Linzer „Häfenpfarrer“ Gruber diente beinahe lebenslänglich

Der Priester blickt in einem neuen Buch auf 50 Jahre Gefangenenseelsorge und diverse Reformen im Justizbereich zurück

Gruber bei der Messe in der Kapelle der Justizanstalt Linz
Gruber bei der Messe in der Kapelle der Justizanstalt Linz © Manfred Gruber

Am 3. Oktober 1968 gingen für Hans Gruber die Gefängnistore in Linz auf – er trat seinen Dienst als Gefangenenseelsorger an und übte diesen Beruf mehr als 50 Jahre aus. Zweimal pro Woche kam er zu seinen „Schützlingen“. „Für etwa zwei Handvoll Insassen konnte ich durch meine Gespräche eine positive Entwicklung erreichen. Einen Zuhälter habe ich glücklich verheiratet“, schildert Gruber bei einem Pressegespräch.

„Gefürchtet habe ich mich nie. Ich bin ja 1,80 Meter groß. Ende der 1960er-Jahre war die ,kriminelle Szene’ in Linz aber noch überschaubar – Brandleger, Betrüger, Zuhälter, Raufbolde, Alkoholiker, Sexualtäter, selten ein Bankräuber oder Mörder. Bei den Frauen ging der Weg ins Gefängnis häufig über die Prostitution“, schildert Gruber, der selbst einmal durch ein Missgeschick – er hatte seine Autoschlüssel im Seelsorger-Zimmer vergessen – gut eine Stunde in der Garage eingesperrt war, bis ein Justizbeamter vorbei kam.

Als klare Muster konnte der Gefangenenseelsorger, der sämtliche Reformen im Strafvollzug mitmachte, erkennen, dass Häftlinge zu Beginn ihrer Zeit hinter Gittern meist „bußfertig sind“. „Im Vorfeld ihrer Verhandlung probieren sie dann aus, ob ihre Verteidigung beim Priester reingeht und wenn die Strafe härter ausgefallen ist, als vermutet, dann werden viele depressiv“, erzählt Gruber von seinem Alltag in der Justizanstalt Linz.

Mittlerweile kommt die Hälfte der Gefangenen in der Landeshauptstadt von anderen Nationen, obwohl die Deutschsprechenden noch die größte Gruppe darstellen, sagt Iris Hofer, Leiterin der Justizanstalt Linz: „Neben dem Sprachproblem haben wir auch viele psychische und ein Beschäftigungsproblem. Früher hatten die Insassen zum Großteil Berufe, jetzt müssen wir viele anlernen, um die Betriebe im Gefängnis aufrecht erhalten zu können. Die Bevölkerung muss sich bewusst sein, dass das, was wir in der Haft in die Menschen investieren, eine volkswirtschaftliche Investition ist, weil sie danach wieder in der Gesellschaft leben. Der Seelsorger bringt den Insassen eine gewisse Stabilität.“ Mehr über das Leben hinter Gittern findet sich in Hans Grubers im Wagner-Verlag erschienenen Buch „Beinahe Lebenslänglich: 50 Jahre ,Häfenpfarrer’, das heute um 19 Uhr im Cardijn-Haus, Kapuzinerstr. 49, in Linz präsentiert wird.

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