Manfred Maurer

Meinung

von Manfred Maurer

Lossonntag

Leider ist nicht auszuschließen, dass wir uns nach dem Wochenende weniger mit der enorm wichtigen, aber vergleichsweise doch banalen Frage beschäftigen, ob Frau von der Leyen nun eine Mehrheit für ihren Karrieresprung von Berlin nach Brüssel kriegen wird oder nicht.

Sogar das spätestens im Oktober den nächsten Höhepunkt ansteuernde Brexit-Drama könnte aus dem Fokus geraten, wenn am Sonntag passiert, was unausweichlich scheint: Mit der Wiederaufnahme der unbegrenzten Urananreicherung durch den Iran beginnt jene allerletzte Galgenfrist von etwa zwei Monaten, in der noch zu retten wäre, was nicht mehr zu retten scheint: das Atomabkommen.

Zum nächsten Golfkrieg — es wäre der vierte — ist es dann nur ein kleiner Schritt. Selbst wenn niemand beabsichtigt, ihn bewusst zu tun, ist er schneller getan, als ein Trump twittern kann. Hier eine Provokation, dort eine Seemine. Vielleicht glaubt auch Israel, wieder einmal einen Präventivschlag gegen eine potenzielle Atommacht fliegen zu müssen.

„Die Welt nimmt Rücksicht keine darauf, ob die EU gerade mit sich selbst beschäftigt ist…“

Die Metapher vom Pulverfass Nahost hat einen langen Bart, die Lunte aber ist umso kürzer.
Vielleicht hilft das den Europäern, endlich zur Besinnung zu kommen. Rundherum tut sich einiges. Und die Welt draußen nimmt Rücksicht einfach keine darauf, ob die EU gerade mit sich selbst beschäftigt ist.

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