Lockdown-Ende gut für Handel, schlecht für Gastro und Hotels

Sehr unterschiedlich sehen Handel, Hotels und (Nacht-)Gastronomie in Wien die Ankündigungen von Bürgermeister Michael Ludwig zum Ende des Lockdowns. Der Handel, der am 13. Dezember öffnen soll, ist zufrieden. Teils harsche Kritik gibt es von der Gastronomie und der Hotellerie, die keinen sachlichen Grund dafür erkennen, erst später wieder arbeiten zu können. Auch die Nachtgastronomie fordert eine Perspektive, wann wieder geöffnet werden darf.

Der Gastronomie fehlt jedes Verständnis, dass man erst am 20. Dezember öffnen darf, sagte Obmann Peter Dobcak. Dadurch, dass die Gastronomie nicht am 13. sondern erst am 20. Dezember öffnen dürfe, sei für sie die Weihnachtssaison vorbei. Denn über die Feiertage sei Familienzeit, da werde mehr gekocht und die Verwandtschaft besucht, so Dobcak, Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der Wirtschaftskammer Wien, zur APA. Die Branche fordere daher einen hundertprozentigen Umsatzersatz und flankierende Maßnahmen wie die Verlängerung der fünfprozentigen Mehrwertsteuer – nachdem wegen des Lockdowns die Gastronomie davon bisher nur beschränkt profitieren konnte. Außerdem sollten die Lohnnebenkosten gesenkt werden „und das beginnt einmal bei den Kommunalabgaben in Wien, denn da hat der Herr Bürgermeister direkt einen Einfluss darauf“, so Dobcak.

Mit heller Empörung reagieren die Hoteliers auf die Ankündigung des Wiener Bürgermeisters, die Hotels eine Woche länger geschlossen zu halten als den Handel. „Das halte ich für eine völlig sachbefreite und falsche Entscheidung“, sagte Michaela Reitterer, Chefin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV). Gerade in Wien sei das absurd, da Wien eine vorbildliche Infrastruktur für PCR-Tests habe, eine österreichweit sehr niedrige Corona-Inzidenz und es in Wien noch keinen Hotel-Cluster gegeben habe. Nun würden die Gäste ins Ausland abwandern, der wirtschaftliche Schaden sei noch nicht einmal abschätzbar.

Erfreut reagierte nur Margarete Gumprecht, Obfrau der Sparte Handel der Wirtschaftskammer Wien. Sie sagte zur Regelung, wonach der Handel am Montag für Geimpfte und Genesene wieder aufsperren darf: „Wir können das nur begrüßen.“ Es sei zwar „bitter“, dass die Gastronomie nicht zeitgleich öffnen könne und das werde auch Umsatz kosten, aber Gumprecht geht davon aus, dass die Menschen nach dem Lockdown „gezielt einkaufen gehen werden“. Ein Teil des Umsatzes sei zwar an Online-Geschäfte verlorengegangen, viele Menschen hätten sich aber inzwischen online informiert und würden in die Geschäfte gehen, schon wissend, was sie wollen. Besondere Freude macht dem Handel der offene Sonntag am 19. Dezember.

Nach allen bisherigen Ankündigungen wird der Lockdown nur für Geimpfte und Genesene (2G) enden. Die Kontrolle, wer allenfalls ungeimpft ist, sei zwar „eine sehr große Herausforderung“, aber eine Besprechung der Handelsobleute habe „eine Bereitschaft gezeigt, sie Gedanken zu machen, wie man das kontrollieren kann“, so Gumprecht. Die größte Katastrophe wäre es, wenn es noch einen Lockdown gäbe, aber „bevor wir noch einmal zusperren, muss man einfach eine Lösung finden, wie man es besser kontrolliert“. Und, so Gumprecht zuversichtlich: „Wir haben schon vieles gelöst in Österreich und werden auch das lösen können.“

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In der Club- und Discoszene herrscht indes „nach wie vor Perspektivlosigkeit“, beklagte Nachtgastronomiesprecher Stefan Ratzenberger. Nun gehe es endlich darum, „eine Ansage“ zu bekommen – etwa wonach man einhergehend mit der Umsetzung der Impfpflicht wieder öffnen dürfe, forderte er im Gespräch mit der APA. „Wir brauchen Planungssicherheit“, so Ratzenberger, der daran erinnerte, dass die Nachtlokale bald – mit einer nur kurzen Unterbrechung – seit zwei Jahren geschlossen haben. Auch er forderte weitergehende staatliche Hilfen. Man rechne damit, schlussendlich mit 2G-plus wieder öffnen zu dürfen. Nur wann – das ist offen.

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