DAX-Abstieg der AUA-Mutter Lufthansa besiegelt

Nach fast genau 32 Jahren ist vorerst Schluss: DAX-Gründungsmitglied Lufthansa muss den Platz in der ersten deutschen Börsenliga räumen. Seit Montag werden die Aktien der größten Fluggesellschaft Deutschlands und Muttergesellschaft der AUA im MDAX der mittelgroßen Werte gehandelt. Den Platz im Deutschen Aktienindex übernimmt die Deutsche Wohnen.

Die Aktien der Lufthansa gerieten indes wegen Zweifel an einer erfolgreichen Rettung der Airline wieder stark unter Druck. Sorgen um das Rettungspaket drückten die Anteile des DAX-Absteigers um fast 9 Prozent auf 9,28 Euro.

Die Lufthansa fürchtet angesichts einer niedrigen Aktionärspräsenz auf der Hauptversammlung an diesem Donnerstag einen ungewissen Ausgang bis hin zu einer Insolvenzlösung. Denn die Zustimmung zu den neun Milliarden Euro schweren Staatshilfen steht nach den Registrierungen der Anteilseigner mehr denn je auf der Kippe.

Das Berliner Unternehmen Deutsche Wohnen ist der zweite Immobilienkonzern im DAX nach der Bochumer Vonovia. Die Bundeshauptstadt hat damit wieder einen Vertreter unter den 30 Konzernen im deutschen Leitindex – 14 Jahre nach der Schering-Übernahme durch Bayer. Die Deutsche Wohnen ist Deutschlands zweitgrößter privater Vermieter mit deutschlandweit 160.000 Wohnungen. Mietervertreter fürchten, dass der Druck auf Mieter mit dem DAX-Aufstieg zunehmen wird.

Die Deutsche Börse überprüft regelmäßig die Zusammensetzung ihrer Aktienindizes. Maßgeblich für die Zugehörigkeit zum Kreis der 30 DAX-Konzerne sind Börsenumsatz (Handelsvolumen) und Börsenwert (Marktkapitalisierung) eines Unternehmens.

In der Coronakrise war die Lufthansa schwer unter Druck geraten, der Aktienkurs der Fluggesellschaft brach ein. Ein rund neun Milliarden Euro schweres staatliches Rettungspaket soll das Unternehmen stabilisieren. Die Zustimmung der Aktionäre zu dem Rettungspaket ist jedoch nicht sicher: Großaktionär Heinz Hermann Thiele, der gut 15 Prozent der Anteile hält, könnte sich querstellen.

Wichtig sind Index-Änderungen vor allem für Fonds, die Indizes exakt nachbilden (ETF). Dort muss dann umgeschichtet werden, was in der Regel Einfluss auf die Aktienkurse hat. Die Zugehörigkeit zum DAX ist aber auch eine Frage von Prestige: Gerade für internationale Investoren ist das wichtigste deutsche Börsenbarometer das Aushängeschild der deutschen Wirtschaft.

Indes berieten zwei deutsche Minister, der Vorstandschef und der Großaktionär der Lufthansa Insidern zufolge über das staatliche Rettungspaket für die Airline bei einem Treffen im deutschen Finanzministerium. An dem rund eineinhalb Stunden langen Gespräch nahmen Finanzminister Olaf Scholz (SPD), Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Lufthansa-Chef Carsten Spohr sowie Hauptaktionär Heinz Hermann Thiele teil, sagten drei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Nach dem Gespräch im Finanzministerium gaben die Teilnehmer vor Journalisten keinen Kommentar ab.

Thiele begehrt vor allem wegen des Staatseinstiegs bei der Lufthansa mit 20 Prozent gegen den mühsam ausgehandelten Rettungsplan von bis zu neun Mrd. Euro Finanzhilfen auf. Der 79-Jährige hält inzwischen 15,52 Prozent und könnte mit seinen Anteilen den Plan auf der außerordentlichen Hauptversammlung am Donnerstag zu Fall bringen.

Falls das staatliche Rettungspaket doch noch scheitern sollte, wäre auch der Deal zur Rettung der österreichischen Lufthansa-Tochter AUA gefährdet. “Bei einer eventuellen Ablehnung des vorliegenden deutschen Deals muss man die Situation in Österreich neu bewerten”, hieß es am Montag aus Regierungskreisen in Wien.

“Der AUA-Deal sieht als Grundvoraussetzung eine Einigung der deutschen Regierung mit der Lufthansa vor”, hieß es auf Anfrage der APA. Daher gelte es jetzt die Hauptversammlung der Lufthansa am Donnerstag abzuwarten.

Bei der AUA selbst gibt man sich zuversichtlich. “Das österreichische Corona-Hilfspaket ist fertig geschürt und alle Stakeholder inklusive der Lufthansa haben dem Deal zugestimmt”, sagte AUA-Sprecher Peter Thier zur APA. Es gebe daher Grund zur Annahme, dass unabhängig von der Lufthansa-Hauptversammlung das Paket in Österreich hält. Hundertprozentige Sicherheit könne es natürlich nicht geben. Nach früheren Angaben hatte es geheißen, das gesamte AUA-Finanzierungspaket sei abhängig von der Staatshilfe für die Lufthansa in Deutschland.

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