Make Love not Menschenfeind

Premiere Stadttheater Grein: „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“

Spielfreudig: Gabi Huber-Lichtblau und HP Baumfried
Spielfreudig: Gabi Huber-Lichtblau und HP Baumfried © Stadttheater Grein

Von Eva Hammer

„Wahrlich mein Freund, es ist ohne Menschenliebe gewiss kein Glück möglich …“ Wie man Ferdinand Raimunds „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ (UA 1828) ohne Pathos und erhobenen Zeigefinger beikommen kann, führen Regisseurin Doris Happel und die Greiner Dilettantengesellschaft aufs Heiterste vor.

Der Alpenkönig teilt seinen Joint

Ganz konträr zum gehobenen Bürgertum der Original-Szenerie spielt das romantische Zaubermärchen in der Hippie-Zeit. Der Alpenkönig teilt seinen Joint mit den Geistern Alfons Puchner und Brigitte Maschl-Leitner, die nicht zufällig Lou und Janis heißen. Einen Mercedes Benz soll ihr der Alpenkönig kaufen, doch „You can’t always get what you want“. Melanie Schuhbauer als Alpenkönig(in) frönt dem Faible für Stones-Hadern, interpretiert und arrangiert von Akkordeonistin Ariane Buck, dass auch Meister Jagger Freude hätte (Leitung: Manuela Kloibmüller).

Dem reichen Egon Rappelkopf (Vornamen beachten) reicht es. Er hat sich ins desolate Greiner Stadttheater zurückgezogen (wird nächstes Jahr renoviert). „In der Freundschaft getäuscht, von der Liebe betrogen und in der Ehe gefoltert“, terrorisiert er Personal, Tochter Angelika „Angie“ und seine Gattin (Gabi Huber-Lichtblau). Er bezichtigt sie, sie hätte Diener Habakuk zum Mord angestiftet. Aus Kummer greift sie zum Alkohol. Ihr herzzerreißendes Lied „Egon, ich hab ja nur aus Liebe zu dir …“ fährt durch Mark und Bein. Der Alpenkönig bietet Rappelkopf eine Therapie an: Er soll in Gestalt seines Schwagers die Familie besuchen, um sich von deren loyaler Liebe zu überzeugen. Der Alpenkönig erscheint als sein Spiegelbild: Selbsterkenntnis. Der magische Egotrip bringt Erfolg. Geläutert ist Rappelkopf, vereint in Liebe sind Familie und junges Paar. Einzig Angie (Andrea Lehner) wirft einen sehnsuchtsvollen Blick auf den Alpenkönig.

Ausgeklügelt behandelt die Regie lange Originaltexte. Staunend lauschen die Irdischen, sichtlich nur „Bahnhof“ verstehend, bis sie reflektieren, kapieren und reagieren — eigentlich stimmt es ja. Und wunderschön gesagt ist es auch. Paul Heimel als Angies Verlobter August erhält Szenenapplaus. Christian Hochgatterer zelebriert das legendäre „Ich war zwei Mal in Paris“ als Habakuk. Koketterie und Bissigkeit obliegt dem eleganten Dienstmädchen Astrid Zehetner. Urgestein HP Baumfried kann seinen Grant exzessiv ausleben bis er sich selbst begegnet, eine Selbsterfahrung, bei der es um nichts weniger als Leben und Tod geht. Einmalige Typen, große Gaudi, riesiger Applaus. Sehenswert!

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Termine: 16., 17., 18. , 24., 25. u. 30. November; 1., 2., 7. u. 8. Dezember; freitags u. samstags jeweils um 19.30 Uhr; sonntags um 17 Uhr.

Karten: Buchhandlung Grünsteidl Grein, Tel. 07268/373