Streit wegen Mitarbeiterabbau bei MAN eskaliert

Der Streit über den anvisierten Abbau von 9.500 Arbeitsplätzen, davon 2.200 in Österreich, beim deutschen Lkw-Bauer MAN eskaliert. Der Betriebsrat und die IG Metall kündigten eine Unterbrechung der Verhandlungen mit dem Management über die Zukunft der VW-Tochter an. Die Beschäftigten sollten in einer Online-Betriebsversammlung über die Lage informiert werden. Das Management sei aufgefordert, dort Stellung zu beziehen.

Dem MAN-Werk im oberösterreichischen Steyr mit 2.200 Beschäftigten droht die Schließung. Auch die Werke in Plauen (Sachsen) und Wittlich (Rheinland-Pfalz) wackeln. Der Vorstand kündigte zuletzt den Beschäftigungs- und Standort-Sicherungsvertrag, mit dem Mitarbeiter vor Entlassungen geschützt werden sollten.

„Wir verlangen ein neues Konzept, das gemeinsam ausgearbeitet wird, und das keine Standortschließungen vorsieht“, legte der MAN-Arbeiter-Betriebsratschef im Werk in Steyr, Erich Schwarz, am Mittwoch der APA dar. Das habe er im Konzernbetriebsrat am Dienstag mitbeschlossen. Das Unternehmen sei bisher von seinen Plänen – u.a. Schließung des Werks in Steyr bis 2023 trotz Standort- und Beschäftigungsgarantie bis 2030 – nicht abgewichen.

„Es funktioniert nicht, dass bei MAN alles so bleibt wie bisher“, ist Schwarz verhandlungsbereit. „MAN muss neue Herausforderungen meistern“ bei den Antriebstechnologien bis 2025, doch das funktioniere nicht mit einem Kahlschlag. Man habe die Standort- und Beschäftigungssicherungsverträge prüfen lassen und laut einem Experten halten sie wie andere Verträge und seien einklagbar. Diesen Weg ist der Betriebsrat bereit zu gehen, sollte keine Einigung erzielt werden. Bisher seien vom Unternehmen nur Floskeln gekommen.

„Der Vorstand hat die Entscheidung des Betriebsrats mit Bedauern zur Kenntnis genommen“, äußerte sich ein Unternehmenssprecher am Mittwoch. Der Schritt sei überraschend gekommen. Dem Vorstand gehe es nicht um Kahlschlag, sondern um eine notwendige Restrukturierung, um in alternative Antriebe und Digitalisierung investieren zu können. Er bleibe gesprächsbereit.

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Auch für den oberösterreichischen Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (ÖVP) wird die Schließung des MAN-Standorts Steyr, die „vom MAN-Management mit hohen Verlusten des Konzerns begründet worden ist, noch unverständlicher“, nachdem die Mutterholding Traton wieder Gewinn mache und MAN laut Analysten auf Jahressicht sogar noch schwarze Zahlen schreiben könnte. Traton könne auch von Juli bis September ein Auftragsplus von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr verbuchen. „Das schafft für den Konzern einen Spielraum für eine Neuaufstellung ohne Schließung ganzer Standorte wie in Steyr“, zeigte sich Achleitner überzeugt.

Wie die Ankündigung des Traton-Mutterkonzerns VW, eine Milliarde Euro in den Ausbau des Standorts in Bratislava statt in den Neubau einer Fabrik in der Türkei zu stecken, zeige, würden offenbar auch die jüngsten Sanierungskonzepte schon wieder abgeändert. „Das sollte auch für den MAN-Standort Steyr gemacht werden“, forderte Achleitner, denn diese sei durchgehend gewinnbringend gewesen und könne mit einem zukunftsweisenden Konzept auch künftig ein Erfolgsmodell sein.

IG-Metall-Vorstand und MAN-Aufsichtsratsvize Jürgen Kerner bezeichnete die Pläne der Konzernführung als „Abwicklung“ des Nutzfahrzeugherstellers. „Sozialverträglicher und zukunftsfähiger Umbau eines Unternehmens sieht anders aus“, erklärte Betriebsratschef Saki Stimoniaris. Er ist auch stellvertretender Aufsichtsratschef der Traton-Holding, unter der Volkswagen (VW) die Marken MAN und Scania gebündelt hat.

Traton-Chef Matthias Gründler und MAN-Chef Andreas Tostmann wollen den defizitären Münchner Lkw- und Bushersteller dauerhaft profitabel machen und dafür 9.500 der weltweit 36.000 Arbeitsplätze streichen, vor allem in Deutschland und Österreich. Die beiden Manager stehen unter dem Druck des Volkswagen-Konzerns, nachdem bereits ihre Vorgänger über den Streit mit den Arbeitnehmern gestürzt waren.

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