Mahnwache nach Tod von Ärztin am Wiener Stephansplatz

Ihre Anteilnahme zeigten die Menschen am Stephansplatz © APA/GEORG HOCHMUTH

Der Tod der Ärztin Lisa-Maria Kellermayr nach Morddrohungen von Impfgegnern hat tiefe Betroffenheit und Bestürzung ausgelöst. Bereits nach Bekanntwerden ihres Suizids am Freitag kamen Menschen zu spontanen Mahnwachen zusammen. Am Montagabend fand am Wiener Stephansplatz eine Mahnwache mit Lichtermeer statt. Tausende Menschen nahmen am berührenden Gedenken teil. Auch in Linz, Wels und Graz fanden drei Tage nach dem Tod der 36-Jährigen Mahnwachen statt.

In Wien folgten tausende Menschen der Einladung des Initiators von #YesWeCare, Daniel Landau. Auch die Glocken des Doms läuteten.Ab 20 Uhr sammelten sich die Menschen am Stephansdom, um 20.45 Uhr läuteten die Glocken und tausende Kerzen wurden entzündet, dazu erstrahlten unzählige Handy-Lichter. Der gesamten Platz vor dem Dom war voll mit Menschen. Die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung stimmten mehrere Lieder an, darunter das Protestlied „We Shall Overcome“.

„Ich glaube, dass gemeinsam Trauern einer Gesellschaft gut tut“, sagte Initiator Landau der APA. Er kannte Kellermayr persönlich, hatte sie erst Mitte Juli in ihrer Ordination getroffen. Dabei hätten sie auch über den Glauben gesprochen, das sei der Medizinerin wichtig gewesen, schilderte Landau. In Gedenken an die Verstorbene fand das Glockenläuten statt.

Dompfarrer Toni Faber unterstützt die Initiative, ebenso die Österreichische Ärztekammer. Am Wochenende ging laut Präsident Johannes Steinhart eine Verständigung an alle Wiener Ärztinnen und Ärzte mit der Bitte, an der Gedenkveranstaltung teilzunehmen und so als Ärzteschaft „ein eindrucksvolles Zeichen für Solidarität und gegen Gewalt und Hass“ zu setzen. Auch Wissenschafter nahmen an der Mahnwache teil, darunter beispielsweise der Molekularbiologe Ulrich Elling. Am Stephansplatz fanden sich unter anderem auch der frühere SPÖ-Gesundheitsminister Alois Stöger sowie Seniorenbund-Obfrau Ingrid Korosec (ÖVP) ein. Auch der ehemalige Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) gedachte der toten Ärztin. Der ebenfalls anwesende Sänger, Bierpartei-Chef und deklarierte Bundespräsidentschaftskandidat Dominik Wlazny (alias „Marco Pogo“) twitterte am Abend: „Es is schön, dass so viele hier stehen, aber eine Schande, dass so viele hier stehen müssen“.

In der Linzer Innenstadt nahmen laut Polizei an einer Mahnwache für die oberösterreichische Medizinerin knapp 300 Personen teil. Am Taubenmarkt wurden rund um den Brunnen Kerzen aufgestellt und Blumen vor einem Bild Kellermayrs niedergelegt. Nach einer kurzen Ansprache der Veranstalterin blieb die Menge lange in stiller Andacht stehen. In Wels gedachten nach APA-Zählung rund 150 Leute vor dem Landesgericht – und damit auch dem Quartier der Staatsanwaltschaft gedacht. Polizei und Staatsanwaltschaft stehen seit dem Suizid in der Kritik, sie hätten zu wenig getan, um die Täter auszuforschen bzw. die Ärztin zu schützen. Er habe den Suizid nicht politisch instrumentalisieren wollen, sagte Veranstalter Maximilian Friedl im Gespräch mit der APA, daher habe er die Veranstaltung als Privatperson angemeldet. Friedl ist in der Jungen Linken Wels aktiv. Vor dem Gebäude wurden Kerzen angezündet und Blumen niedergelegt, die Teilnehmer versammelten sich zu einem stillen Gedenken an die Medizinerin.

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Bundespräsident Alexander Van der Bellen und seine Ehefrau Doris Schmiedauer legten vor der Praxis von Kellermayr in Seewalchen Blumen nieder, zeigt ein Foto auf Twitter. „An vielen Orten im ganzen Land kommen Menschen zusammen, um an Dr. Lisa-Maria Kellermayr zu erinnern. Um gemeinsam ein Zeichen für Zusammenhalt und gegen Hass zu setzen. Ein stiller Moment des Gedenkens heute in Seewalchen. #YesWeCare“, twitterte Van der Bellen am Montagabend.

Monatelang war die 36-Jährige vor ihrem Suizid unter anderem mit Mord bedroht worden, sie fühlte sich dem Hass von Impfgegnern und Corona-Leugnern hilflos ausgesetzt. Zu Beginn der Corona-Pandemie arbeitet Kellermayr im hausärztlichen Notdienst, betreute Covid-19-Patienten zu Hause. Die Drohungen gegen sie hatten begonnen, als die Ärztin im November 2021 eine Demo vor dem Klinikum in Wels auf Twitter kritisierte und die Landespolizeidirektion Oberösterreich von einer „Falschmeldung“ sprach. Ende Juni schloss die Allgemeinmedizinerin ihre Ordination in Seewalchen am Attersee (Bezirk Vöcklabruck). Laut eigenen Angaben hatte die Ärztin rund 100.000 Euro für Schutzmaßnahmen ausgegeben. Die Landespolizeidirektion Oberösterreich und die Oö. Ärztekammer hatten ihr ausgerichtet, sie solle sich doch öffentlich zurückhalten.

Sie sind in einer verzweifelten Lebenssituation und brauchen Hilfe? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Hilfsangebote für Personen mit Suizidgedanken und deren Angehörige bietet das Suizidpräventionsportal des Gesundheitsministeriums. Unter suizid-praevention.gv.at finden sich Kontaktdaten von Hilfseinrichtungen in Österreich. Infos für Jugendliche gibt es unter bittelebe.at

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