Linzer SPÖ bleibt allein mit ihrer Toleranz für DDR-Nostalgiker

Nach oö. ÖGB setzt in Innsbruck roter ASKÖ Kommunisten vor die Tür

„Wir schaffen das!“: Hans Bauer mit geballter Kommunistenfaust vor der DDR-Fahne mit seinem Buch „Grenzdienst war Friedensdienst“ im Volkshaus Linz-Pichling.
„Wir schaffen das!“: Hans Bauer mit geballter Kommunistenfaust vor der DDR-Fahne mit seinem Buch „Grenzdienst war Friedensdienst“ im Volkshaus Linz-Pichling. © Maurer

Massiver Widerstand begleitete die Österreich-Tour des ehemaligen stv. DDR-Generalstaatsanwaltes Hans Bauer. Zwar konnte die für eine „sozialistische Revolution“ kämpfende „Partei der Arbeit“ (PdA) die DDR-Jubelfeier vorigen Freitag in Wien im eigenen Lokal inszenieren.

In Linz aber hatte der Gewerkschaftsbund (ÖGB) das für Montag geplant gewesene Kommunisten-Event abgeblasen, als ruchbar wurde, dass es dabei um eine Verherrlichung der SED-Diktatur gehen sollte. In Innsbruck wollte der grüne Bürgermeister Georg Willi die Genossen nicht in einem von der Stadt subventionierten Vereinslokal haben. Die örtliche Universität gewährte zunächst Asyl, kündigte aber den Mietvertrag sofort, als sie mehr über die Veranstaltung erfuhr.

Am Mittwoch zog auch der Tiroler ASKÖ im letzten Moment die Reißleine, nachdem das Präsidium erfahren hatte, dass der Ex-DDR-Bonze am Abend in einem der SPÖ-nahen Sportorganisation gehörenden Lokal die 1989 gestürzte Diktatur preisen sollte. „Diese Veranstaltung wird von uns natürlich sofort abgesagt“, teilte ASKÖ-Vizepräsident Hansjörg Kössler dem VOLKSBLATT mit. Man werde auch kontrollieren, dass die Räumlichkeitenvon den DDR-Nostalgikern wirklich nicht genützt werden.

Nur in Linz hatten sie nach dem Rauswurf beim ÖGB Unterschlupf im stadteigenen Volkshaus in Pichling gefunden. Die SPÖ rechtfertigte das mit Meinungsfreiheit, also mit dem Prinzip, gegen das es bis 1989 jenen „antifaschistischen Schutzwall“ gab, den Bauer dann in Pichling „als große Leistung“ feierte.

Martin Hajart hat eine Vermutung, warum die Linzer SPÖ so tolerant mit den Linksextremen umgeht: „Es liegt vielleicht daran, dass Bürgermeister Klaus Luger selbst Kommunist war“, spekuliert der ÖVP-Klubobmann im Gemeinderat. Tatsächlich war Luger bis 1983 Mitglied im Kommunistischen Studentenverband (KSV), Mitveranstalter des Linzer DDR-Nostalgikertreffens.

Manfred Maurer

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