Eine Tischlerei, die Sinn stiftet

Das Caritas-Angebot invita hat am Pamingerhof in St. Ägidi für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen nicht nur eine betreute Wohnmöglichkeit, sondern auch 24 Arbeitsplätze. „Die sogenannte ,Fähigkeitsorientierte Aktivität‘ gibt den Menschen Struktur und vermittelt ihnen ein positives Gefühl, weil die Beschäftigung als sinnvoll erlebt wird“, sagt Caritas-Mitarbeiter Karl Schneeberger, der vier Beschäftigte in der Tischlerei am Hof begleitet.

Tischlermeister Karl Schneeberger (r.) mit seinem Schützling Andreas Knogler. © Caritas

Der 54-jährige Tischlermeister Karl Schneeberger aus Pfarrkirchen im Mühlkreis leitet seit vier Jahren die holzverarbeitenden Aktivitäten am Pamingerhof. Gemeinsam mit „seinem Team“ stellt er Gartenelemente, Wohnaccessoires und Kleinmöbel her. Ein Teil der Arbeiten sind auch Aufträge von Firmen.

„Wir machen etwa Jausenbretter, Stockerl und Papierrollenhalter“, sagt Schneeberger. Die Arbeitsatmosphäre in der Tischlerei ist entspannt und erinnert an eine Lehrwerkstätte, wo viel erklärt, vorgezeigt und geübt wird. Anspruch an Perfektionismus oder Zeitdruck bleiben dabei immer vor der Werkstatttür.

Der Tischlermeister geht in seinem Beruf voll und ganz auf: „Es ist einerseits zwar eine Herausforderung, die Menschen zu motivieren. Andererseits ist es ein wunderbares Gefühl, wenn es dann doch gelingt, sie eine Freude an der Arbeit haben, und ich sehe, wie sie sich dadurch persönlich weiterentwickeln, offener werden oder mehr Selbstbewusstsein bekommen.“

Das Schönste für ihn ist, wenn jemand in die Arbeit so vertieft ist, dass er die Pause übersieht. Erfolgserlebnisse gibt es für ihn auch: „Ein junger Mann hat einen gewaltigen Fortschritt gemacht und schafft es jetzt schon, nach einem Plan ganz selbstständig ein einfaches Werkstück herzustellen. Vor ein paar Jahren hätte ich nie gedacht, dass er das schaffen würde.“

Gute Beziehung hilft bei der Arbeit enorm

Obwohl der Werkstoff Holz ist, geht es in der Tischlerei in erster Linie um den richtigen Draht zueinander. „Eine gute Beziehung macht einen großen Teil des Erfolgs unserer Arbeit aus“, weiß der Tischlermeister aus Erfahrung. Geduld und Humor nennt er als die zwei wichtigsten Eigenschaften für seinen Beruf. „Ich gebe außerdem den Menschen das Gefühl, für sie der Fels in der Brandung zu sein. Auch wenn es darum geht, in Situationen zu deeskalieren.“

Neben der Tischlerei können die Menschen am Pamingerhof auch im Gemüseanbau und in der Grünraumpflege, der Küche, im Reinigungsbereich, sowie in der Kreativ- oder Industriewerkstätte arbeiten. Viele Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen sind auch in Firmen beschäftigt und leisten dort unterstützende Arbeit. Der Tätigkeitsbereich hängt von den individuellen Fähigkeiten und Vorlieben ab.

Auch wenn Schneeberger „seinen“ Werkstattbereich hat, ist er Teil eines multiprofessionellen Teams, mit dem er in engem Kontakt und Austausch steht. „Das Leben am Hof ist wie in einer großen Familie – mit Menschen, die zusätzliche Unterstützung brauchen und wo vor allem viel geplant werden muss, damit alles reibungslos läuft“, schildert Schneeberger.

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