Liensberger Doppel-Weltmeisterin und nun am Slalom-Thron

Katharina Liensberger darf sich nicht nur Doppelweltmeisterin der alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Cortina d‚Ampezzo nennen. Die Vorarlbergerin entthronte auch die vierfache Slalom-Titelverteidigerin Mikaela Shiffrin. Sie behielt als Halbzeitführende die Nerven und setzte sich genau eine Sekunde vor der Slowakin Petra Vlhova und 1,98 vor der US-Amerikanerin Shiffrin durch. Für die 23-jährige Liensberger war es die vierte WM-Medaille ihrer Karriere, die dritte in Italien.

Für Österreich bedeutete dies die erste Goldmedaille im Damen-Slalom seit Marlies Schild (nun Raich) 2011 in Garmisch- Partenkirchen. Mit nun fünf Gold- und zwei Bronzemedaillen baute Österreich vor dem abschließenden Herren-Slalom am Sonntag nicht nur die Führung im Medaillenspiegel uneinholbar aus (außer es gibt noch einen Schweizer Doppelsieg), es ist auch das zumindest sechstbeste Abschneiden bei Ski-Weltmeisterschaften für den ÖSV fixiert. Der Sprung auf Platz zwei ist noch möglich, Chamonix 1962 (6/4/5) ist aber nicht mehr erreichbar.

Liensberger ging nach dem Titel im Parallelbewerb und Bronze im Riesentorlauf mit großen Selbstvertrauen und viel Lockerheit, aber hoch fokussiert in den letzten Damenbewerb. Sie behielt als Halbzeitführende die Nerven und distanzierte die Mitbewerberinnen. Und bedankte sich danach u.a. beim „ganzen Universum“ und „allen Sternen da oben“. Dass es mit einer ganzen Sekunde Vorsprung gereicht habe, sei unglaublich. „Was Schöneres kann mir nicht passieren! Ich bin heute stolz auf mich.“

Liensberger ist Weltmeisterin, ohne bisher ein Weltcuprennen gewonnen zu haben, sie stand allerdings in diesem Winter als einzige Athletin in allen Slaloms auf dem Podest und zeigte ihre Konstanz. „Kathi hat im Slalom zu den Favoritinnen gezählt und hat es runter gedrückt. Sie ist mental stark, das hat sie im ganzen Winter gezeigt“, sagte ÖSV-Rennsportleiter Christian Mitter. „Katharina ist eine Super-Athletin, sehr fokussiert auf das, was sie will“, erklärte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel.

Liensberger, die zweimal Laufbestzeit markierte, ist damit wie die Schweizerin Lara Gut, die ebenfalls zwei Goldene und eine Bronzene gewann, die erfolgreichste Läuferin in Cortina. Auf vier Medaillen und damit eine in jedem ihrer Rennen brachte es Shiffrin (1/1/2). Die hätte ihrerseits als erste Athletin fünf WM-Goldene im Slalom erringen können, wie sie ist die Deutsche Christl Cranz vierfache Titelträgerin im Torlauf.

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Mit ihren erst 25 Jahren hat Shiffrin aber die Chance, dieses Ziel in Zukunft weiter zu verfolgen. Am Samstag gratulierte sie aber erst einmal den Worten nach von Herzen. „Ich hatte heute keine Erwartungen, nur eine: nämlich dass Katharina ‘on fire’ ist. Von einer Medaille zu träumen, ist eine Sache. Dann auch eine zu gewinnen, was anderes. Sie hat es gemacht, das ist beeindruckend.“ Vlhova reist mit Silber in Slalom und Kombi aus Cortina ab. „Katharina ist perfekt gefahren und von meiner Seite war es nicht genug.“

Chiara Mair („Die Herangehensweise war der Fehler“) und Franziska Gritsch („Ich brauchte zu lange, um in den Lauf reinzufinden“) griffen nach ihren Halbzeit-Erkenntnissen im zweiten Durchgang als Zehnte und 14. an, es wurden die Endränge sechs und elf.

„Im zweiten habe ich mir gesagt, ich nütze das noch einmal aus, dass ich mit einem guten Gefühl nach Hause fahre“, sagte Mair. In Richtung Liensberger meinte sie: „Das ist unvorstellbar, was die macht.“ Gritsch sagte nach ihrem vierten WM-Rennen und dem zweiten elften Rang nach jenem in der Kombination, dass sie froh sei, dass es im Slalom in die richtige Richtung gegangen sei. „Selbstvertrauen kann man sich leider nicht kaufen, ich erarbeite es mir gerade wieder.“ Nicht in den zweiten Durchgang geschafft hatte es nach ihrem Ausfall Katharina Huber.

Große Überraschung war die Slowenin Andreja Slokar, die sich von Rang 17 mit der zweitbesten Laufzeit auf fünf verbesserte. Mit der Schweizerin Michelle Gisin schied bereits im ersten Lauf eine der Mitfavoritinnen nach einem Einfädler auf der durchgehend steilen und für die Rennläuferinnen bis zum WM-Rennen völlig unbekannten „Druscie A“ aus, auf der bei Olympia 1956 Toni Sailer im Slalom erfolgreich gewesen war.

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