MAK-Schau widmet sich den „Frauen der Wiener Werkstätte“

Endlich wieder offen, endlich wieder was zum Schauen und Staunen. Das gilt für die große Ausstellung „Die Frauen der Wiener Werkstätte“ im MAK zwar erst ab Mittwoch, doch schon jetzt ist die Vorfreude groß. „Es ist ein Schlüsselprojekt meiner gesamten Direktionszeit“, schwärmte heute Noch-MAK-Chef Christoph Thun-Hohenstein im Gespräch mit der APA. „Es ist der Auftakt zu einem unheimlich starken Abgang.“ Ab September wird Lilli Hollein das Haus leiten.

Mehr als 800 Exponate geben Einblick in den weiblichen Beitrag zum Design in Wien zwischen 1903 und 1932, als die Wiener Werkstätte (WW) eine einzigartige Stellung zwischen Jugendstil und Bauhaus einnahm. Inkludiert sind auch kleine zeitliche Prologe auf die Kunstgewerbeschule, in der ab 1867 auch Frauen zugelassen waren, und auf die 1901 gegründete Vereinigung „Wiener Kunst im Hause“, einen direkten Vorläufer der Wiener Werkstätte. Die Schwerpunkte liegen auf Mode, Gebrauchsgrafik, Stoffmustern und Keramik, der Großteil der Exponate stammt aus eigenen Beständen, die seit der Übernahme des WW-Archivs 1955 eine Fülle an Material bieten. „Da konnten wir aus dem Vollen schöpfen“, versicherte Kuratorin Anne-Katrin Rossberg.

Viele aktuelle Forschungsergebnisse – und die Resultate eines öffentlichen Rechercheaufrufs – sind in die Ausstellung geflossen. Natürlich begegnet man auch einigen bekannten Namen wie Gudrun Baudisch, Mathilde Flögl oder Vally Wieselthier, „dass wir aber auch insgesamt 180 Namen gestoßen sind, war auch für uns überraschend“, gab Rossberg zu. Diese Namen, von Martha Alber bis Emmy Zweybrück, finden sich am Ende des Rundgangs – mit biografischen Angaben und teilweise mit Fotos – auf einer Wand festgehalten, die belegt, dass es den „Kunstgewerblerinnen“ jener Zeit ähnlich erging wie ihren literarischen oder künstlerischen Kolleginnen: In ihrer Zeit durchaus anerkannt, gerieten sie nach dem Zweiten Weltkrieg in der öffentlichen Wahrnehmung weitgehend in Vergessenheit. Dort hielten sich vor allem Josef Hoffmann, Koloman Moser oder Dagobert Peche.

Die von Claudia Cavallar mit Holzfaserplatten in Anlehnung an WW-Gestaltungen designte Ausstellung beeindruckt mit Buntheit und Fülle der Objekte, kann aber auch mit einigen Highlights aufwarten. Eine mehrteilige Keramik-Kaminverkleidung von Vally Wieselthier wurde extra für die Schau neu restauriert und wieder zusammengebaut; das von Johanna Staude auf ihrem Klimt-Porträt getragene Kleidungsstück konnte als aus dem WW-Stoff „Blätter“ von Martha Alber stammend identifiziert werden, eine Bluse aus demselben Stoff ist nun neben dem Gemälde zu sehen (beides als Leihgaben aus dem Belvedere); ein Kimono von Marlene Dietrich aus dem Film „Der blaue Engel“ wurde aus der Kinemathek Berlin entliehen – der Stoff wurde von Maria Likarz entworfen.

Besonders stark wirkte sich die Gründung der Künstlerwerkstätte der WW 1916 aus. Auch kriegsbedingt waren hier anfänglich vor allem Frauen tätig. In den 1920er-Jahren waren die wirtschaftlich selbstständig agierenden Frauen Teil einer Emanzipationsbewegung, der politisch in den 30ern ein Ende bereitet wurde. Viele der in der WW tätigen Frauen mussten emigrieren, einige starben im KZ. „Die vielen Lebensgeschichten zu recherchieren war oft sehr berührend“, sagte Rossberg.

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Während „Die Frauen der Wiener Werkstätte“ ab Mittwoch zugänglich sind, öffnet bereits morgen die Ausstellung „Breathe Earth Collective. Klima-Kultur“, die sich den Prinzipien einer neuen, vom transdisziplinären Breathe Earth Collective entworfenen Klimakultur widmet. Das MAK-Projekt steht dabei in direktem Bezug zum Grazer Kulturjahr, wo das Breathe Earth Collective einen Klima-Kultur-Pavillon als Prototyp zur Kühlung der Stadt Graz umsetzt. Mittels Video-Live-Schaltung werden die Waldatmosphäre und die Aktivitäten vor Ort im MAK sichtbar gemacht und aktiver Teil der Ausstellung.

Den von ihm in seiner zehnjährigen Amtszeit als MAK-Generaldirektor gesetzten Schwerpunktthemen der Nachhaltigkeit und der neuen Herausforderungen durch den Klimawandel werde er sich auch künftig widmen, sagte Thun-Hohenstein der APA. Die bestehende Option einer Rückkehr ins Außenministerium werde er vorerst ungenützt lassen.

(S E R V I C E – „Die Frauen der Wiener Werkstätte“ in der MAK-Ausstellungshalle, Wien 1, Stubenring 5, 5. Mai bis 3. Oktober, Di-So 10-18 Uhr, Katalog: Deutsch/Englisch, 288 Seiten mit zahlreichen Farbabbildungen. Birkhäuser Verlag, 44,95 Euro, )

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