Lieblingsrezepte

Mit ihrer Facebook-Gruppe „Linz isst“ war sie vor fünf Jahren über Nacht erfolgreich. Dort berichten heute tausende Abonnenten täglich über ihre Erfahrungen beim Essen auswärts. Mit ihrem ersten Kochbuch lässt sich die Initiatorin jetzt selber in die Töpfe schauen: Die Unternehmerin und leidenschaftliche Genießerin und Köchin Anita Moser (48) aus Linz präsentiert in „Private Taste“ eine bunte Auswahl an ganz persönlichen Lieblingsrezepten. Und sie möchte ihre Leidenschaft für die Kulinarik jetzt zum Beruf machen.

Mit ,Linz isst‘ hatte ich über Nacht 2000 Abonnenten“, erinnert sich Anita Moser daran, was passiert ist, nachdem sie ihren ersten Beitrag über einen Restaurantbesuch auf ihrer neuen Facebook-Seite veröffentlicht hatte. Heute sind es 40.000 Follower, über die „Linz isst“ und das ebenfalls von Moser initiierte „Österreich isst“ verfügen. Die beiden Seiten verzeichnen zusammen 30.000 Interaktionen am Tag. Die Leute berichten von Restaurantbesuchen, von positiven wie negativen Erfahrungen, die Plattform ist hilfreich, um ein Lokal zu finden. Dabei ist es Moser wichtig, dass jede Kritik höflich und fundiert geäußert wird, Unflätigkeiten werden von ihr sofort entfernt. Und: „Von 5000 Gastronomen können nur zwei oder drei nicht mit Kritik umgehen“, sagt Moser. Sie sieht sich dabei auch als Schlichtungsstelle: Viele Kunden würden sich nicht trauen, es vor Ort zu sagen, wenn etwas nicht passt. Immer wieder wendet sie sich mit Beschwerden, die an sie persönlich gehen, direkt an die betroffenen Gastronomen und hat die Erfahrung gemacht: „Wir können etwas bewegen in Sachen Beschwerdemanagement.“ Moser selbst ist für ihre Plattformen in Stadt und Land, vom Haubenrestaurant bis zur Würstelbude, unterwegs: „Mir ist eine breite Vielfalt wichtig, nur so lernt man Qualität schätzen.“ Neu entdeckt hat sie etwa kürzlich das Schadzi in der Linzer Domgasse: Dort werde mit vielen unbekannten Gewürzen „sensationell“ vegetarisch gekocht. Auch das neue Konzept der Donauwirtinnen in Linz-Urfahr findet Moser spannend.

Urlis Schupfnudeln treffen japanische Lachsforelle

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Weil sie auf Facebook auch Selbstgekochtes postet und Abonnenten immer wieder nach Rezepten gefragt haben, ist die Idee für ein Kochbuch entstanden, das Moser bewusst sehr persönlich gehalten hat. Ganz simpel unterteilt in Süßes und Saures präsentiert sie darin 50 Rezepte. Vor- und Hauptgerichte sind bunt durcheinander gewürfelt, viel Fisch, Meeresfrüchte, Lamm und Süßes von Gebackenen Mäusen bis zur Patissierkunst. Das Kochbuch mutet wie eine private Rezeptsammlung an, darin finden sich bodenständige Rezepte aus Mosers Familie ebenso wie Internationales und Eigenkreationen: Schupfnudeln von der Uromi, japanische Lachsforelle, Rote Rüben-Schokokuchen. Mit einfachen, gut umsetzbaren Anleitungen und Zutaten, die leicht erhältlich sind, möchte Moser ein breites Publikum erreichen.
„Die Landwirtschaft hat mich von klein an begleitet. Dort habe ich viel gesehen und gelernt“, erinnert sich Moser an ihre Kindheit, in der sie viel Zeit auf den Bauernhöfen der Großeltern in Tragwein verbracht hat. Da habe es ganz selbstverständlich dazu gehört, dass Tiere geschlachtet und als Ganzes verwertet wurden. Heute zerlegt Moser Fleisch selber. „Zu wissen, woher etwas kommt, Regionalität ist mir wichtiger als Bioqualität“, sagt sie. Rezepte von der Urlioma, der Oma und der Mama gehören auch zu ihrem persönlichen kulinarischen Schatz: „Der Eierlikörkuchen von der Urli war das erste Rezept, das ich in mein eigenes Rezeptbuch geheftet habe. Es zählt bis heute zu meinen Lieblingen“, erzählt sie. Kochen lernt Moser mittlerweile auf der ganzen Welt. Überall, wo sie auf ihren vielen Reisen mit ihrem Mann hinkommt, besuchen die beiden Kochschulen und nehmen Zutaten, Aromen und Wissen mit nach Hause.

