„Losgelöst von Erwerbsarbeit“

Politikwissenschafterin glaubt, dass Grundeinkommen kommen wird

„Früher oder später“ werde es eine „Form des Einkommens losgelöst von der Erwerbsarbeit“ geben müssen, ist Barbara Prainsack, Politikwissenschafterin an der Uni Wien, überzeugt.

Unter anderem spricht aus ihrer Sicht für ein bedingungsloses Grundeinkommen, dass Vollbeschäftigung aufgrund des demografischen Wandels, der Globalisierung, der Automatisierung der Digitalisierung immer utopischer werde. Die Corona-Pandemie habe zudem gezeigt, dass man sein Erwerbseinkommen relativ schnell und unvorhergesehen verlieren könne, argumentiert sie im Interview mit den Kirchenzeitungen.

Prainsack: „Viele der Maßnahmenpakete in dieser Krise für die vielen betroffenen Menschen bräuchte es nicht, wenn wir ein Grundeinkommen hätten, das die Menschen absichert“.

Über Vermögenssteuern

Sie plädiert für ein Modell, das in Österreich gegebene Grunddienstleistungen im öffentlichen Verkehr, in Krankenversorgung, Kinderbetreuung und Bildung weiter ausbaut. „Ich bin für ein Grundeinkommen, das automatisch und unbürokratisch an alle ausbezahlt wird und das sich der Staat von denen, die es sich leisten können, über Beiträge wie Vermögenssteuern wieder zurückholt“, erklärt Prainsack.

Das Hauptbedenken gegen ein Grundeinkommen — nämlich dass dadurch viele Menschen zum Nichtstun motiviert wären — hält die Wissenschaftern für unbegründet. „Natürlich gibt es jene, die das System ausnutzen“, räumt Prainsack ein, „aber das spielt sich in einem sehr geringen Bereich ab. Wir müssen uns überlegen, ob wir eine bessere Lösung nur deswegen nicht wollen.“

27 Milliarden Euro

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Überlegungen zu einem Grundeinkommen gab es schon in der Schweiz, dort sagten aber 2016 bei einem Volksentscheid fast vier Fünftel Nein zu einer Einführung. Finnland hat es zwei Jahre getestet und herausgefunden, dass sich ein Grundeinkommen zwar positiv auf die Gesundheit von Arbeitslosen auswirkt, deren Rückkehr in den Arbeitsmarkt aber nicht beschleunige.

Laut Berechnungen aus dem Jahr 2017, denen das abgelehnte Schweizer Modell — rund 2260 Euro pro Erwachsenem, rund 560 Euro für Kinder — zugrunde lag. Demnach würde ein bedingungsloses Grundeinkommen 27 Milliarden Euro im Jahr kosten.

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