Linus Reichlin: Senor Herreras blühende Intuition

Mit „Senor Herreras blühende Intuition“ tischt Linus Reichlin eine vergnügliche und schräge Geschichte um einen Schriftsteller und einen Klosterkoch auf.

Doch was als vielversprechendes Verwirrspiel angelegt ist, hinterlässt ratlos. Leo Renz ist Schriftsteller, als Ich-Erzähler nimmt er im Roman seine Leser mit nach Andalusien in ein Kloster. Renz will aus seinem Romankonzept endlich einen Roman machen und erhofft sich in der Abgeschiedenheit einen kreativen Schub. Daraus wird nichts.

Denn Renz trifft auf Senor Herrera, einst Matador, jetzt Gästeverwalter und Klosterkoch. Seine Kochkünste sind zweifelhaft. Dafür verfügt er über eine blühende Fantasie, sodass die Realität im Kloster und Renz’ Romanideen durcheinandergeraten. Das verspricht ein vergnügliches Verwirrspiel um Fiktion, Wahrheit, Wahrscheinlichkeit und Realität und letztlich um die Frage, wie eigentlich ein Roman entsteht.

Trotz der vielversprechenden Anlage: Reichlin tippt vieles nur an. So führt er große Vorbilder an, Goethe, Kafka, Frisch — Bezüge aber stellt er kaum her. Oder er rückt eine Frau ins Zentrum, die auffällige Parallelen zur Frau von Renz aufweist, aber er klärt diese Parallelen nicht auf.

Leser werden dabei streckenweise zwar gut unterhalten und mit einem unerwarteten Schluss überrascht, aber mit vielen losen Enden zurück gelassen.

Linus Reichlin: Senor Herreras blühende Intuition. Galiani Verlag, 272 Seiten, 20,40 Euro.

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