Ludwig und Ruck erste Kaffeehausgäste in Wien

Mozart und Beethoven waren schon dort, am Mittwoch haben auch Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und Wirtschaftskammerpräsident Walter Ruck dem Cafe Frauenhuber in der City einen Besuch abgestattet. Sie luden dort zum Fototermin anlässlich der Wiedereröffnung der Gastronomie. Beide zeigten sich über das Ende des coronabedingten Betretungsverbots erfreut – und äußerten Zuversicht, dass kein weiterer Lockdown notwendig sein wird.

Die Szenerie erinnerte an die traditionelle Schanigarteneröffnung früherer Jahre, die den offiziellen Startschuss für die Freiluft-Saison gab. Das heutige Ereignis war jedoch durchaus historischer. Nach mehr als sechs Monaten dürfen in der Hauptstadt die Lokale wieder aufsperren. Das Medieninteresse war entsprechend groß.

Zum Plaudern blieb dem Stadtchef und dem Kammerpräsidenten somit nur wenig Zeit. Sie nahmen zumindest kurz im Schanigarten Platz, wobei ihnen kleiner Brauner bzw. Melange sowie Croissants serviert wurden. Auch der Chef des Hauses, Wolfgang Binder, gesellte sich vorübergehend zu ihnen. Der Betreiber des Cafe Frauenhuber ist auch Obmann der Fachgruppe Kaffeehäuser in der Wiener Wirtschaftskammer.

Ludwig und Ruck betonten, dass es eine große Freude sei, wieder ins Kaffeehaus gehen zu können. „Wir sind alle sehr froh, dass wir wieder die vielfältige Gastronomie in unserer Stadt genießen können“, sagte der Bürgermeister. Lob gab es für die Wiener Bevölkerung, die die strengen Schutzmaßnahmen eingehalten habe. Dadurch sei der Rückgang bei den belegten Spitalsbetten schneller erfolgt, so Ludwig. „Es ist wirklich ein schöner, ein großer Tag“, befand auch Kammerpräsident Ruck.

Die Wiener Gastronomie werde sämtliche Regeln einhalten und damit ihren Beitrag leisten, dass es zu keiner neuerlichen Schließung komme, versicherte der WKW-Chef. Die Lage sei jedoch weiterhin ernst, warnte Ludwig. Er verteidigte auch die in Wien geltenden strengeren Regeln für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Branche. „Nichts wäre schlimmer als wenn die Zahlen wieder steigen und wir Maßnahmen zurücknehmen müssten“, betonte der Bürgermeister.

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In Wien müssen Beschäftigte in der Gastronomie durchgehend getestet sein wenn sie arbeiten. Ein einmaliger Selbsttest in der Woche, so wie in der Bundesverordnung festgehalten, reicht nicht. Sollten sie über keinen aktuell gültigen Nachweis eines negativen Tests verfügen, müssen die betreffenden Personen eine FFP2-Maske tragen. Dies gilt nicht nur für Personen mit Kundenkontakt, also etwa Personal im Service, sondern für alle Mitarbeiter.

Entsprechend groß gestaltet sich auch der Andrang auf die Testkits, die den Betrieben kostenlos zur Verfügung gestellt werden. 500.000 PCR-Gurgeltests seien schon ausgegeben worden, berichtete ein Wirtschaftskammersprecher heute der APA. Zunächst war nur geplant, 160.000 Kits zu verteilen. Die Aktion wurde nun bis Juni verlängert.

Das Lokal, in dem der Neustart heute zelebriert wurde, gilt als ältestes Kaffeehaus Wiens. Schon 1314 wurde an dem Ort in der Himmelpfortgasse eine Badestube erwähnt, 1788 gründete ein Leibkoch von Kaiserin Maria Theresia dort ein Restaurant. Im selben Jahr musizierte hier auch bereits Wolfgang Amadeus Mozart, knapp zehn Jahre später wählte Ludwig van Beethoven das Etablissement als Auftrittsort, wie eine Tafel am Gebäude berichtet. Seit 1891 wird das Cafe unter dem Namen Frauenhuber geführt, heißt es auf der Homepage des Betriebes ().

Allgemein dürfte der Auftakt in den Wiener Gastlokalen großteils problemlos verlaufen sein. Zu Mittag berichtete der Obmann der Sparte Gastronomie in der Wiener Wirtschaftskammer, Peter Dobcak, im Gespräch mit der APA, dass die umfangreichen Vorbereitungen sich offenbar bezahlt machen. Er habe selbst schon einige Lokale besucht und festgestellt: „Es ist sehr gut durchorganisiert.“

Auch habe er noch von keinen Fällen gehört, in denen Gäste etwa nicht gewusst hätten, dass sie eine Corona-Testbestätigung mitbringen müssen. Bereitwillig würden auch die vorgeschriebenen Masken getragen, wenn der Sitzplatz verlassen werde. Die Registrierung über die vorhandenen elektronischen Systeme funktioniere laut seinen Informationen ebenfalls klaglos, berichtete er. Noch sei das Prozedere oft ungewohnt. „Aber die Routine wird sicher bald eintreten“, zeigte er sich überzeugt.

Laut dem Gastro-Obmann war es am Vormittag in Wien noch relativ leicht möglich, einen Platz in einem der Cafés oder Restaurants zu ergattern. Es sei noch nicht sehr viel los gewesen, wohl auch weil es sich ja um einen Arbeitstag handle, gab er zu bedenken. Auch die Schanigärten werden laut Dobcak bereits frequentiert. Das ist auch dem Wetter zu verdanken: Zwar war es in Wien am Mittwoch verhältnismäßig kühl, aber zumindest weitgehend trocken.

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