Literatur, Punk, Zeitgeschichte

Präsentation des „Rampe“-Porträts Walter Kohls heute im Stifterhaus

Die Rampe widmet sich dem oö. Schriftsteller Walter Kohl
Die Rampe widmet sich dem oö. Schriftsteller Walter Kohl © Stiferthaus/P. Feuersänger

„es is linz“/„es is de enge do“/„mir miassn weg von do“ — Mit diesem Dialog beginnt „Die Linzer Depression“ von Walter Kohl. Er ist damals 24, die Erzählung Kohls erste Veröffentlichung, im März 1977 in der oö. Literaturzeitschrift „Die Rampe“.

Kohls erste Lesung am 26. Mai 1977 im Theaterkeller im Ursulinenhof, neben ihm sitzt der Jungautor Harald Kislinger. Beide beseelt vom Punk-Geist der Zeit, die Lesung habe ihm „ungeheuren Mut“ gemacht, notierte Kohl. Sein Ziel ein Leben als freier Autor: „Jetzt, 3 Mon. später, nach etlichen erfolglosen Versuchen, an Lit.zeitschr. und Verlage heranzukommen, habe ich diesen Entschluss eigentlich schon aufgegeben (…).“

Wegbegleiter zeichnen ein intensives Porträt

Kohl hält durch, arbeitet über die Jahre als Journalist. 1993 erscheint sein erstes Buch „Katzengras“, über einen Alkoholiker, der sich selbst aus der Sucht befreien kann. Aufgewachsen als Kind einer Arbeiterfamilie in ländlicher Umgebung, zählt Kohl heute zu den bedeutendsten Autoren des Landes. Kohl ein „Gegenkulturschriftsteller“, schreibt Kislinger in der jüngsten Ausgabe der „Rampe“, in der Wegbegleiter ein intensives, lesenswertes Porträt des Schriftstellers und Menschen Kohl zeichnen. Präsentation ist heute, 19.30 Uhr, im Linzer Stifterhaus.

Die „Linzer Depression“ endete mit einer Frage, Kohl mied darin die „schöne“ Sprache sich bürgerlich wähnender Literatur: „Für was schreibe ich?“ Die Frage scheint mit „Die Pyramiden von Hartheim“ (1997) entschieden beantwortet. Kohl erweitert Kritik und Verzweifeln an der Nachkriegsenge um den zeithistorischen Kontext. In Hartheim mindestens

20.000 Menschen, „lebensunwertes Leben“, vernichtet, Kohl sagt: „Ich bin ja selbst in Schönering nur wenige Kilometer von Hartheim entfernt aufgewachsen und für uns Kinder war das wie ein Gespenst, es redete keiner drüber.“ Kohl schreibt über „kleine Leute“, über die, die in finsterer Zeit den Mut zum Widerstand aufbrachten. Er schreibt zum Teil semi-autobiografisch, ein zentraler Roman ist „Wie riecht Leben“ (2009) über einen Fahrradunfall 1995. Kohl erlitt schwere Kopfverletzungen und verlor seinen Geruchssinn: „Keinen Geruchssinn zu haben, bedeutet letzten Endes, keine Heimat zu haben.“ Als „Charly“ huldigt Kohl im Roman „Out Demons Out“ liebevoll seinem frühen Punk-Hero, dem britischen Musiker Edgar Broughton. Der gemeinsame Auftritt Kohl/Broughton vor zwei Jahren ein fetter bunter Fleck in der Vita des Stifterhauses. Könnte auch heute bunt werden, Kohl angekündigt mit Songtexten, Gitarre und Ukulele.

Wie ist Ihre Meinung?