Ein Weltstar aus Österreich

Schon in seiner ersten großen Filmrolle als Hermann Alt in „Der Engel mit der Posaune“ (1948) spielt er an der Seite der ganz großen Namen der österreichischen Schauspielriege: Attila Hörbiger, Paula Wessely, Paul Hörbiger. In einer Szene weist Paul Hörbiger den jungen Oskar Werner als seinen Neffen zurecht, er und seine Freunde hätten ein Klavier mit moderner Musik entweiht, auf dem einst Mozart gespielt hat. Lässig und einnehmend intensiv gleichzeitig antwortet Werner mit seiner so speziellen Stimme und einer Coolness, die noch heute ihresgleichen sucht: „Spielts halt aufm anderen Klavier!“ Schon jetzt ist klar: Der am 13. November 1922 in Wien Geborene ist ein wahrer Könner seines Genres, er wird ein Star werden.

Oskar Werner © Filmarchiv Austria/Sam Shaw

Geboren wurde er als Oskar Josef Bschließmayer, Sohn einer Fabrikarbeiterin und eines Versicherungsvertreters. Nach der frühen Scheidung der Eltern, wuchs der kleine Oskar bei seiner Mutter auf, die, als ihr Sohn 16 Jahre alt war, versuchte, sich das Leben zu nehmen. Oskar fand die Mutter.

Schon früh interessierte sich Oskar für die Schauspielerei und spielte während der Schulzeit am Schultheater und besetzte Komparsenrollen bei Filmproduktionen. Mit 18 Jahren, am 1. Oktober 1941, kam Bschließmayer ans Burgtheater, ohne je Schauspielunterricht genossen zu haben, die Schule hatte er nach nicht bestandener Matura ohne Abschluss verlassen. 1942 muss Bschließmayer einrücken, die Bemühungen des Burgtheaters, für ihn eine Unabkömmlichkeitsstellung durchzusetzen, blieben erfolglos.

1945 desertierte er und entzog sich so dem Kriegsdienst in der Wehrmacht an der Front. Er flüchtete nach Baden, wo er mit seiner damaligen Frau Elisabeth Kallina und deren gemeinen Tochter Eleonore lebte. Nach Kriegsende nahm Oskar Bschließmayer amtlich den Vornamen seines Idols und Mentors Werner Krauß als seinen neuen Nachnamen an und spielte wieder am Burgtheater.

In Hamlet fand er seinen Zwillingsbruder

Durch seine jungenhaft-fragile Erscheinung prädestiniert, spielte er Don Carlos, Torquato Tasso und Hamlet eindringlich, mit suggestiver Körpersprache und unverwechselbarer Stimme. In Hamlet habe er einen Zwillingsbruder gefunden, sagte er einst. Den Zenit erreichte Werner hier in den 50er-Jahren. Mehr und mehr entwickelte er sich zu einem Verkünder des „wahren Theaters“. Das neu entstehende Theater der Regierevolutionäre widersprach Werners Überzeugung, denn in Anlehnung an Max Reinhardt beharrte er auf der Vorherrschaft des Schauspielers und des Ensembles.

Doch Oskar Werner behauptete sich nicht nur auf der Bühne, 1948 startete er seine Filmkarriere mit „Der Engel mit der Posaune“ von Karl Hartl. Die internationale Filmwelt wurde auf den charismatischen Wiener aufmerksam. 1950 spielte er die Rolle des Hermann Alt in der britischen Produktion „The Angel with the Trumpet“ erneut.

„Entscheidung im Morgengrauen“ (1951) brachte ihm Ruhm von Publikum und Kritik ein. Sogar seinen Handabdruck hinterließ er am Hollywood Boulevard. Den Sieben-Jahres-Vertrag mit der 20th Century Fox brach Werner, da er mit den angebotenen Rollen nicht einverstanden war.
Zurück in Europa ließ sich Oskar Werner sich unweit der alten Heimat, in Tresen, Liechtenstein, nieder. Am Tor seines Grundstückes war zu lesen: „Gewährt, daß ich ersuche, keine unangesagten Besuche. Private – no visitors please.“

1955 spielte Oskar Werner in Georg Wilhelm Pabsts Film „Der letzte Akt“ und in Franz Antels „Spionage“ nach einem Drehbuch Alexander Lernet-Holenias. Es folgte Max Ophüls’ „Lola Montez“. 1961 begann Werners Zusammenarbeit mit Francois Truffaut, welcher die Filme „Jules et Jim“ und „Fahrenheit 451“ (1966) entstammen. Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte er mit der Darstellung des Schiffsarztes Dr. Schumann in Stanley Kramers „Das Narrenschiff“ (1964).

Damit wurde er nicht nur für den Oscar nominiert, sondern auch mit dem New York Film Critics-Award ausgezeichnet. Im britischen Thriller „Der Spion, der aus der Kälte kam“ (1965) spielte Werner neben Richard Burton. 1976 stand er das letzte Mal in Stuart Rosenbergs Flüchtlingsfilm „Voyage of the Damned“ („Reise der Verdammten“) vor der Kamera.

300 Rollenangebote abgelehnt

Der Alkohol und Werners Ansprüche ließen ihn viele Angebote ablehnen. Aufgrund der expliziten Gewaltdarstellungen hielt er etwa Stanley Kubricks „Uhrwerk Orange“ für problematisch und so kam auch eine Zusammenarbeit bei Kubricks nächstem Film „Barry Lyndon“ für Werner nicht infrage, der in einem Interview sagte, 300 Rollenangebote als „Verrat am künstlerischen Geschmack“ abgelehnt zu haben.

So überschattete die alkoholgeschwängerte Endphase des Lebens Hand in Hand mit Depressionen, gescheiterten Projekten und einem Debakel mit seinem Wachau-Festival 1983 die letzten Jahre des Künstlers. Auf der Vorbereitung für eine Lesetournee durch Deutschland versagte Osker Werner das Herz am 23. Oktober 1984 in Marburg an der Lahn.

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