Linzer Jugendbande-Prozess: Anschuldigung gegen „Präsi“ zurückgezogen

Für sieben Mitglieder einer Linzer Jugendbande hat am Mittwoch im Landesgericht Linz der Prozess wegen schwerer Raube, schwerer Erpressungen und anderer Delikte begonnen. Die 15 bis 17 Jahre alten Burschen hatten von Sommer 2018 bis Dezember 2019 ihr Unwesen in Linz und im oberösterreichischen Zentralraum getrieben. Ein Angeklagter nahm seine Anschuldigungen gegen den Anführer komplett zurück.

Noch vor der Polizei hatte der inzwischen 17-Jährige behauptet, der „Präsi“ genannte Kopf der Bande habe ihm die Taten „angeschafft“. Er sowie seine Kumpels der nach einer Linzer Straße benannten Semmelweis-Bande sollen Jugendliche beraubt, erpresst, genötigt, bestohlen und betrogen haben. Davon wollte der Angeklagte am Mittwoch nichts mehr wissen. Es habe keine Semmelweis-Bande gegeben, er will sich nur mit Freunden getroffen haben. Die ihm zur Last gelegten Delikte wie Erpressung stritt er nicht vehement ab, alle habe er aber aus eigenem Antrieb „nur für sich“ getan. Genaueres konnte er wegen „Gedächtnislücken“ nicht sagen.

Die Staatsanwaltschaft hingegen sprach von einer kriminellen Gang, die bis Dezember 2019 in unterschiedlichen Besetzungen aktiv war. Der 15-jährige „Präsi“ soll dabei die durchwegs jungen Opfer ausgewählt, die Häufigkeit der Erpressungen bestimmt und die Hälfte der Beutegelder für sich behalten haben. Die Burschen waren offenbar nicht zimperlich, sie bedrohten den Opfer laut Anklage mit Waffen wie Schreckschusspistolen, Spring- und Schweizermessern. Durch Videos in sozialen Medien, die Mitglieder beim Schlägern und Hantieren mit Waffen zeigten, erwarb sich die Truppe den Ruf als jederzeit gewaltbereit.

Die Bande umfasste mehr Mitglieder – die abgesondert verfolgt werden – als die sieben nun Angeklagten. Den vor Gericht stehenden Jugendlichen drohen Haftstrafen bis zu siebeneinhalb Jahren, einem nur bis zu fünf Jahren. Einzelnen wird auch sexuelle Nötigung und pornografische Darstellung Minderjähriger vorgeworfen. Ein betroffenes Mädchen hat sich als Privatbeteiligte dem Prozess angeschlossen und will 5.000 Euro Schmerzensgeld u. a. für Therapien. Die Verhandlung ist für vier Tage angesetzt. Am Freitag geht es weiter.

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