Vor 150 Jahren erschien Jules Vernes „In 80 Tagen um die Welt“

„In 80 Tagen um die Welt“: Was heute locker und vielfach machbar ist, war vor genau 150 Jahren eine Weltreise, die diesen Titel auch verdiente. Im legendären Roman des französischen Autors Jules Verne startet Protagonist Phileas Fogg am 2. Oktober 1872 seine Weltumrundung. Das gesetzte Ziel: Am Samstag, 21. Dezember 1872, „um acht Uhr fünfundvierzig Minuten abends wieder in London sein“. Die Wette sollte äußerst knapp enden. Und nur dank einen Zeitsprungs gelingen.

Der Literaturklassiker erschien als französischer Vorabdruck mit dem Titel „Reise um die Erde in 80 Tagen“ fast parallel zur Handlung Ende 1872 und ein Jahr später als Erstausgabe.

Utopist Verne, der zudem die Romane „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ und „20.000 Meilen unter dem Meer“ verfasste und damit zu einem Vorreiter der Science-Fiction-Literatur wurde, setzt in seinem Abenteuerroman statt auf Sightseeing eher auf moderne Technik.

Das äußert sich zum einen in den Transportmitteln der gehetzten Reisegesellschaft um Fogg. Sie kommt zwar auch in der altbewährten Kutsche oder auf einem Elefanten vorwärts. Die längsten Strecken schafft die Gruppe aber in der damals modernen Eisenbahn, auf dem Schiff oder gar im Heißluftballon. Zum anderen setzt Verne auf etwas, das damals diskutiert wurde, aber noch gar nicht eingeführt war: die Zeitverschiebung.

Seiner Zeit voraus

Mit seinem Diener Passepartout bricht Phileas Fogg von London aus auf. Ihre Route führt gen Osten über Brindisi, Suez, Bombay, Kalkutta, Singapur, Hongkong, Shanghai, Yokohama, San Francisco, New York, Queenstown, Dublin und Liverpool zurück nach London. Die Städte fliegen nur so vorbei.

Foggs Fortbewegungsmittel müssten sich in Sachen Reisegeschwindigkeit heute allesamt dem modernen Flugzeug geschlagen geben. Sein Joker Zeitverschiebung hingegen hat sich seit Einführung nur wenig verändert.

Wieder in London angekommen, fürchtet Phileas Fogg zuerst, seine Wette verloren zu haben und vor dem Ruin zu stehen. Nach seiner vorläufigen Rechnung brauchte er mehr als 80 Tage, um die Welt einmal zu umrunden. Doch ein Zeitsprung verhilft ihm zum Sieg. Hier ist der Autor 1872 mit dem Roman seiner Zeit voraus. Weder Zeitverschiebungen noch Datumsgrenzen sind damals beschlossene Sache. Sehr wohl existiert jedoch die Idee dazu: Der italienische Mathematiker Giuseppe Barilli hatte Mitte des 19. Jahrhunderts die Eingebung, die Erdoberfläche in verschiedene Zonen einzuteilen und damit die Zeit zu vereinheitlichen. Diese Zeitzonen beziehen sich auf das zuvor eingeführte System der Längengrade, die auch Meridiane genannt werden.

Barillis Idee umfasst 24 terrestrische Zeitzonen mit je einer Stunde Zeitdifferenz und Bezug zum Meridian von Rom. Die Metropole am Tiber wird es aber nicht: Im Oktober 1884 findet die „International Meridian Conference“ in Washington statt. Ziel ist es, einen Meridian festzulegen, der als gemeinsamer nullter Längengrad und für die Zeitrechnung in der ganzen Welt verwendet werden soll. Die 41 Delegierten aus 25 Nationen einigen sich auf den Nullmeridian, der durch Greenwich nahe London verläuft.

Seitdem gilt: Wer sich wie Phileas Fogg nach Osten bewegt, stellt mit jeder Zeitzone die Uhr eine Stunde vor. Dafür wird der Erdball, ausgehend vom Nullmeridian, gedanklich in 24 Zonen mit einer Breite von je 15 Längengraden eingeteilt. Von einer dieser Zonen zur nächsten beträgt der Zeitunterschied jeweils eine Stunde. In Russlands Hauptstadt Moskau etwa ist es während der Winterzeit zwei Stunden später als in Berlin und sogar drei Stunden später als in Greenwich. Wer sich in die Gegenrichtung bewegt, stellt die Uhr zurück. Wer in New York landet, gewinnt von Berlin kommend sechs Stunden Zeit hinzu.

Treffen an Datumsgrenze

Die Datumsgrenze verläuft auf der gegenüberliegenden Seite der Weltkugel entlang des 180. Längengrads durch den Pazifischen Ozean. Grundsätzlich gilt: Wer sie in östlicher Richtung überquert, muss das Datum einen Tag zurückstellen. Ein Tag wird somit zweimal gezählt. Denn bei einer Reise von Westen nach Osten wird mit jeder Zeitzone die Uhr vorgestellt — dieses Plus von Stunden muss man sozusagen „abbauen“. Genau so ergeht es Fogg im Roman. Wer die Grenze aber in westlicher Richtung überquert, muss das Datum einen Tag vorstellen.

Warum ist das eigentlich so? Um das zu verstehen, stellt man sich beide Reisenden zusammen vor. Sie brechen im gleichen Gefährt am Nullmeridian in Greenwich auf und reisen in unterschiedliche Richtungen um die Erde — der eine nach Osten, der andere nach Westen. Beide erreichen schließlich den 180. Längengrad im Pazifik. Obwohl sie dieselbe Zahl an Stunden unterwegs waren, treffen sie durch das genau entgegengesetzte Umstellen ihrer Uhren zu verschiedenen Daten aufeinander. Rein logisch reisen beide aber weder in die Zukunft noch in die Vergangenheit. Also muss der eine das Datum um einen Tag vorstellen — und der andere um einen Tag zurückdrehen.

Über den großen Jules Verne

Zuerst kommt für viele die Bibel, dann Shakespeare und gleich danach Jules Verne. Die Werke des Autors, der seine Helden rund um die und zum Mittelpunkt der Erde und 20.000 Meilen unter das Meer schickte, gehören heute noch weltweit zu den meistgelesenen und meistübersetzten Romanen.

Jules Verne wurde am 8. Februar 1823 in Nantes geboren. Vom Fenster der elterlichen Wohnung aus konnte er die riesigen Segelschiffe beobachten, die in den Hafen ein- und ausliefen, das begründete seine Begeisterung für die Seefahrt und das Reisen. Sein flammender Enthusiasmus und seine rege Fantasie machten Verne schließlich zu einem der bedeutendsten Schriftsteller von Abenteuer- und Zukunftsromanen.

Er hat in seinen Geschichten wie „Fünf Wochen im Ballon“, „In 80 Tagen um die Welt“ und „Von der Erde zum Mond“ oder seinem Meisterwerk „20 000 Meilen unter dem Meer“ nichts erfunden, sondern sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse seiner Zeit gestützt. Der Schriftsteller, der am 24. März 1905 im Alter von 77 Jahren im nordfranzösischen Amiens gestorben ist, hinterließ mehr als 62 Romane.

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