Live-Gigs beim Donauinselfest mit einem Hauch von Normalität

Mitsingen bei „Live Is Life“, Headbangen bei Russkaja oder Winken bei Granada. Beim Wiener Donauinselfest bemühten sich die Live-Acts am Samstag sichtlich, einen Hauch von Festivalnormalität zu erzeugen. Dass dies nur zum Teil gelang, war zu erwarten. Denn die knapp mehr als 1.000 Besucher konnten das Fehlen der Zehntausenden anderen Fans nicht wirklich kompensieren.

Das Line Up hätte auch einem regulären Inselfestabend voll zur Ehre gereicht. Zwar musste das Event selbst heuer abgespeckt werden, auf die Gigs von Russkaja, Kreiml & Samurai, Mathea, Opus, Granada und Parov Stelar traf dies nicht zu. Geboten wurde das volle Programm, nicht einmal auf Pyrotechnik wurde verzichtet.

Mit gewissen Traditionen musste jedoch gebrochen werden. Russkaja-Sänger Georgij Makazaria beklagte etwa: „Wir können unseren Merch nicht verkaufen.“ Er bat die Fans inständig, dies doch online zu erledigen.

Auch bei Kreiml & Samurai lief nicht alles glatt – zumindest unter den geänderten Rahmenbedingungen. Denn dass die Dialektrapper erfolgreich zum Mittanzen verleiten, ist üblicherweise ein gewünschter Effekt. Am Samstag war es aufgrund der Coronavirus-Sicherheitsmaßnahmen jedoch nicht gestattet, von den zugewiesenen Sitzplätzen aufzuspringen.

Als einige auf die Vorgabe vergaßen, eilte prompt ein Securitymitarbeiter herbei. Für den, der für diese Einschränkungen verantwortlich ist, hatten die Musiker übrigens die Bezeichnung „Arschlochvirus“ parat.

Dass auch beim Welthit „Live ist Life“ gelegentlich auf das Tanzverbot vergessen wurde, war nur logisch. „Natürlich ist es nicht so wie immer“, befand Opus-Sänger Herwig Rüdisser. „Nächstes Jahr, wer weiß, ist hoffentlich alles besser“, übte er sich in Zuversicht. Es werde das letzte Jahr sein, dass man als Opus auftreten werde, verwies er auf den bereits angekündigten Abschied.

Der Opus-Frontman ersuchte zugleich die Fans, sich den 11. November zu notieren. An diesem Tag erscheint das letzte Album, das selbstbewusst mit „Opus Magnum“ betitelt sein wird. Als Kostprobe daraus gab es heute unter anderem die aktuelle Single „Made My Day“ zu hören.

Zum Abschluss war wohl eine Weltpremiere zu erleben: Das erste Konzert von Parov Stelar vor durchgehend sitzendem Publikum. Dass die Begeisterung für den Electrobeat-Pionier und dessen Bläser- und Vokalformation groß war, zeigte sich nicht zuletzt in dem Umstand, dass fast alle Tische besetzt blieben – was angesichts der am späteren Abend schon sehr herbstlichen Temperaturen wohl keine Selbstverständlichkeit war.

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