkörben finden sich je nach Haushalt und Region Ostereier, Brot, Schinken und Speck, Kren, Salz, Osterlamm und diverse Gebildebrote.

Ostersonntag werden die geweihten Köstlichkeiten dann gemeinsam in der Familie verspeist. Sie sollen Gesundheit, Segen und Zusammenhalt für die Familienmitglieder bringen.

Striezel und Lamperl von Godn und Ged

Bepackt mit süßem Osterstriezel, Osterlamm oder kleinen Geschenken besuchen vielerorts Godn und Ged Ostermontag ihre Patenkinder. Diese Tradition ist auch auf früher zurückzuführen, wo wohlhabende Taufpaten ihre Patenkinder zum Essen einluden, damit sie sich einmal satt essen konnten. Als Mitbringsel für daheim soll es oft noch einen schweren Germstriezel für die ganze Familie gegeben haben.

Den Osterstriezel gibt es heute in vielen Ausformungen: Nicht nur als mehrsträngigen Zopf, sondern auch als Kranz, Kipferl oder sogar als wohlschmeckendes Häschen. In die Striezel dürfen beim Backen sogar Wünsche für das Patenkind „eingeflochten“ werden.

Auch ein Lämmchen ist auf jedem Ostertisch gern gesehen, besonders in Form von süßem Biskuitteig. Das verletzliche Lamm hat in der Bibel eine wichtige Bedeutung: Beim Auszug Israels aus Ägypten diente dessen Blut als Schutz. Der leidende Gottesknecht wurde als
„Lamm Gottes“ bezeichnet, in der Folge auch Jesus Christus.

Auch das Küken, welches keck aus dem Ei schlüpft, entkommt der Symbolik an Ostern nicht: Christen deuteten es ebenfalls als Symbol für die Auferstehung Christi von den Toten — wie das Küken die Schale durchbricht, sei Jesus lebend aus dem Felsengrab gekommen.

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