Als sie ihr eigenes Unternehmen aufgebaut hat, blieb anfangs wenig Zeit fürs Kochen. Moser fing an, viel essen zu gehen. „Dabei habe ich mich immer für einzelne Geschmäcker interessiert, wie etwas zubereitet wird und woraus es besteht.“ Sie selber koche schon lange nicht mehr nach Rezept: „Ich bin sehr kreativ und experimentiere sehr viel. Da kommen tolle Dinge heraus, manchmal geht auch etwas daneben und oft weiß man einfach nicht, was es wird“, gibt sie zu. So hat sie sich auch schon mit kalorienarmen Rezepten beschäftigt: Im Buch finden sich Anleitungen für eine Pizza auf der Basis eines Karfiolteiges, leichte Burgerweckerl und Kuchen, der ohne Weizenmehl auskommt. Und damit diejenigen, die selber nicht kochen wollen oder können, die Speisen aus dem Buch auch essen können, hat sich Moser mit Gastronomen im ganzen Land zusammengetan, die Speisen nach Rezepten aus ihrem Buch auf ihre Karte gesetzt haben.

Vor kurzem hat Moser ihr IT-Unternehmen verkauft, nach 18 Jahren in der Branche habe sie die Leidenschaft dafür verloren. Jetzt nimmt sie das Thema Kulinarik ganz in Anspruch: „Ich habe mir viel Knowhow aufgebaut, das würde ich gern beruflich nutzen.“ Nach drei Wochen war die Hälfte der 2500 Exemplare starken ersten Auflage ihres Kochbuches verkauft, an der zweiten wird schon gearbeitet, Moser streckt ihre Fühler nach Deutschland aus. Sie positioniert ihre Marke Private Taste, auch Produkte unter diesem Namen zu entwickeln, kann sie sich vorstellen und sie plant, beratend im Gastronomiebereich tätig zu werden. Dabei liegt ihr bodenständige österreichische Küche besonders am Herzen. „Ich bin mittlerweile selber zum Testimonial geworden“, sagt sie lachend. Vielleicht gibt es ja bald das nächste Buch…

Gebackene Topfentorte mit Feigen

Was ich dazu brauche: 750 g Topfen (25 % Fett), 4 Eier, 260 g Milch, 1 Pkg. Vanillepuddingpulver, 1 EL Maizena, 120 g Zucker, 1 Zitrone, frisch gepresster Saft einer halben Zitrone, 250 g Feigenstücke

So mache ich das: Die Eier trenne ich und schlage das Eiklar sehr steif. Dotter und Zucker rühre ich danach schaumig und gebe die Milch mit dem Vanillepuddingpulver und einem Löffel Maizena sowie den Saft und Abrieb einer Zitrone dazu. Danach hebe ich den steif geschlagenen Schnee unter. Den Teig fülle ich nun in eine Springform von 18 cm Durchmesser, die ich in der Höhe mit einem Backring verlängere. Die Feigenstücke lasse ich stückchenweise in den Teig gleiten. Nun backe ich den Teig mit Hilfe eines Backrahmens 70-80 Minuten bei 175 Grad Heißluft. Keine Sorge, falls die gebackene Topfentorte nach dem Backen um ca. die Hälfte wieder in sich zusammenfällt, hast du alles richtig gemacht. Am besten noch lauwarm servieren.

Rehschnitzel mit Kürbiskernpanade und Vogerlsalat

Für vier Personen

Was ich dazu brauche: 250 g Rehschnitzerl aus der Keule, 2 Eier, je eine Prise Salz und Pfeffer, Mehl, Brösel und Kürbiskerne für die Panade, Kürbiskerne gehackt, Butterschmalz, 250 g Vogerlsalat, 250 g Salatkartoffeln

Dressing: 1 TL Estragonsenf, 2 EL Balsamessig, 4 EL Walnussöl (oder Olivenöl), 1 Prise Zucker, Salz, frisch gemahlener Pfeffer, 1 kleine, feingeschnittene Zwiebel

So mache ich das: Die Rehschnitzel schneide ich mit einem scharfen Fleischmesser aus der Keule, salze und pfeffere sie leicht. Sollte ein Schnitzel zu dick sein, so klopfe ich es leicht. Für die Panade wende ich die Schnitzel zuerst in Mehl, dann im verquirlten Ei und zuletzt in den Bröseln, die zur Hälfte mit gehackten Kürbiskernen vermengt sind. Danach lasse ich die panierten Rehschnitzel für ca. zehn Minuten ruhen, bevor ich sie in erhitztem Butterschmalz in der Pfanne kross backe. Für die Beilage koche ich die Salatkartoffeln zart-weich und schneide sie noch lauwarm in eine Schüssel, mariniere sie mit allen vermengten Zutaten der Dressing und hebe dann den Vogerlsalat unter. Frische Preiselbeeren sowie eine Zitrone gehören einfach dazu — ich richte diese am Teller mit an.

Anita Moser: Private Taste, 114 S., € 34,90
Erhältlich im Handel und unter  www.private-taste.at