„Manchmal sind meine Puppen mein Publikum“

„Goldene Note“-Siegerin Kanon Huang aus Linz ist sieben und ein Riesentalent auf dem Cello

Mit sieben schon ein kleiner Star: Kanon Huang aus Linz.
Mit sieben schon ein kleiner Star: Kanon Huang aus Linz. © privat

„Manchmal sind meine Puppen mein Publikum“, sagt Kanon. Die Siebenjährige hat aber auch schon vor großem „echtem“ Publikum gespielt und dabei geglänzt. Das fröhliche Mädchen mit den lachenden Augen aus Linz ist ein Riesentalent auf dem Cello und hat unlängst als jüngste Teilnehmerin die ORF-Talentsuche „Goldene Note“ gewonnen.

Es vergeht kein Tag ohne Cello

Das erste Instrument, auf dem Kanon, die auch schon bei prima la musica gewonnen hat, sich als Cellistin versucht hat, war eine Geige. Kanon war damals drei Jahre alt und ein größerer Instrumentenkörper für sie einfach nicht handhabbar. Papa Hsin-Kang Huang hat kurzerhand ein Stäbchen, wie man sie sonst zum Essen verwendet, an den Boden der Violine montiert, so dass die Kleine sie entsprechend positionieren und ihr erste Töne entlocken konnte.

Aus dem Erstversuch wurde bald regelmäßiger Unterricht, Kanons Vater, der ursprünglich aus Taiwan stammt, ist Cello-Lehrer. Heute spielt das Mädchen auf einem ½-Cello drei Stunden täglich nach der Schule – Kanon besucht die zweite Klasse der Grillparzer-Volksschule —, an freien Tagen und Wochenenden übt sie oft viereinhalb, fünf Stunden. Zum Spielen mit Freundinnen bleibt da wenig Zeit, ihre Schulkameraden seien aber jedes Mal begeistert, wenn sie ihnen ein Video von einem ihrer Auftritte zeigt. Für Kanon gibt es schlichtweg keine andere Option: Sie will Cellistin werden. Vorbild braucht die selbstbewusste Kleine, die am liebsten „Haydn, so kleine Lieder, und Bach“ spielt, dafür keines, wie sie selber sagt: „Musik erzählt mir immer etwas, tröstet mich oder bringt mich zum Tanzen.“

„Kanon spielt jetzt auf dem Niveau, auf dem ich das Cello beherrscht habe, als ich 22 Jahre alt war. Aktuell studiert sie den dritten Satz von Haydns Cellokonzert D-Dur ein“, sagt der stolze Papa. Und der hat immerhin in Wien und an der Linzer Bruckneruni studiert und ist vor 13 Jahren der Musik wegen nach Wien gekommen. Dort hat er seine heutige Ehefrau, eine japanische Pianistin, kennen- und lieben gelernt. „Meine Frau Nao lehrt an der Klagenfurter Universität, bringt aber nicht die Geduld auf, ihre eigenen Kinder zu unterrichten“, sagt Hsin-Kang lachend.

Kanon wirkt äußerst entspannt, ist lustig, aufgeweckt, sie tanzt, klettert und malt gerne, spricht Japanisch und Mandarin (Kanon bedeutet übrigens „gute Nachricht“). Und sie strahlt Selbstbewusstsein aus. Mit Kritik kann sie gut umgehen und sie versteht es, diese für ihr Fortkommen zu nutzen. Und wenn Papa wieder einmal sehr streng ist, dann kann es sein, dass Kanon ihm tief in die Augen blickt und die beiden fangen an, laut loszulachen. „Kanon ist mutig und möchte Herausforderungen schaffen und ist bei Auftritten auch nicht besonders nervös“, sagt Hsin-Kang.

Im Sommer nimmt Kanon wieder an verschiedenen Meisterkursen renommierter Cellisten teil. Dort ist sie fast immer die jüngste Musikerin. So war es auch bei der „Goldenen Note“. Das stört Kanon aber gar nicht: „Es war sehr schön und spannend und ich habe dort viele Freunde gefunden.“

Musik hat in dieser Familie höchste Priorität

Auch Kanons kleiner Bruder Gento ist auf dem bestem Weg, Musiker zu werden. Der Fünfjährige ist ebenfalls schon ein Virtuose auf dem Cello. Musik hat in dieser Familie eben allerhöchste Priorität.

Von Melanie Wagenhofer

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