Lkw stoßen oft mehr Schadstoffe aus als erlaubt

Bei Pkw ist inzwischen gerichtlich geklärt, dass viele im Fahrbetrieb deutlich mehr Schadstoffe ausstoßen als laut Typenschein erlaubt. Aber auch bei Lkw kommt es häufig zu einer deutlich höheren Emission. Allerdings liegt hier die Ursache nicht in falschen Angaben der Hersteller, sondern in der Umgehung der Computersteuerung durch die Betreiber der Fahrzeuge. Zu diesem Schluss kommen Messungen des Emissions-Kontroll-Instituts der deutschen Umwelthilfe im Auftrag der AK.

Bei modernen Lkw sollte ein Bordcomputer die Motorleistung drastisch drosseln, wenn die Emissionswerte nicht mehr eingehalten werden. Allerdings gibt es Software, die den Bordcomputer (OBD) eines Lkw manipuliert und damit glauben lässt, die Emissionen seien in Ordnung. Damit können sich die Fahrzeughalter sowohl fällige Reparaturen an der Abgasvorrichtung als auch den Zusatz von Harnstoff (AdBlue) zur Abgasreinigung ersparen.

Überprüfungen mit einem Messfahrzeug, das für längere Zeit in der Abgasfahne eines Lkw hinterher fährt, haben aber ergeben, dass ein Drittel der modernsten Lkw (EURO VI) und die Hälfte der etwas älteren Fahrzeuge (EURO V) die Emissionsgrenzwerte deutlich überschreiten, heißt es in der Studie im Auftrag der Arbeiterkammer (AK). Gemessen wurde auf österreichischen, deutschen und slowakischen Autobahnen.

Da die Umweltsünder unter den gemessenen Lkw die Grenzwerte massiv übersteigen, bedeuten die Testergebnisse hochgerechnet auf die gesamte Lkw-Flotte eine Verdoppelung der Stickoxidemissionen durch Lkw der Klassen Euro V und Euro VI, heißt es in der Studie. Außerdem würden der Asfinag Mauteinnahmen entgehen, weil sich Lkw sauberer geben als sie sind – 2020 seien der Autobahnen und Schnellstraßenbetreiberin demnach 61,5 Mio. Euro an Maut entgangen.

Alexander Klacska, Obmann der Bundessparte Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), sieht das Problem bei den ausländischen Fahrzeugen. Es gebe oft Lkw mit nicht-österreichischen Kennzeichen, „die ganz gerne manipulieren“, sagte er auf Anfrage der APA. Österreichische Fahrzeuge würden so oft kontrolliert, „dass man Manipulation im Großen und Ganzen ausschließen kann“. Es habe sogar schon einen gemeinsamen Vorstoß mit der Gewerkschaft für mehr Kontrollen für ausländische Fahrzeuge gegeben. Österreichische Lkw würden nicht nur jährlich in der Werkstatt sondern auch auf den Straßen überproportional oft kontrolliert.

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AK-Experte Franz Greil weist darauf hin, dass es unter Federführung des Verkehrsministeriums eine Arbeitsgruppe zu adblue-Betrug gebe, die sich mit dem Thema befasse und es auch eine Studie des Umweltbundesamtes dazu gegeben habe, aber letztlich sei „nichts zustande gekommen“. Das Problem sei, dass die Polizei keine „gerichtsfesten“ Entscheidungen treffen und daher auch keine Strafmandate ausstellen könne. Man müsste als Techniker sehr gut geschult sein, um solche Software-Manipulationen nachweisen zu können. Für einen Polizisten bei einer Straßenkontrolle sei das nicht möglich.

Auch werde in der Regel nur der Bordcomputer der Lkw ausgelesen – wenn dieser ordnungsgemäße Werte ausgebe, gebe es keine reale Prüfung mehr. In Dänemark und Flandern hingegen überprüfen speziell geschulte Polizisten die OBD von Lkw und können bei Abgasmanipulationen Verwaltungsstrafen verhängen.

Gemessen wurden im Oktober 2020 118 Lkw auf Autobahnen in Österreich, Deutschland und der Slowakei. Dabei emittierten die 30 EURO-V-Lkw im Schnitt 3.503 mg NOx/kWh (gesetzlich erlaubt sind 2.000) und die 88 EURO-VI-Lkw 955 mg NOx/kWh (erlaubt sind 460 mg NOx/kWh). Die Messungen waren nur möglich mit der Unterstützung des Fachbereichs Kraftfahrwesen Güterverkehr der Landespolizeidirektion Wien, heißt es in der Studie. Von den 118 Lkw hatten 20 ein österreichisches Kennzeichen, von diesen wiesen fünf überhöhte Emissionen auf. Angesichts der Größe der Stichprobe sieht die AK aber keinen Anlass eine Auswertung nach Nationalitäten durchzuführen.

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