Luftmatratze gegen Reizüberflutung

Kunstuni Linz kritisiert bei Ars Electronica die mediale Vermüllung: „Please Recharge“

Auf die „archaische“ Kommunikationsform der Postkarte greifen die Österreicherinnen Astrid Dober und Ilona Stuetz in ihrer interaktiven Arbeit zurück.
Auf die „archaische“ Kommunikationsform der Postkarte greifen die Österreicherinnen Astrid Dober und Ilona Stuetz in ihrer interaktiven Arbeit zurück. © Astrid Dober

Von Philipp Wagenhofer

„Ich versuche jetzt, dass ich zumindest am Wochenende abschalte“, sagt Christa Sommerer, Leiterin von Interface Cultures an der Kunstuni Linz, im Gespräch. Es sei zu bemerken, dass etwa 20- bis 30-jährige Digital Natives sich der medialen Präsenz immer wieder entziehen würden, um ein wenig Abstand zu gewinnen und zu regenerieren. „Please Recharge“ („Bitte aufladen“) ist der diesjährige Beitrag ihrer Abteilung bei Ars Electronica, der in rund 20 Positionen, die vor allem in der Postcity gezeigt werden, Niederschlag findet. Analoges und Haptisches spielen dabei eine nicht unwesentliche Rolle.

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„You Are Running Out of Battery“ nennt die Italienerin Sofia Braga programmatisch ihren Beitrag. Sie bietet Luftmatratzen zum Innehalten, man schließt sich dem gleichnamigen Offline-Netzwerk an, ladet sein Handy auf.

„Schreib bitte wieder bald, ich warte jeden Tag auf Post“ von den österreichischen Studierenden Astrid Dober und Ilona Stuetz greift auf „archaische“ Kommunikationsprozesse zurück. Eine Postkarte ist eine Postkarte ist eine Postkarte. Welche Geschichten werden transportiert? Die Erkundung ist das Ziel.

Auf ähnlichen Weise wandelt die chinesisch-österreichische Freundschaft von Quian Ye und Melanie Tonkowik, die in „Beyond Paper“ das gute alte Aufklappbuch interaktiv mit digitalen Aspekten verbinden. So bringt das Hineinblasen Bäume zum Leuchten. Ein Beitrag, der großen und kleinen Kindern das Medium Buch nahebringt.

Mittels Klangschalen gedenkt der in Linz studierende Indonesier Stevie Jonathan Sutanto den Opfern des Terrorismus, eine meditative, den Raum erfüllende Installation, die mit einem Datensatz über Terroranschläge in aller Welt verbunden ist: „inMemory“.

„In diesen Tagen blickt die Welt auf uns“

„Kreativität ist allgegenwärtig in unserer Stadt“, in diesen Tage blicke die Welt auf uns, so Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer. Interface Culture sei ein Leitthema der Campus-Präsentation, an der sich heuer 23 internationale Unis beteiligen, sagt Ars-Chef Gerfried Stocker. Und Rektor Reinhard Kannonier sieht sich mit Stocker als Vorkämpfer der Kooperation von Ars und Kunstuni. Digitalisierung und Nachhaltigkeitsstrategien seien wesentliche Faktoren.