„Man wird sich selber langweilig“

Psychiaterin Peters: „Die Menschen sind zunehmend erschöpft“

Relaxen

Die Corona-Pandemie setzt mittlerweile auch psychisch Gesunden enorm zu. „Zu mir kommen zunehmend Menschen mit echten Existenzängsten, weil durch das Virus ihre Lebensgrundlage weggebrochen ist und sie nicht mehr wissen, wovon sie leben sollen. Das sind reale, wirtschaftlich begründetet Ängste, die gut nachvollziehbar sind“, schildert Psychiaterin Margot Peters aus ihrem Alltag.

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„Andere wiederum, die grundsätzlich keine Corona-Leugner sind, haben es satt, dass sie sich brav an die gesetzlichen Maßnahmen halten und gleichzeitig sehen, was daneben an Corona-Verstößen abgeht.“ Nicht nur bei ihnen mache sich eine tiefe Erschöpfung breit.

„Viele Frauen klagen über Beziehungsprobleme, weil die Familie durch das Home-Office und -Schooling den ganzen Tag zusammen ist. Die Reizbarkeit ist gestiegen. Zudem fehlt der Gesprächsstoff. Man kann sich gegenseitig nichts neues Erzählen, weil keiner etwas erlebt hat. Auch den Jungen gehen die vor den Lockdowns gewohnten Freizeitaktivitäten massiv ab“, erläutert Primaria Peters: „Man wird sich selber langweilig.“

Zeitmanagement überfordert

Manche Menschen seien auch erschöpft, weil sie mit dem Zeitmanagement im Home-Office nicht zu Rande kommen. An einem Tag arbeiten sie bis spät in die Nacht, dafür sind sie dann am anderen nicht leistungsfähig. Sie sehnen den Büroalltag mit geregelteren Abläufen und Pausen, mit sozialen Kontakten unter Kollegen herbei.

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Abgesehen von den vielen Belastungen ist die Psychiaterin aber auch mit interessanten Phänomenen konfrontiert. Ein Teil ihrer Patienten ist mit dem Lockdown richtig glücklich, weil es derzeit keine Erwartungshaltung gibt. Sie können ohnedies keine Aktivitäten setzen und müssen daher auch nicht aktiv werden.

„Sie erleben sich so gut wie schon lange nicht“, weiß die stv. pro-Mente-Vorstandsvorsitzende. Und vor Weihnachten war es in der Ordination im Gegensatz zu anderen Jahren extrem ruhig. Eine Erklärung dafür ist: Diesmal konnte man mit der Begründung der Corona-Vorgaben unangenehme Familienfeiern bequem absagen.

Von Michaela Ecklbauer

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