Luger gegen „1, 2, 3-Mogelpackung“

ÖVP und Grüne sehen rot-blaue Bedenken als „Bremsklotz“

Zugegeben: Noch sind viele Details nicht geklärt und Fragen offen. Trotzdem schrillen bei der SPÖ-FPÖ-Stadtkoalition in Linz die Alarmglocken. Denn es wird befürchtet, dass durch das geplante 1-2-3-Ticket das Defizit der Linz-Linien enorm steigen könnte. Jährlich schieße die Linz AG für Bus und Bim schon 34 Mio. Euro zu, durch Corona liege das Defizit noch um fünf Mio. Euro höher und durch das Ticket werde man weitere 20 Mio. Euro verlieren, rechnet SPÖ-Bürgermeister Klaus Luger vor.

Auch sei der weitere Ausbau der regionalen Öffis massiv gefährdet, ergänzt sein Vizebürgermeister Markus Hein (FPÖ). Die Nahverkehrsmilliarde sei nämlich halbiert worden und lediglich die Städte Innsbruck (grüner Bürgermeister) und Salzburg (ÖVP-Bürgermeister) bekämen ihre Projekte vom Bund sonderfinanziert, so Luger.

Und der dritte Punkt der beiden sauer aufstößt ist, dass die ÖBB eine Monopolstellung beim Ticketverkauf bekommen könnte. Und überhaupt würden die Verhandlungen derzeit hinter verschlossenen Türen zwischen der ÖBB und dem Ministerium geführt. Unterm Strich sei das Ticket eine Mogelpackung und ein Marketingschmäh, darin sind sich Hein und Luger einig. Außerdem seien wesentliche Rechtsfragen ungeklärt.

Unverständnis in Wien

Beim zuständigen Klimaministerium versteht man die Vorwürfe nicht. Es seien zwar noch Fragen offen, aber die Linzer seien und werden weiterhin in die Verhandlungen eingebunden. Mit der Sicherstellung der Finanzierung für das 1-2-3-Ticket mit 245 Mio. Euro habe man einen wichtigen Schritt erledigt. Vorgesehen sei eine Abgeltung der Mindereinnahmen aller Partner — für diese entstehe also kein finanzieller Nachteil, heißt es aus dem Ministerium. Für den Ausbau der Regionalbahnen gebe es zusätzliche 300 Millionen Euro. Auch das Ticket werde bei allen Verkehrsverbünden und Verkehrsunternehmen erhältlich sein. Beim großen Kick-Off-Treffen am 15. Juni waren auch Vertreter aus Linz vor Ort.

Reine Vermutungen

Nicht einverstanden ist ÖVP-Stadtparteichef Vbgm. Bernhard Baier mit dem rot-blauen Rundumschlag, die das 1-2-3-Ticket für den öffentlichen Verkehr schon vor dessen Einführung schlechtreden. Für ihn sind die Vorwürfe reine Vermutungen und man könne die Initiative der Regierung erst beurteilen, wenn es tatsächlich Erfahrungswerte gibt. „Vielleicht ist es für Linz sogar eine Bereicherung und eine zusätzliche Einnahmequelle, wenn dieses Öffi-Ticket wirklich von den Leuten angenommen wird. Ziel sollte es doch sein, möglichst viele Menschen zum Umstieg auf die Öffis zu animieren“, so Baier.

Noch schärfer ins Gericht mit Luger und Hein gehen die Linzer Grünen. „Wenn sich Linz gegen die wichtigste verkehrspolitische Innovation der vergangenen Jahre wehrt, ist das peinlich und ein beschämendes Signal. Es geht um Verbesserungen im Sinne der Fahrgäste. Linz soll Teil der Lösung sein und nicht das Problem“, so die grüne Stadträtin Eva Schobesberger. Sie fordert die beiden auf, sich „konstruktiv in die gerade erst beginnenden Verhandlungen einbringen anstatt gleich einmal laut nein zu schreien“. Die Basis für das Ticket sei außerdem ein einstimmig — also mit den Stimmen von SPÖ und FPÖ — beschlossener Antrag im Nationalrat.

Bereits im kommenden Jahr soll das österreichweite Ticket starten, um 1095 Euro (3 Euro pro Tag) kann man damit in Österreich ein Jahr lang Öffi fahren.

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