Riesensprung für die Menschheit

In die Geschichte ist er als der erste Mensch eingegangen, der einen fremden Himmelskörper betrat und Spuren in den Staub einer anderen Welt zeichnete. Schnell wurde er in der ganzen Welt zum Idol. Heute lernen schon die Kinder in der Schule den Namen des Pioniers der Weltraumfahrt, der vor zehn Jahren, am 25. August 2012, verstarb: Neil Armstrong.

Die ersten Schritte auf dem Mond © NASA / AFP

Am 5. August 1930 als Sohn eines Rechnungsführers für den Staat Ohio in Wapakoneta auf der Farm der Großeltern geboren, hatte sich Neil Armstrong schon als Kind brennend für die Fliegerei interessiert und alle greifbare Fachlektüre verschlungen. Seinen ersten Flug erlebte er bereits im Alter von sechs Jahren. Schon zum 16. Geburtstag erhielt Neil die Pilotenlizenz, wurde als Marineflieger ausgebildet und als Testpilot unter anderem für das sagenhafte Raketenflugzeug „X-15“ eingesetzt. Damit begann für ihn schon der Raumflug, denn die Maschine flog so hoch, dass die Piloten oft am hellen Mittag die Sterne funkeln sahen. „Der fliegt ein Flugzeug, als ob es sein Anzug wäre“, staunten damals die anderen Piloten über Neils Geschicklichkeit.

Bereits 1962 gehörte Neil Armstrong dann als einer von zwei Zivilisten zu der zweiten Gruppe von Männern, die von der Raumfahrtbehörde NASA zu Astronauten ausgebildet wurde. Sein erster „richtiger“ Raumfahrteinsatz folgte 1966 als Kommandant der „Gemini 8“. Als das Fluggerät außer Kontrolle geriet, konnte Neil Armstrong es mit der Handsteuerung noch retten.

Der Flug, der alles veränderte

1969 folgte dann der Flug, der ihn berühmt machte. 800 Millionen Fernsehzuschauer rund um den Globus erlebten in den Morgenstunden des 21. Juli 1969 live den Augenblick, als 356.000 Kilometer von der Erde entfernt US-Astronaut Armstrong zögernd und unbeholfen in seinem kompakten Schutzanzug seinen Fuß auf die Mondoberfläche setzte. Allein in Deutschland waren es 24 Millionen Zuseherinnen und Zuseher. Für Armstrong war die Mondexpedition die Erfüllung seines Lebenstraums. Sein damaliger Ausspruch zu der atemberaubenden Szene von einem „kleinen Schritt für einen Menschen, aber einem Riesensprung für die Menschheit“ ist längst zu einem geflügelten Wort geworden. Auf die Frage, wie lange er über die Formulierung nachgedacht habe, sagte Armstrong, ihm sei erst nach der Landung der „Eagle“-Mondfähre klar geworden, dass er wohl irgendetwas sagen müsse. Als er über den Ausstieg nachgedacht habe, seien ihm die Worte ganz schnell gekommen.

Der erste Mensch auf dem Mond wurde weltweit zum Idol. 19 Länder überschütteten ihn mit Auszeichnungen, er bekam unter anderem den Kaiserlichen Kulturorden Japans, die Freiheitsmedaille der Vereinigten Staaten und die Ehrendoktorwürde der Universität von Südkalifornien. Sowjetische Wissenschafter nannten ein Mineral aus der Wüste Gobi „Armstrongit“. In seinem Heimatort Wapakoneta entstand ein eigenes Armstrong-Museum.

Kängurusprünge auf der Mondoberfläche

Die Berichterstattung der Medien über die in Kängurusprüngen auf der Mondoberfläche hüpfenden Astronauten, als Armstrong und sein NASA-Kollege Edwin „Buzz“ Aldrin drei Stunden lang auf dem Mond spazierten, war fantastisch. Dabei hatten die dramatischen Ereignisse bei der ersten Landung von Menschen auf dem Mond gezeigt, wie nahe Erfolg und Scheitern beieinander liegen. Nur mit Handsteuerung konnte die Fähre „Eagle“ damals vor 26 Jahren noch über ein gefährliches Feld von Felsbrocken hinweggehoben werden, und beim Aufsetzen im „Meer der Ruhe“ reichte der Treibstoff gerade noch für 20 Sekunden.

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Doch alle Schwierigkeiten meisterte Armstrong mit Bravour, da er Eigenschaften mitbrachte, die ihn wohl dafür prädestinierten, einmal der legendäre „Mann im Mond“ zu werden. Bei ihm paarten sich Mut und Kaltblütigkeit mit Höflichkeit und Bescheidenheit.
Nach seinem Mondabenteuer war Neil Armstrong Professor für Raumfahrt-Ingenieurwesen an der Universität von Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio und bekleidete führende Positionen in der Wirtschaft. Er gehörte der von US-Präsident Ronald Reagan eingesetzten Nationalen Kommission für Weltraumziele an und war stellvertretender Vorsitzender der Kommission, welche die Katastrophe mit der „Challenger“-Raumfähre untersuchte. Danach leitete der berühmte Astronaut nach Angaben der NASA eine Computer- und Raumfahrtfirma in der Kleinstadt Lebanon in Ohio.

Privat zog sich Neil schon kurz nach der historischen Mondlandung mehr und mehr aus der Öffentlichkeit zurück und lebte mit seiner Familie in Ohio auf einer Farm. Interviews gab er nur selten. Er ließ aber noch zu seinem 80. Geburtstag durchblicken, dass sein Herz noch immer für die Raumfahrt schlug. Aber als der damalige US-Präsident Barack Obama 2019 die Abkehr von einem neuen NASA-Mondprogramm verkündete, da wollte die Weltraumlegende nicht schweigen. Armstrong warnte in einem offenen Brief vor einem „Rückfall der USA in die Zweitklassigkeit“ bei der Weltraumforschung. Noch mit 80 war er ein Mann voller Visionen. Auch sein langjähriger Friseur bekam seinen Unmut zu spüren, als er eine Haarsträhne seines prominenten Kunden verkaufte: Er musste den Erlös für einen guten Zweck stiften.

Ein Tod, der die Welt schockierte

„Wir sind untröstlich, mitteilen zu müssen, dass Neil Armstrong an den Folgen eines Herzeingriffs gestorben ist.“ Am 12. August 2012 teilte Armstrongs Familie der Öffentlichkeit diese Nachricht mit.

Die NASA zeigte sich betroffen über den Verlust „eines Freundes, Kollegen und wahren amerikanischen Helden“. Der damalige NASA-Chef Charles Bolden versicherte, dass der Astronaut für immer in den Geschichtsbüchern zu finden sein werde. „Indem wir diese nächste Ära der Forschung betreten, stehen wir auf den Schultern von Neil Armstrong.“ Auch Barack Obama reagierte in einer Erklärung tief betroffen. „Neil war einer der größten amerikanischen Helden – nicht nur zu seiner Zeit, sondern für alle Zeiten“, so Obama in Washington. „Als er und seine Crew 1969 mit der Apollo 11 gestartet sind, nahmen sie die Sehnsucht einer ganzen Nation mit.“ Armstrongs Familie in Cincinatti hatte für diejenigen, die ihn ehren wollen, eine einfache Bitte: „Ehren Sie seinen beispielhaften Dienst, seine Leistung und Bescheidenheit, und wenn Sie das nächste Mal in einer klaren Nacht nach draußen gehen und der Mond zu Ihnen runterlacht, denken Sie an Neil Armstrong und zwinkern Sie ihm zu!“

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