„Malina“ in Klagenfurt: Premiere zu Bachmanns 96. Geburtstag

„Malina“ in Klagenfurt © APA

Die Premiere einer „Malina“-Bearbeitung von Ute Liepold am 96. Geburtstag Ingeborg Bachmanns und am Vorabend der Verleihung des 46. Ingeborg-Bachmann-Preises war am Samstag ein gesellschaftliches Ereignis in Klagenfurt. Politische Spitzen vom Kärntner Landeshauptmann und dem Klagenfurter Bürgermeister abwärts waren in den Burghof gekommen – konnten während der 75-minütigen Produktion den Verlockungen des Smartphones allerdings nicht immer widerstehen.

Fast konnte man es ihnen nicht verdenken. Ist schon der 1971 erschienene Roman schwere Kost, an dem seit Generationen Studierende der Germanistik gut zu kauen haben, hatte Liepold für die Open-Air-Produktion ihres Theaters Wolkenflug offenbar nicht im Sinn, ihn leichter verdaulich zu machen. Die Dialoge und Reflexionen der komplizierten Dreiecksgeschichte zwischen der Ich-Erzählerin, ihrem Freund Ivan und ihrem Mitbewohner Malina hat sie auf drei Frauen aufgeteilt: Grischka Voss, Birgit Fuchs und Magda Kropiunig bieten ein Wechselspiel der Stimmen, während darstellerisch und inszenatorisch Zurückhaltung herrscht.

Die kleine Bühne wird von Bildern der Künstlerin Elisabeth Wedenig beherrscht, die auf bewegliche Metallrahmen montiert sind. Interessant, aber abstrakt. So entsteht der Eindruck von Vernissagengesprächen dreier Frauen, die fast ausschließlich um Männer kreisen. Und so nimmt man von dieser ambitionierten Auseinandersetzung mit einem der zentralen Bücher der österreichischen Nachkriegsliteratur vor allem die radikale Konfrontation mit tradierten Rollenbildern mit.

Eine betonte Naivität im Versuch, es dem geliebten Mann in allen Belangen recht zu machen, beherrscht den ersten Teil, sodass der Bruch zum folgenden Besuch des „Friedhofs der ermordeten Töchter“ besonders radikal wirkt. Von der realen wird auf die symbolische Ebene gewechselt, Kriegserinnerungen und Vergewaltigungsfantasien führen dazu, dass Gewalterfahrung sich mit Erkenntnissen zu Geschlechter- und Generationenkampf mischt: „Er ist nicht mein Vater. Er ist mein Mörder.“

„Es war Mord“, lautet der berühmte Schlusssatz des Romans, in dem die Protagonistin einfach in der Wand verschwindet. Die Mordanklage mit neuen Beweisen zu untermauern und diese Beweise auch zu bebildern, dies unterlässt die Inszenierung. Das ist schade und macht es den Verteidigern der männlichen Sache zu einfach. Mord verjährt zwar nicht. Aber auf mildernde Umstände sollte man jedenfalls plädieren.

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„Malina“ von Ingeborg Bachmann, Inszenierung / Bühnenfassung: Ute Liepold, Bühnenbild: Elisabeth Wedenig, Mit Birgit Fuchs, Magda Kropiunig und Grischka Voss. Theater Wolkenflug im Burghof Klagenfurt, Burggasse 8 (Eingang Domgasse), Weitere Vorstellungen: 29., 30. Juni, 1., 6., 7., 8., 9. Juli, 20.30 Uhr. wolkenflug.at

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