„Linz, das wäre der Wahnsinn“

    Song Contest: Sänger Cesár Sampson, ein gebürtiger Linzer, über seinen Weg ins Finale

    1746
    „Mir geht es sehr gut“, freut sich Cesár Sampson auf Samstag.
    „Mir geht es sehr gut“, freut sich Cesár Sampson auf Samstag. © ORF/Roman Zach-Kiesling

    Der 34-jährige Künstler Cesár Sampson hat sich mit seiner eindringlichen Stimme und dem Song „Nobody But You“ beim Song Contest in Lissabon ins Finale gesungen und dem ORF gute Quoten beschert. Der gebürtige Linzer, zwischenzeitlich als Behindertenbetreuer im Einsatz, ist eine gereifte Persönlichkeit. Für ihn sei — wie er meint — am Samstag (in ORF eins um 21 Uhr) alles drinnen.

    VOLKSBLATT: Sie machen den Eindruck, ein sehr selbstbewusster Mensch zu sein. Gab es vor der Entscheidung im Semifinale keinerlei Nervenflattern?

    SAMPSON: Nervenflattern ist ja eine Form von Unsicherheit. Es ist so ein vibrierendes Gefühl in der Brust. Das ist nicht das Gefühl, das man vor einer Mathe-Schularbeit hat. Es ist ein Gefühl, als würde man einen lieben Menschen wiedersehen, den man lange nicht gesehen hat.

    Sie hatten im Halbfinale starke Gegner (Tschechien, Zypern, Israel), keiner hatte aber so viel Soul in der Stimme wie sie. Könnte das ein entscheidender Vorteil auch fürs Finale sein?

    Es tut nie weh, wenn man keinen anderen Act hat, der ähnlich ist. Das haben wir schon im Vorfeld bemerkt, dass es da keinen gibt. Aber im Endeffekt muss man dann in den drei Minuten die Leute in seine Welt ziehen — dass die Leute diese Welt als die schönste empfinden.

    Sie sind von klein auf in der Familie — ihre Mutter sang den Titelsong zu ,,Kommissar Rex‘‘ — mit Musik konfrontiert worden. Wann wussten Sie, dass Musik Ihr Weg sein wird?

    Es war mir früh klar, dass Musik immer Teil meines Weges sein wird, aber ich habe mit der Zeit erfahren, dass der Weg auch noch viele andere Dinge beinhaltet. Und die anderen Dinge, die ich dann parallel zur Musik verfolgt habe, haben mich wiederum als Künstler und Musiker abgerundet. Als Künstler bin ich ja nicht nur Musiker, sondern auch einfach Person. Je mehr man als Person reift, desto besser wird die Kunst. Und ich werde auch weiterhin schauen, dass ich nicht nur Musiker sein werde.

    Der Reifungsprozess hatte auch mit Ihrer Tätigkeit als Sozialarbeiter zu tun?

    Absolut, ganz immens.

    Sie haben auf Promotour in Lissabon ,,Purple Rain‘‘ von Prince gesungen. Was inspiriert Sie an Prince?

    Prince hat viele Sachen gemacht, die ihn unter anderen begabten Zeitgenossen herausstechen lassen. Er war früh sehr selbstständig, hat sich künstlerische Autonomie ausgehandelt, weil er seine Fähigkeiten für sich hat sprechen lassen. Er hat sehr viele Instrumente beherrscht … Es ist Ziel jedes Künstlers, seine künstlerische Vision durchzusetzen. Das verkörpert er wie kein anderer.

    Die Show bei Ihrem Auftritt ist relativ reduziert, die Persönlichkeit Cesár Sampson samt Stimme, Durchtrainiertheit und Präsenz steht im Mittelpunkt. Halten Sie wenig vom Firlefanz, der von Israel geboten wird?

    Wir sind vom Stil her natürlich ganz anders als Israel. Aber auch so etwas gehört zum Song Contest. Für uns wäre es nichts. Ich würde aber nicht sagen, dass wir ul- traminimal sind. Wir haben uns auf ein paar große Effekte konzentriert, haben Stimme und Person im Vordergrund, weil es unser Lied verlangt. „Nobody But You“ — Es geht um innere Vorgänge, im Endeffekt um ein Empfinden von etwas, eine persönliche Reise. Aber bei einem anderen Lied hätten wir vielleicht mehr Firlefanz probiert.

    In Interviews haben Sie gesagt ,,Ich bin kein Patriot!‘‘, freut Sie dennoch, dass es in Ihrem Geburtsort Linz Public Viewing geben wird?

    Das freut mich immens. Patriot hat für mich eher etwas damit zu tun, dass man sich über andere Länder stellt, sich als besser erachtet. Aber natürlich freue ich mich sehr über die Leute, die im Alltag mit mir in Kontakt treten, sei es beim Einkaufen …

    Bei einem Sieg könnte der Song Contest in Linz ausgetragen werden?

    Ich weiß nicht, ob wir eine Halle haben, die das hergibt. Aber das wäre der Wahnsinn.

    Was erhoffen Sie sich vom Finale am Samstag?

    Ich bin kein großer „Hoffer“. Ich weiß, was ich zu tun hab‘, muss das Beste meiner Fähigkeiten abliefern, dann ist — meiner Meinung nach — alles drinnen.

    Club-Auftritte, auf Tour mit Kruder & Dorfmeister, Teil des Produzenten-Teams Symphonix International, das mehrfach erfolgreich für den Song Contest tätig war — Ist das eine gute Ausgangsposition für eine Solo-Karriere?

    Total. Ich habe ja unnatürlich lang zugewartet, dass ich als Solo-Künstler nach vorne trete. Das hab‘ ich absichtlich gemacht und schon mit 17, 18 Jahren die ersten Vertragsangebote ausgeschlagen. Das war nicht leicht, aber ich hab‘ tief drinnen gespürt, dass sich das eines Tages bezahlt machen wird. Und ich glaube, das tut es jetzt.

    Die Ahnung war damals schon da?

    Meine Eltern haben mir vorgelebt, wie das ausschaut, wenn man in sich gereift ist — und dann Musiker wird. Das ist um einiges schöner, als wenn man mit 17 schon ins Business geworfen wird.

    Sind Angehörige nach Lissabon gekommen?

    Ja, Tanten und Onkel und sehr liebe Freunde, die ich auch zu meiner Familie zähle. Vorgestern hab‘ ich die erste Partie getroffen, auch Julian le Play, ein guter Freund von mir, der die Stadt gut kennt. Eine wunderbare Stadt. Es gibt Familienstimmung hier, es ist alles um mich ideal aufgestellt. Mir geht es sehr gut.

    INTERVIEW: PHILIPP WAGENHOFER