MAN will bis zu 9.500 Jobs abbauen – Steyr droht Schließung

Volkswagen will bei seiner Lkw- und Bustochter MAN in Deutschland und Österreich bis zu 9.500 Stellen, also fast ein Viertel des Personalstands, kappen und damit Milliarden einsparen. Der österreichische Produktionsstandort in Steyr mit 2.300 Jobs und die deutschen Betriebe in Plauen (Sachsen) und Wittlich (Rheinland-Pfalz) könnten ganz geschlossen werden, teilte der Konzern am Freitag mit.

Das Büro des Betriebsratsvorsitzenden der Arbeiter bei MAN Trucks & Bus in Steyr, Erich Schwarz, teilte auf APA-Anfrage mit, dieser sei in Verhandlungen in München. Er wolle sich danach äußern. Die Entwicklung und Produktion von Nutzfahrzeugen in Steyr hat eine Tradition von über 100 Jahren. Das Werk beschäftigte im vergangenen Jahr im Schnitt inklusive Lehrlingen und Leasing-Kräften 2.456 Personen. Die aktuelle Zahl der Belegschaft wird mit 2.300 angegeben.

Das Werk in Steyr wurde 1914 fertiggestellt. 1919 begann die Produktion der ersten in Steyr produzierten Lkw. 1999 übernahmen die Oberösterreicher die gesamte Lkw-Fertigung der leichten und mittleren Baureihe von MAN. Das sind Fahrzeuge mit zwei oder drei Achsen, auch mit Allradantrieb ausgestattet, mit 150 bis 340 PS und einem Gesamtgewicht zwischen 7,5 bis 26 Tonnen.

Darüber hinaus werden dort auch Sonderfahrzeuge sowie Komponenten für den Produktionsverbund des Konzerns gebaut, beispielsweise Fahrerhäuser. Außerdem befindet sich in Steyr die größte Lackieranlage Europas für Lkw-Kunststoffanbauteile. Auch Forschung und Entwicklung werden an diesem Standort betrieben. Zuletzt gab es auch eine Kleinserie von E-Trucks.

Die VW-Tochter MAN beschäftigte 2019 etwa 39.000 Mitarbeiter. Der Konzernumsatz erreichte 2019 insgesamt rund 11 Mrd. Euro. Bis 2023 solle nun laut heutiger Konzernmitteilung eine Ergebnisverbesserung von 1,8 Milliarden Euro erzielt werden, teilte die Münchener Tochter aus der Nutzfahrzeugholding Traton mit. In allen Bereichen sollen Stellen wegfallen, zudem wollen die Manager Produktion und Entwicklung an andere Standorte verlegen.

Seit längerem steht bei MAN ein größerer Stellenabbau zur Diskussion, weil dem Konzern die Kosten schon vor der Coronakrise zu hoch waren. Zuletzt war in Medienberichten von bis zu 6.000 Stellen die Rede. Über das Vorgehen hatte es zwischen dem früheren VW-Nutzfahrzeugvorstand und Traton-Chef Andreas Renschler und der Arbeitnehmerseite heftigen Streit gegeben. Renschler musste Anfang Juli seine Posten bei VW räumen, Traton und MAN erhielten neue Chefs. Für den Umbau veranschlagt MAN Kosten im mittleren bis oberen dreistelligen Millionenbereich.

MAN muss sich allerdings weiter auf heftigen Widerstand der Arbeitnehmer einstellen. Der deutsche MAN-Betriebsrat kritisierte die vom Vorstand angekündigte Streichung von bis zu 9.500 Arbeitsplätzen ungewöhnlich scharf. “Das sind Management-Konzepte von tief unten aus der Mottenkiste”, erklärte Betriebsratschef Saki Stimoniaris. Die Belegschaft werde nicht für schwere Managementfehler büßen, sondern Widerstand gegen den Stellabbau leisten. Er forderte den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen und kündigte an, dem Vorstand eigene Vorstellungen zur Zukunft von MAN vorzulegen. Der Plan des Managements würde in Deutschland und Österreich “fast jeden zweiten Arbeitsplatz vernichten”.

MAN gehört zusammen mit dem schwedischen Lkw-Bauer Scania zum Volkswagen-Konzern. Die Branche ist auch wegen der weltweit stark sinkenden Nachfrage nach Lastwagen unter Druck. In Europa rechnete MAN schon vor der Corona-Pandemie mit einem Rückgang um zehn bis 20 Prozent in diesem Jahr.

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