MAN-Mutter: Umstrukturierungen und eine Milliarde für Elektro-Lkw

Aber keine Antwort auf Standortfrage Steyr bei Traton-Hauptversammlung

MAN und Traton: Am Werksgelände in Steyr auf Straßenschildern vereint, aktuell im Clinch über die gemeinsame Zukunft.
MAN und Traton: Am Werksgelände in Steyr auf Straßenschildern vereint, aktuell im Clinch über die gemeinsame Zukunft. © MAN

Bei der VW-Lastwagentochter Traton – auch Mutter des MAN-Werks in Steyr – bekräftigte man bei der Hauptversammlung am Mittwoch einerseits Umstrukturierungspläne, andererseits betonte man aber auch die geplante Milliarden-Investition in die Entwicklung von E-Lkw.

In Steyr dürfte die Hauptversammlung mit Spannung verfolgt worden sein. Wie umfangreich berichtet steht der der dortige MAN-Standort mit rund 2300 Mitarbeitern auf der Kippe.

Pikant: Erst im Vorjahr wurde zum 100-jährigen Jubiläum ein Traton-Platz am Werksgelände getauft, der die Richtung in die Zukunft weisen sollte – nicht zuletzt aufgrund von Millioneninvestitionen in den vorangegangenen Jahren.

Rute ins Fenster gestellt

Von der Münchner Konzernzentrale Tratons in München wurde der gesamten Lkw-Sparte MAN kein gutes Zeichen ausgestellt. MAN „ist heute nicht da, wo es sein könnte. Um das zu schaffen, ist eine Restrukturierung des Unternehmens unumgänglich“, erklärte Traton-Chef Matthias Gründler auf der Hauptversammlung. Mit dem Betriebsrat wolle er so schnell wie möglich eine grundlegende Neuausrichtung von MAN vereinbaren.

Die Markenvorstände von MAN, Scania und Volkswagen Caminhoes e Onibus bekämen jetzt mehr Handlungsfreiheit, um ihre Profitabilitätsziele zu erreichen, so Gründler. Was dies im Konkreten für Steyr heiße, ließ man bei Traton auf VOLKSBLATT-Anfrage offen.

Die Aussagen zur gestärkten Verantwortung der Marken würden nicht im Zusammenhang mit den laufenden Gesprächen des Managements von MAN Truck & Bus mit den Arbeitnehmervertretern über die Neuaufstellung von MAN stehen, heißt es aus München. Auch die Bekräftigung, dass Traton bis 2025 eine Milliarde Euro in die Elektrifizierung investieren werde „bezog sich nicht auf einzelne Standorte, sondern auf die gesamte Gruppe“, wurde betont. „Alle aktuellen Entwicklungsprojekte werden in den nächsten Monaten hinterfragt und neu priorisiert“, so Gründler auf der Hauptversammlung.

Stellenabbau geplant

MAN will 9500 Arbeitsplätze streichen – jeden vierten der weltweit 36.000. Scania plant 5.000 Stellen abzubauen. MAN hat im ersten Halbjahr 387 Millionen Euro operativen Verlust gemacht, die Traton-Gruppe insgesamt 220 Millionen. In Steyr will man weiterhin um den Standort kämpfen, eine Schließung 2023 steht aber im Raum.

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